Kunsthaus Bregenz zeigt Schweizerin Pamela Rosenkranz

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Schon seit Jahren beschäftigt sich die Schweizer Künstlerin Pamela Rosenkranz mit den biologischen und chemischen Grundlagen allen Seins. Damit war sie für Thomas D. Trummer, Direktor des Kunsthaus Bregenz (KUB), „genau die Richtige“ für eine Schau in einer von einem Virus dominierten Zeit. „House of Meme“ ist laut Kunsthaus die erste Einzelausstellung der 1979 geborenen Künstlerin in Österreich. Die Schau ist von 17. April bis 4. Juli geöffnet.

Gespeist aus naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, denkt Pamela Rosenkranz in ihren Arbeiten über unsere evolutionär entstandene Sinneswahrnehmung nach. So wird das Erdgeschoß des KUB von einem Stapel Amazon-Kartons mit dem als Lächeln erscheinenden Pfeil beherrscht. Die Plastikfolie, in die der Stapel eingewickelt ist, reflektiert das Licht grüner LED-Scheinwerfer. Ein „Alexa“-Speaker listet den ganzen Tag alphabetisch alle beim Online-Riesen erhältliche Produkte auf, über „A“ kommt er dabei nie hinaus. An den Wänden hängen mit transparenter rosa Farbe übermalte Stockfotos von Wäldern. Menschen reagierten laut der Wissenschaft positiv auf den Anblick von Bäumen, erläuterte die Künstlerin bei einer Presseführung am Donnerstag. Sie habe interessiert, wie dieser Effekt des aus unserer Entwicklung herrührenden Waldbildes für Werbung benutzt werde.

Blau hinterleuchtete, gotisch anmutende Lichtfenster imitieren Weite und Tiefe an den Betonwänden im ersten und zweiten Obergeschoß, thematisieren die Ferne, das Außen, im Nahen, im Inneren. Der Mensch habe zu Blau ein spezielles Verhältnis, das von unserer Herkunft aus dem Ozean herrühre, so Rosenkranz, die sich auch mit Yves Kleins Blau und seiner Verknüpfung dieser Farbe mit dem Transzendenten auseinandersetzte. Das Blau erinnert zudem an schimmernde Bildschirme, die den Schlaf des Menschen beeinflussen. Rosenkranz stellt die Frage, inwieweit sich der Mensch den in seine Spezies eingeschriebenen Erfahrungen entziehen kann.

Kann der Mensch die Natur imitieren und ist sein Ergebnis dann nicht ebenso natürlich? Rosenkranz löst die Trennung zwischen Natürlichem und Künstlichem in ihren Arbeiten auf, denn auf Ebene des Stofflichen gibt es diesen Unterschied nicht. „Plastikfolie reflektiert das Licht genauso wie Wasser. Das kann etwas Unangenehmes haben, aber es kann auch schön sein“, so die in Zürich und Zug lebende Künstlerin, die 2015 für die Schweiz an der Biennale Venedig teilnahm. Das KUB-Gebäude ist für sie mit all seinen Erfahrungen in den Jahren seines Bestehens selbst ein Organismus, der Erinnerungen an die ihn durchdringenden Vibrationen und Geräusche speichert. Durch die immer wieder geschlossenen und übermalten Bohrlöcher würden die Wände langsam selbst zum Gemälde, so Rosenkranz.

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Sichtbar macht sie den KUB-Organismus mit Fotos von Augen an den Wänden, die den Besucher zurückansehen, durch ziehende Nebelschwaden und Gerüche sowie durch dröhnenden elektronischen Sound, der das Haus und die Besucher durchdringen. Die unsichtbaren Signale der Mobiltelefone der Ausstellungsgäste beeinflussen im obersten Stock die Bewegungen einer elektronisch gesteuerten, künstlichen Schlange mit. Das sich scheinbar selbstständig, seitwärts bewegende Halbleitertier löst, obwohl doch künstlich, evolutionär bedingtes Unbehagen beim Besucher dieses entzaubernden Garten Edens aus.

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