Viele Vorwürfe und wenig Details vom Ibiza-Detektiv

Julian H. sagte vor dem U-Ausschuss aus. Er beteuerte, er habe mit dem Video kein Geld verdienen wollen. Jetzt sieht er sich als Opfer.

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Vorgeführt aus der Untersuchungshaft: Beamte bringen Julian H. nach dessen Aussage zurück ins Gefängnis.
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Wien – Julian H. wägt genau ab, was er sagen will – und was nicht. Der frühere Privatdetektiv war gestern Zeuge im Ibiza-Untersuchungsausschuss. Er war es, der den damaligen FPÖ-Spitzen Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus im Sommer 2017 auf Ibiza die Videofalle stellte. Hintermänner oder Auftraggeber will er nicht gehabt haben. Er habe persönlich auch kein Geld für das Video verlangt oder jemanden erpressen wollen. Stattdessen habe er aus hehren Motiven gehandelt: Ihm sei es darum gegangen, Käuflichkeit und Einflussnahmen in der Republik darzustellen. Ein Opfer dieser Praktiken sei er nun selbst: H. sitzt wegen des Vorwurfs der Täuschung, der versuchten Erpressung und von Drogendelikten in Untersuchungshaft. Er weist diese Vorwürfe zurück: „Es wird versucht, mich durch überzogene Ermittlungen und konstruierte Verdächtigungen mundtot zu machen. Es ist schwer zu glauben, dass Österreich ein gefestigter Rechtsstaat sein soll.“

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Am Anfang der Video-Aktion stand laut der Darstellung H.s der erfolglose Versuch, die Behörden für Vorwürfe eines Leibwächters Straches zu interessieren. Der Wiener Anwalt M., ein gemeinsamer Bekannter von H. und dem Leibwächter, sei damit im März 2015 bei der Kriminalpolizei vorstellig geworden: Strache bekomme große Mengen Bargeld aus unbekannten Quellen, er konsumiere Drogen und bestreite seinen Lebensunterhalt auf Kosten der Partei.

Auch der Beamte, bei dem M. die Vorwürfe deponierte, ist bekannt: Andreas Holzer leitete später die „Soko Tape“, die zur Klärung der Hintergründe des Videos eingesetzt wurde. Aktuell ist er Chef des Bundeskriminalamtes.

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Die Behörden blieben aber untätig. So sei die Idee für die Aktion gegen Strache entstanden: „Das Video sollte seit jeher vorliegende Vorwürfe objektiv dokumentieren: Einflussnahmen und Käuflichkeit in der Republik.“ Die jüngst bekannt gewordenen Chats im ÖVP-Umfeld zeigten dies auch.

In die Vorbereitung und Produktion der Videofalle sei neben ihm dann nur die scheinbare Oligarchennichte voll eingebunden gewesen.

Danach hat offenbar Anwalt M. übernommen. Wem wurde das Video angeboten? Zu welchem Preis? Im Ausschuss war bereits früher Thema, dass Personen aus dem Umfeld von SPÖ, ÖVP und NEOS entsprechende Angebote bekommen hätten. H. sagt, er habe dazu keine persönlichen Wahrnehmungen.

Zu vielen Detailfragen entschlug er sich auch einer Aussage – wegen des Strafverfahrens gegen ihn. So ließ er auch offen, warum die Aufnahmen dann ausgerechnet im Frühjahr 2019 über die Süddeutsche Zeitung und den Spiegel veröffentlicht wurden.

Nach dem Bekanntwerden des Videos seien aber auch an ihn Angebote herangetragen worden – von 10.000 Euro bis zwei Millionen Euro. Auch hätten ihm Mittelsmänner nahegelegt, die SPÖ oder den Bauindustriellen und NEOS-Unterstützer Hans-Peter HAselsteiner als Auftraggeber zu nennen. Gekommen seien diese Angebote aus dem Umfeld der Protagonisten des Videos – also Strache und Gudenus – oder aus dem Bereich des Glücksspiels. (sabl)


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