Haft statt Freispruch: Griff ins Lenkrad nicht glaubhaft

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Haft statt Freispruch nach Promille-Todesfahrt: Berufungsgericht glaubte dem für Verkehrsdelikte bekannten Unfalllenker (25) nicht.
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Innsbruck – Um fünf Uhr morgens brauste ein 25-Jähriger mit einem Freund (29) von einer Grillfeier davon. Viel zu schnell und mit 1,17 Promille Alkohol sowie Kokain im Blut. In einer Kurve in Kramsach war der PS-starke Pkw auf regennasser Fahrbahn dann ausgebrochen und gegen einen Baum geprallt. Den Beifahrer kostete der Unfall das Leben.

Laut Verantwortung des 25-Jährigen aus eigener Schuld. Hätte ihm der Beifahrer doch plötzlich ins Lenkrad gegriffen und so den Wagen ins Schleudern gebracht. Beim Prozess am Landesgericht wegen grob fahrlässiger Tötung war der Lenker im Oktober deshalb erst freigesprochen worden.

Für das Gericht war die Verantwortung des Lenkers im Zweifel nicht zu widerlegen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft führte das Oberlandesgericht (OLG) gestern eine Beweiswiederholung durch. Ein verkehrstechnischer Sachverständiger kam dabei zum Schluss, dass der 25-Jährige die mögliche Kurvengeschwindigkeit mit 75 km/h um zumindest fünf km/h überschritten hatte (erlaubt waren 50 km/h).

Verwaltungsvorstrafen wegen Geschwindigkeit und Alkohol belegten zudem für das OLG, dass eine derartige Fahrt nicht zum ersten Mal stattgefunden hatte. Vor allem glaubte der Senat aber nicht, dass der Beifahrer dem Lenker tatsächlich „völlig unmotiviert“ ins Lenkrad gegriffen habe. So hieß es statt Freispruch: ein Jahr und 20 Tage unbedingte Haft als Zusatzstrafe zu einer Vorverurteilung. (fell)


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