Laschet oder Söder: Duell um Kanzlerkandidatur der Union offiziell

Laschet oder Söder, CDU oder CSU, Nordrhein-Westfalen oder Bayern? Wer macht der Union den Kanzlerkandidaten? Das Rennen ist eröffnet, der Startvorteil liegt allerdings bei der größeren CDU.

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Laschet und Söder (r.) erklärten gestern, Kanzlerkandidat der Union sein zu wollen. Die Entscheidung wird bald fallen.
© dpa

Von Gabriele Starck

Berlin – Lang haben sie sich Zeit gelassen, nun aber dürft­e es schnell gehen. Die Entscheidung, wer die Union als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf führt, könnte noch in dieser Woche fallen. Und schon heute dürften maßgebliche Weichen dafür gestellt werden.

Der Druck aus der Partei war in den vergangenen Tagen zu groß geworden. Also nutzten die beiden Parteichefs der Union die Fraktionssitzung am Sonntag, um sich ihren Parteien und der Öffentlichkeit offiziell als Kanzlerkandidaten zu präsentieren. Wer denn nun um die Nachfolge Angela Merkels in den Ring steige, werde man sich untereinander ausmachen, betonte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Chef Armin Laschet bei der anschließenden Pressekonferenz. Ein erstes ausführliches Gespräch dazu habe bereits am Samstag stattgefunden, ergänzte sein bayerischer Amtskollege und CSU-Chef Markus Söder. Entschieden habe man bislang aber nur, dass man einig in den Wahlkampf ziehen und den jeweiligen Kandidaten bestmöglich unterstützen werde, beteuerten beide.

📽️ Video | ORF-Korrespondentin zu den Kanzlerkandidaten:

Klar ist: Sollte die weitaus größere CDU hinter Armin Laschet stehen, müsste Söder zurückstecken – trotz eklatant besserer Umfragewerte. Laschet wird deshalb in der Präsidiumssitzung seiner Partei heute Vormittag um ein klares Votum für sich werben. Zuletzt hatten sich etliche Länderchefs und gestern auch die scheidende Kanzlerin Angela Merkel ihre Präferenz für Laschet anmerken lassen. Und der Verlierer um den Parteivorsitz, Friedrich Merz, warnte seine Partei sogar in einem Zeitungsinterview davor, das Feld der CSU zu überlassen.

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Sollte Laschet also heut­e starke Stimmen für sich sprechen lassen, könnten die Würfel gefallen sein. Dann bliebe Markus Söder in der CSU-Sitzung am Abend nur, wie er selbst gestern angekündigt hat, „ohne Groll“ Lasche­t als Kanzlerkandidaten zu akzeptieren.

Doch wahrscheinlicher ist, dass sich die beiden tatsächlich noch weitere Unterstützung – auch in der Fraktion – sichern müssen. Da kann sich Laschet nicht aller CDU-Abgeordneten sicher sein. 50 von ihnen hatten am Freitag schriftlich erklärt, bei der Entscheidung mitreden zu wollen. Beobachter vermuten, dass sich etliche um ihre Mandate sorgen angesichts der schlechten Umfrage­werte für Laschet.

Dieser hat zuletzt sogar in seinem Bundesland stark an Zustimmung eingebüßt. Nur noch 26 Prozent der Nordrhein-Westfalen attestieren ihm in einer aktuellen einer Infratest-dimap-Umfrage, mit seiner Arbeit zufrieden zu sein. Im Jänner waren es noch 60 Prozent.


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