Bedrohte Hühnerarten vor Aussterben bewahrt

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Andre Bader und Christian Schneider zeigen das Ultentaler Huhn,
© adam@nb-rea.at,

Von Helmut Mittermayr

Reutte – Wenn die innere Uhr Tagesaktivität anzeigt, dann lassen in der Reuttener Tränkesiedlung in einem einzigen Garten bis zu fünf Hähne stolz ihre Kämme anschwellen – und krähen los. Jeder Gockel will täglich aufs Neue Reich und Harem abstecken. Denn verschiedene Rassen haben im großen Freigelände des „Standorts Arbeit“ der Lebenshilfe Reutte ein wahres Hühner-Paradies gefunden.

Das Besondere: Bedrohte Hühnerarten werden dort gezüchtet und vor dem Aussterben bewahrt. Aktuell werden vier Rassen gehegt und gepflegt: 1) Proveis Ultentaler aus Südtirol. 2) Pawlowskaja in Silber, Bunt und Weiß – die älteste Hühnerrasse Russlands, die als ausgestorben galt. 3) Seidenhühner in Schokobraun. 4) Brabanter Bauernhühner. Mehrere Zuchtgruppen mit je fünf bis sieben Hennen und einem Hahn haben je einen eigenen Stall und auch abgegrenzten Tagesauslauf für sich.

Sandra Wolf, Thomas Pacher und Michael Falger (v. l.) einige nicht minder seltene Exemplare des russischen Pawlowskajas.
© Lebenshilfe

„Begleitete“ Menschen finden in dem Projekt einen idealen Tagesrhythmus, indem sie sich liebevoll um die Aufzucht der derzeit 35 Hühner kümmern. Ihnen wird gerne assistiert, wenn es notwendig ist. Etwa bei der Fütterung oder dem nächtlichen Hereinholen, um Fuchs und Marder auf Abstand zu halten.

Seit zehn Jahren hat sich die Lebenshilfe Reutte dieser Nische verschrieben, wie Franz-Peter Witting, der Außerferner Regionalleiter, weiß. Längst habe sich alles eingelaufen. Eine private Stammkundschaft holt die Eier, die gerade wegen der ökologischen und nachhaltigen Art der Zucht die Goggelen gerne kaufen. In Reutte landet das Gefieder nicht im Suppentopf, die Legehennen sind keine Fleischlieferanten. Der Youtube-Kanal „Happy Huhn“ zeigt gleich mehrere Beiträge über das besondere Projekt zur Rettung alter Hühnerrassen. Die Reuttener verfügen längst über großes Know-how. Hobbyzüchter schauen gerne vorbei, um sich Ratschläge zu holen.

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Witting: „Die Lebenshilfe ist ein Klimabündnisbetrieb und es ist uns wichtig, nachhaltig und erhaltend im Sinne der Entwicklungsziele der UN zu arbeiten. Die Arterhaltung von vom Aussterben bedrohten Hühnerrassen ist ein kleiner Beitrag, den Zielen näher zu kommen.“


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