Van der Bellen und Kurz danken Anschober für seinen Einsatz

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Die „unermüdliche Arbeit“ von Minister Rudolf Anschober „in dieser so unendlich schwierigen und belastenden Zeit der Pandemie“ würdigte nach der Rücktritts-Bekanntgabe am Dienstag Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dankte dafür, dass sich Anschober „für unser Land aufgeopfert“ habe. Von der Opposition kam Respekt, aber auch Kritik am Corona-Management. Viele, bis hin zur Bischofskonferenz, zeigten Bedauern über Anschobers Rückzug.

Van der Bellen dankte Anschober via Twitter „im Namen der Republik und auch ganz persönlich“ für seinen Einsatz. Er wünschte dem Minister rasche Erholung und alles Gute für die Zukunft.

Dank und Genesungswünsche kamen vom Koalitionspartner - allen voran vom Kanzler: „Er hat sich in den vergangenen 16 Monaten für unser Land aufgeopfert sowie als Gesundheitsminister seine gesamte Energie in die Bekämpfung der Corona-Pandemie gesteckt“, anerkannte Kurz „mit wie viel Engagement er seine Aufgabe“ wahrgenommen habe. Von Beginn an habe Anschober seine zentrale Funktion im Corona-Management „mit sehr großer Verantwortung ausgeübt“. Der Rücktritt zeige, „dass die Pandemie nicht nur für jeden Einzelnen in der Bevölkerung eine Belastung ist, sondern auch für einen politisch Verantwortlichen, der Tag und Nacht im Einsatz ist und Entscheidungen treffen muss“, dankte Kurz „im Namen der Bundesregierung, aber auch ganz persönlich“. ÖVP-Innenminister Karl Nehammer dankte für „die konstruktive Zusammenarbeit bei der Eindämmung der Pandemie“. Anschober sei ein „verlässlicher Partner für das Innenministerium“ gewesen.

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zollte Anschober „großen Respekt“ für seine „schwierige Entscheidung“, dankte ihm für seinen Einsatz in den „sehr herausfordernden 14 Monaten“ - und wünschte per Twitter „von Herzen gute Besserung und persönlich alles Gute für Deine Zukunft“. Andere SPÖ-Politiker äußerten die Vermutung, dass - wie Vizeklubchef Jörg Leichtfried in einer Aussendung meinte - eine Ursache für Anschobers Entscheidung „sicher auch die fehlende Unterstützung des türkisen Koalitionspartners“ sei. Ein Problem sei wohl gewesen, dass er bessere Umfragewerte als der Kanzler gehabt habe. Kurz habe Anschober „nicht nur völlig allein gelassen, ihn auch noch während seines Krankenstands attackiert. Das ist menschlich letztklassig“, ergänzte SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher.

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Anschobers Parteikollegen gingen darauf in ihren Reaktionen nicht ein. „Rudi, du hast die Gesundheit der Menschen in Österreich immer an die erste Stelle gestellt, jetzt muss deine eigene Gesundheit im Zentrum stehen“, wünschte Klubobfrau Sigi Maurer namens des Grünen Parlamentsklubs rasche Erholung.

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) dankte Anschober für den regen Dialog mit den Parlamentarieren. Und unter Hinweis darauf, dass „was kränkt, auch krank machen kann“, mahnte er in einer Aussendung, dass Anfeindungen und Unterstellungen im politischen Diskurs keinen Platz haben dürften.

FPÖ-Parteichef Norbert Hofer sagte Anschober zwar „für seine Zukunft privat und gesundheitlich alles Gute“ - nützte die Gelegenheit aber, um noch einmal scharfe Kritik anzubringen. Anschober sei „nicht die richtige Besetzung“ für das Gesundheitsministerium gewesen und sein Rücktritt „die logische Konsequenz“ aus „erheblichen Fehlentscheidungen“, „vielen Pannen“ (z.B. vom VfGH aufgehobene Corona-Verordnungen) und Überforderung bei der Impfstoffbeschaffung. Und Hofer hielte, wie er in einer Aussendung anmerkte, den Rücktritt der gesamten Regierung für angebracht.

„Großen Respekt vor der Entscheidung von Rudolf Anschober“, bekundete NEOS-Chefin Bedate Meinl-Reisinger und wünschte „ihm persönlich alles Gute“. Seine Entscheidung sei „eine Mahnung für Achtsamkeit gegenüber einem selbst aber auch einander gegenüber“ - und auch eine „gute Entscheidung für Österreich“. Denn es brauche „Handlungsfähigkeit und Entscheidungsstärke und einen dringenden Neustart im Pandemie-Management“. Als „große Leserin“ freute sich Meinl-Reisinger, wie sie in einer Pressekonferenz sagte, auch auf den angekündigten Roman.

Respekt, Lob und Dank deponierten zudem verschiedene Institutionen, mit denen Anschober, auch als Sozialminister, zusammengearbeitet hat: ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian dankte ihm für eine Zusammenarbeit, die „stets geprägt war von Respekt, Gedankenaustausch auf Augenhöhe und dem gemeinsamen Willen, faire Lösungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu gestalten“. Mit Anschobers Rücktritt werde die Regierung Kurz „noch ein Stück herzloser und kälter“ - sei er doch einer der wenigen darin gewesen, „der für soziale Verteilungsgerechtigkeit eingestanden ist“, konstatierte SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch.

Dank kam aber auch von der Wirtschaftsseite: Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer unterstrich, dass „trotz manchmal unterschiedlicher Meinungen“ der Austausch immer von Respekt geprägt gewesen sei. Der Präsident der Industriellenvereinigung Georg Knill dankte Anschober ebenso - und stellte fest: „Mit Umsicht und Besonnenheit hat er einen wesentlichen Beitrag geleistet, damit Österreich die Corona-Pandemie bewältigen kann.“

Anschober habe „unermüdlich und mit voller Hingabe während der größten Gesundheitskrise seit 100 Jahren für die Österreicherinnen und Österreicher hart gearbeitet“ - und dabei „immer viel Verständnis für alle Beteiligten“ gezeigt, dankte Peter Lehner, der Vorsitzende der Konferenz der Sozialversicherungsträger. ÖGK-Chef Matthias Krenn wünschte Anschober - den er als „engagiert sowie konsensorientiert“ erlebt habe - „alles erdenklich Gute“.

Die Volkshilfe bedauerte Anschobers Rückzug - weil sich damit „ein Politiker verabschiedet, der Haltung zeigte anstelle von machtpolitischem Kalkül“. Und auch die katholischen Bischöfe dankten Anschober unter Bedauern: Er habe sich in der Pandemie stets darum bemüht, „das Ganze im Blick zu behalten“ und sei sich seiner großen Verantwortung bewusst gewesen, „das hat man gespürt“, merkte der Vorsitzende der Bischofskonferenz Franz Lackner an.


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