Integration nach der Pandemie: Austausch als Motor

Die Corona-Pandemie erschwert Integration. Ministerin Susanne Raab will in der Zeit danach gegensteuern.

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Integrationsministerin Susanne Raab und Meinungsforscher Peter Hajek präsentierten das aktuelle Integrationsbarometer.
© APA/Punz

Wien – „Durchs Reden kommen die Leut’ z’samm.“ Die bekannte Redewendung wird im Zusammenhang mit Integration zwar oft bemüht, dass das aber so ist, zeigt wieder einmal das „Integrationsbarometer“. Meinungsforscher Peter Hajek befragte dafür – mittlerweile zum elften Mal – 1000 österreichische Staatsbürger im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Die Ergebnisse überraschen teilweise – und teilweise zeigen sie Offensichtliches.

Kontakt zu Migranten sehr positiv bewertet

So ergab die Untersuchung etwa, dass jene, die Kontakt zu Migranten haben, ihre Erfahrungen „exorbitant positiv“ beurteilen, wie Hajek sagt. „Habe ich zu den Menschen ein Gesicht, habe ich Austausch und Kontakt, dann habe ich eine signifikant bessere Einstellung.“ Ergo: Die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, um mehr Kontakte zu ermöglichen, so Hajek.

Ein schwieriges Unterfangen in Zeiten von Corona. „Integration gelingt, wenn Menschen zusammenkommen. Das ist jetzt gehemmt, da persönliche Kontakte wegen der Pandemie sehr stark eingeschränkt sind“, konstatiert Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP). Zwar habe man etwa Deutschkurse ins Internet verlegt, das sei aber kein Ersatz für ein persönliches Gespräch.

Ehrenamt als Schwerpunkt

Sobald es die Situation erlaubt, die Pandemie überwunden ist, will Raab gegensteuern – und persönliche Begegnungen intensivieren. Ein Schwerpunkt soll dabei das Ehrenamt sein.

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Zurück zum „Integrationsbarometer“: Zwar sorgen sich die Menschen am meisten um die wirtschaftliche Lage und um einen erneuten Anstieg der Covid-19-Fälle in Österreich (befragt wurde im Februar). Gleichzeitig sorgt sich auch jeder Zweite (55 Prozent) um die Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern sowie um die Verbreitung des politischen Islam (53 Prozent).

Erhoben wurde zudem, wo die Probleme im Zusammenleben mit Migranten liegen. Hier zeigt sich wenig überraschend, dass sprachliche und kulturelle Unterschiede das größte Hindernis für ein friktionsfreies Miteinander sind. Auf Rang zwei folgt die „Einstellung gegenüber Frauen“. Auffallend sei, dass dieser Punkt in den vergangenen Jahren deutlich in den Vordergrund gerückt ist, erklärt Hajek. Für Raab sind „unterschiedliche Frauenbilder eine große Hürde für Integration“. Kulturell bedingte patriarchale Rollenbilder gelte es zu „durchbrechen“, sagt sie. Wie? Frauen und Mädchen sollen gestärkt werden – etwa am Arbeitsplatz.

Überrascht habe Hajek ein anderer Teil der Erhebung – und zwar die Frage, ob Integration Hol- oder Bringschuld ist. Die Antwort fällt nicht so eindeutig aus, wie sich das der Meinungsforscher erwartet hätte, gesteht er ein. Die Befragten meinen zwar, dass vor allem Zuwanderer Integrationsleistung erbringen müssen, doch auch die Einheimischen nehmen sie nicht völlig aus der Verantwortung.

Das Sicherheitsgefühl hat sich Hajek zufolge „signifikant verschlechtert“. Eine Rolle dabei könnte der Terroranschlag von November in Wien spielen. Eine Steigerung gab es auch bei der Frage der Wahrnehmung von Parallelgesellschaften. 73 Prozent sehen diese, neun Prozent hingegen nicht. (sas)


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