Söldens Wohnungsmarkt scheint vorerst gesättigt

Die Nachfrage nach Bauplätzen kann nicht befriedigt werden, jene nach Wohnungen scheint nach den aktuellen Bauprojekten gestillt zu sein.

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Nach Abschluss der Bauprojekte stehen Sölden Ende nächsten Jahres 80 Mietwohnungen zur Verfügung.
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Von Thomas Parth

Sölden – Wie Sozial­referent GR Stefan Brugger belegen kann, stehen nach der Vergab­e zweier Wohnungen aktuell fünf Wohnungen in Sölden für Einheimische zur Miete bereit. Allein die Nachfrage lässt auf sich warten. Aus Umhausen musste etwa eine Bewerberin abgelehnt werden. Sie erfüllte ein wichtiges Vergabekriterium, nämlich 15 Jahre Hauptwohnsitz in Sölden, nicht. „In Kaisers werden 37 Wohnungen errichtet mit neun Personen auf der Warte­liste. In Granbichl haben wir 38 Wohnungen und ebenfalls neun Vormerkungen“, zählt Brugger auf und summiert: „Mit Ende nächsten Jahres haben wir in Sölden 80 Wohnungen frei!“ Von den 18 Ansuchenden erfülle jedoch „ein schwaches Drittel“ die Vergaberichtlinien nach Tiroler Wohnbauförderung, wie z. B. Maximaleinkommen, nicht. Man müsse im Blick behalten, nicht zu viele Wohnungen in zu kurzer Zeit auf den Markt zu bringen.

„Allerdings haben wir immer wieder Anfragen nach Möglichkeiten, Häuser zu errichten“, bestätigt Brugger. Die Nachfrage nach Grundstücken, um auf diesen Einfamilienhäuser zu bauen, sei relativ hoch. In Zwieselstein könnte die Gemeinde Schritte setzen, um diese Bedürfnisse zu befriedigen, bestätigt etwa BM Ernst Schöpf.

„Für mich ist es jedenfalls kein Argument, dass junge Leute deshalb aus Sölden abwandern, weil es hier zu wenige Wohnungen geben würd­e“, unterstreicht Brugge­r. „Diese vox populi möchte ich ebenfalls nur ungern auf mir sitzen lassen“, stimmt BM Schöpf zu.

Um die Nachfrage zu steigern, hatte es bereits Überlegungen gegeben, die relativ strikten Kriterien in Sölden aufzuweichen und auf zehn Jahre Hauptwohnsitz herunterzugehen. „Da war jedoch eine große Mehrheit des Gemeinderats dagegen“, ruft Brugger in Erinnerung: „Die Grundphilosophie dahinter ist, dass sich unsere Einheimischen ausreichend Wohnraum (be-)schaffen können.“ Orte wie Längenfeld oder Umhausen gelten als Wachstums- und Zuzugsgemeinden mit steigenden Bevölkerungszahlen. Sölden gehe hier einen anderen Weg. „Wir haben nie aktive Zuzugs­politik betrieben“, so Schöpf.

Auch hätten sich der Wohnungsmarkt und die Bedürfnisse der Wohnungssuchenden in den letzten Jahren stark verändert. „Junge Leute sind heutzutage früher flügge und wollen ausprobieren, wie es ist, alleine zu wohnen. Deshalb setzen wir auch auf klein geschnittene Starterwohnungen“, zeigt Brugger auf. Die Befürchtung vieler Firmen­inhaber liege darin: Wenn die potenziellen Betriebsnachfolgerinnen oder Unternehmersöhne erst einmal weggezogen sind, fällt eine Rückkehr denkbar schwerer. Wildmoos, wo die Gemeinde Sölden vor 20 Jahren selbst Wohnraum errichtet und seither vermietet hat, erscheint vielen als weniger attraktiv. Andere Ortsteile wie Kaisers blühen auf und bekommen sogar einen Nahversorger.

Für Sölden entstehe ein gewisser Zeitdruck durch das Vergaberecht, welches lediglich zwei Monate bei der Gemeinde liegt. Danach obliegt es dem Wohnbauträger, an EU-Bürger zu vermieten. Miet-Kauf-Wohnungen ohn­e Vorkaufsrecht für die Gemeinde hätten sich in Sölden nicht bewährt.


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