Erstes SOS-Kinderdorf vor 70 Jahren in Tirol bezogen

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Vor 70 Jahren, am 15. April 1951 ist in der Tiroler Bezirkshauptstadt Imst das erste SOS-Kinderdorf eingeweiht worden. Viel habe sich seitdem geändert, berichtete der Leiter des SOS-Kinderdorfs in Imst, Jörg Schmidt, im APA-Interview. Neben der stationären Betreuung biete man heute etwa unterschiedlichste Formen ambulanter und zeitlich begrenzter Unterstützung, etwa ein „Eltern-Kind-Wohnen“. Die Integration der Eltern sah er als größte Herausforderung.

Heute leben 58 Kinder im SOS-Kinderdorf in Imst, berichtete dessen Leiter Schmidt - in sieben Wohngemeinschaften und vier Eltern-Kind-Häusern. Das Areal hat sich ständig weiterentwickelt. Erst 2020 bezogen 18 auf zwei Wohngemeinschaften aufgeteilte Kinder und Jugendliche ein „nach modernsten ökologischen Standards und vom Scheitel bis zur Sohle barrierefreies“ neues Haus, erzählte Schmidt.

Schmidt leitet das Imster SOS-Kinderdorf seit neun Jahren. Den Bedarf beschrieb er als „konstant bis leicht steigend“, die Betreuung der Kinder und Jugendlichen sei heute aber „im Inhalt sehr herausfordernd“. Die größte zu meisternde Herausforderung sei dabei die Integration der Eltern. „Es ist wichtig, dass wir als ‚Betreuungs-Profis‘ den Eltern den Platz machen“, stellte Schmidt klar. Sie seien deshalb bemüht, zwischen „Eltern und Betreuungspersonen, die die Kinder und Jugendlichen täglich begleiten und ihnen Schutz, Raum und Halt geben“ bewusst zu unterscheiden. „Die Eltern sind nicht per se böse“, stellte Schmidt klar. Für SOS-Kinderdorf würden sie - neben den Kindern und Jugendlichen und den SOS-MitarbeiterInnen - eine Art „dritte Dimension“ darstellen. Ein Ziel sei es „die Eltern wieder ins Boot zu holen“. Damit Eltern wieder Erziehungskompetenz erlangen, werden etwa begleitete Besuche und Beratungen angeboten.

Neben den WGs stünden in Imst vier Häuser für Eltern-Kind-Wohnen zur Verfügung. Dort würden Familien bis zu zwei Jahre wohnen und betreut werden, bis die Familienverhältnisse gefestigt seien und Eltern ihre Erziehungskompetenz (wieder) erlangten.

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251 Kinder und Jugendliche seien 2019 in Tirol von SOS-Kinderdorf stationär betreut worden, durch die von Innsbruck ausgehende ambulante Familienarbeit wurden 467 Heranwachsende in ganz Tirol in ihren Familien unterstützt. Österreichweit betreut und begleitet SOS-Kinderdorf jährlich rund 3.500 Kinder und Jugendliche: Etwa 2.000 von ihnen, die vorübergehend oder länger nicht bei ihren Eltern leben können, haben in Wohngruppen und SOS-Kinderdorf-Familien ein „stabiles, liebevolles Zuhause“. 1.500 junge Menschen werden mobil betreut oder in (Krisen-)Pflegefamilien unterstützt.

In Imst wird dieses Sprichwort gewissermaßen gelebt: Im Rahmen eines derzeit noch SOS-intern finanzierten Innovationsprojekts würden sogenannte „Familienkonferenzen“ durchgeführt. Dabei würden, so Schmidt, all jene versammelt, die mit dem jeweiligen Kind zu tun hatten: Verwandte, Lehrpersonen, Nachbarn oder zum Beispiel Fußballtrainer. Dann stelle man sich gemeinsam die Frage, was es für diese Familie an Unterstützung braucht und was jede/r Beteiligte/r dazu beitragen kann, dass die Erziehung der Kinder und Jugendlichen zu Hause gelingen kann.

Die Erfolgsquoten seien hoch, häufig werde so erreicht, die Ursprungsfamilie so zu stärken, „dass das Kind dort liebevoll aufwachsen kann“. In Holland seien solche Familienkonferenzen gesetzlich verpflichtend durchzuführen, bevor ein Kind in einer Einrichtung fremdbetreut wird. „Das ist aus meiner Sicht grandios“, meinte Schmidt dazu. Für eine nachhaltige und umfassende Einbindung der Eltern und des Umfelds fehle aber noch das „öffentliche Interesse“ und der „politische Rückhalt“, schließlich sei dafür „substanziell mehr Personal und mehr finanzielle Mittel“ nötig.

(Das Gespräch führte Maria Retter/APA)


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