Augenarzt kann Verdacht auf Hirnvenenthrombose abklären

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Nach Impfungen gegen Covid-19 mit dem Vakzin von AstraZeneca sind als seltene Komplikation Fälle Hirnvenenthrombosen aufgetreten. Verdacht sollte möglichst frühzeitig geschöpft werden. „Ein wichtiges körperliches Anzeichen dieser Impfkomplikation ist eine Schwellung des Sehnervs“, stellte jetzt die Fachgesellschaft der deutschen Augenärzte fest. Eine Untersuchung beim Ophthalmologen könne relativ einfach Klarheit schaffen.

In rund 85 Prozent der sogenannten Sinusvenenthrombosen (SVT; Hirnvenenthrombose) kommt es auch zu einer Stauungspapille (Schwellung; Anm.) des Sehnervs, „die durch eine Untersuchung des Augenhintergrundes zu erkennen ist“, schrieb die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG). „Wer nach einer Impfung mit AstraZeneca unter ungewöhnlich lang andauernden Kopfschmerzen leidet und zu den Risikogruppen gehört, sollte daher sicherheitshalber einen Augenarzt aufsuchen“, lautet der Rat.

Das deutsche Paul-Ehrlich-Institut hat bis zum 10. April 2021 insgesamt 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose (SVT) nach einer Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca gemeldet. In 35 Fällen waren Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen, darüber hinaus sieben Männer zwischen 24 und 58 Jahren. „Die Zahlen legen nahe, dass ein höheres Risiko für eine zerebrale Sinusvenenthrombose nach der Impfung nicht auszuschließen ist“, wurde DOG-Experte Helmut Wilhelm, Neuroophthalmologe an der Universitäts-Augenklinik in Tübingen, zitiert.

Auch bei allen Sicherheitsvorkehrungen - in Deutschland hat man den Kreis der für die Vakzine infrage kommenden Personen eingeengt - werde es weiterhin Menschen geben, die nach einer Covid-19-Impfung unter starken Kopfschmerzen leiden - ein Symptom, das auch in 90 Prozent aller SVT-Fälle auftrete. „Bei anhaltenden Kopfschmerzen über mehrere Tage, die sich trotz Einnahme frei verkäuflicher Schmerzmittel nicht bessern, kommt daher eigentlich eine Untersuchung mit Computer- oder Magnetresonanztomografie in Betracht, um den Verdacht auf eine SVT auszuschließen, was aber oft nicht zeitnah möglich ist“, erläuterte der Tübinger Neuroophthalmologe. „Dann sollte man vorsichtshalber den Gang zum Augenarzt antreten.“ Dies gelte ganz besonders, wenn Risikofaktoren für eine SVT wie Übergewicht oder Gerinnungsstörungen vorliegen.

Der Augenarzt kann den Augenhintergrund mit einem Spiegel auf eine Stauungspapille untersuchen, die das häufigste klinische Anzeichen einer zerebralen SVT darstellt. „Die Stauungspapille zeigt sich in bis zu 85 Prozent aller Fälle“, erklärte Wilhelm. Es handelt sich dabei um eine Schwellung an der Austrittsstelle des Sehnervs aus der Netzhaut des Auges, hervorgerufen durch den erhöhten Hirndruck. „Damit ist die augenärztliche Untersuchung eine valide und zugleich wenig aufwändige Methode, einen großen Teil der SVT-gefährdeten Patienten niederschwellig zu erfassen“, betonte der Experte. Ein Drittel der SVT-Betroffenen leide zusätzlich unter Sehstörungen.

Entdeckt der Augenarzt eine Stauungspapille, müsse der Patient als Notfall in eine neurologische Klinik mit Stroke-Unit zur Computer- oder Magnetresonanztomografie eingewiesen werden. Ist keine Veränderung an der Papille festzustellen, gilt zunächst Entwarnung. Bei unklaren Befunden oder anhaltenden Beschwerden könnten weitere Untersuchungen, zum Beispiel eine optische Kohärenztomografie des Augenhintergrunds, erfolgen.


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