Biden mahnt zu Klimaschutz: Müssen schnell handeln

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US-Präsident Joe Biden hat zum Auftakt seines Online-Klimagipfels mit Dutzenden Staats- und Regierungschefs zu entschiedenem und schnellem Handeln zur Eindämmung der Erderwärmung gemahnt. „Die Zeichen sind unübersehbar. Die Wissenschaft ist nicht zu leugnen. Die Kosten des Nichtstuns werden immer höher“, sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. „Wir müssen uns bewegen. Wir müssen schnell handeln, um diese Herausforderungen zu meistern.“

Biden warb dafür, in Klimaschutzmaßnahmen auch die wirtschaftlichen Chancen zu sehen: Die Energiewende, der Ausbau der Elektromobilität und Infrastrukturmaßnahmen böten die Gelegenheit, Millionen gut bezahlte Jobs zu schaffen.

„Kein Land kann diese Krise allein lösen“, sagte Biden und mahnte zu ehrgeizigeren Zielen bei der Drosselung klimaschädlicher Treibhausgas-Emissionen. „Jeder von uns und besonders diejenigen von uns, die die größten Volkswirtschaften der Welt repräsentieren: Wir müssen uns anstrengen.“

Die USA wollen bis zum Ende des Jahrzehnts ihre Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2005 halbieren. Biden bekräftigte sein Ziel, die USA auf den Pfad bringen zu wollen, dass sie spätestens 2050 ihre CO2-Emissionen auf netto null drücken.

China stellte eine Verringerung seines Kohleverbrauchs von ab 2025 in Aussicht. Auf dem virtuellen Klimagipfel sagte Staats- und Parteichef Xi Jinping, sein Land wolle Kohlekraftwerke „streng kontrollieren“. Während des laufenden Fünf-Jahres-Planes bis 2025 solle der Anstieg des klimaschädlichen Kohleverbrauchs „streng begrenzt“ und während des folgenden Planes bis 2030 „stufenweise verringert“ werden.

Er wiederholte seine Zusage, dass China den Höhepunkt seiner Emissionen vor 2030 anstrebe und Kohlendioxid-Neutralität vor 2060 erreichen wolle. Das bedeutet, dass kein Kohlendioxid ausgestoßen wird oder die CO2-Emissionen vollständig kompensiert werden. China habe sich verpflichtet, schneller vom Höhepunkt zur Neutralität zu gelangen, als es vielen entwickelten Länder gelingen könnte, sagte Xi. „Das erfordert außergewöhnlich harte Anstrengungen.“

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau kündigte ehrgeizigere Ziele beim Klimaschutz für sein Land an. Bis 2030 solle das Emissionslevel von 2005 um 40 bis 45 Prozent unterschritten werden, sagte Trudeau. Ziel sei es, die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen Kanadas bis 2050 auf netto Null zu drücken.

Das werde nicht einfach, sei aber unumgänglich, sagte Trudeau - und rief die Staats- und Regierungschefs der Welt auf, mitzumachen. Bisher hatte Kanada eine Reduktion seines Emissionslevels von 2005 um 30 Prozent bis 2030 als Ziel angegeben.

Der britische Premierminister Boris Johnson forderte die Teilnehmer des US-Klimagipfels dazu auf, ihre Bemühungen im Kampf gegen die Erderwärmung zu verstärken. Großbritannien habe gezeigt, dass es möglich sei, Emissionen zu verringern und trotzdem ein erhebliches Wirtschaftswachstum zu erreichen, sagte Johnson bei der Konferenz. Die Erholung von der Coronavirus-Pandemie könne genutzt werden, um in eine grünere Zukunft zu investieren, so der konservative Politiker.

Bereits am Dienstag hatte Johnson angekündigt, den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in Großbritannien bis 2035 um 78 Prozent im Vergleich zum Niveau der 1990er-Jahre reduzieren zu wollen. Das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, könne damit bereits bis 2037 zu zwei Dritteln erreicht werden. Laut Johnson handelt es sich um „das weltweit ambitioniertestes Ziel für die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen“. Er forderte die Teilnehmer der für November im schottischen Glasgow geplanten UNO-Klimakonferenz (COP26) auf, bis dahin ähnliche Verpflichtungen einzugehen.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres verlangte von den Staats- und Regierungschefs der Welt mehr konkrete Schritte im Kampf gegen die Klimakrise. Nötig sei eine globale Koalition für Treibhausgasneutralität bis Mitte des Jahrhunderts, und beteiligt werden sollte „jedes Land, jede Region, jede Stadt, jedes Unternehmen und jede Branche“, sagte Guterres bei dem virtuellen Klimagipfel.

Die nächsten zehn Jahre müssten zu einem „Jahrzehnt der Transformation“ werden. Alle Länder müssten sich ehrgeizigere Ziele setzen, unter anderem brauche es Steuern auf den Ausstoß von CO2. Kohle und Öl dürften nicht mehr subventioniert werden und müssten in den Industrieländern bis 2030 auslaufen. „Wir stehen am Rande des Abgrunds. Wir müssen sicherstellen, dass der nächste Schritt in die richtige Richtung geht“, so Guterres.

Biden hat 40 Staats- und Regierungschefs zu dem Online-Klimagipfel eingeladen. Das Spitzentreffen soll die Dringlichkeit und den wirtschaftlichen Nutzen von stärkeren Klimaschutzmaßnahmen auf dem Weg zur Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow unterstreichen.

Experten sind sich einig, dass sich bis 2030 weltweit viel mehr tun muss, wenn die Erderwärmung, wie 2015 von knapp 200 Staaten in Paris vereinbart, deutlich unter zwei Grad bleiben soll. Denn schon jetzt hat sich die Erde um rund 1,2 Grad erwärmt, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans begrüßte unterdessen das neue US-Klimaziel. Es sei ein „großartiges Zeichen der US-Unterstützung für den Klimaschutz und ein willkommener Schub für das globale Momentum“, schrieb Timmermans auf Twitter. „Dies ist ein entscheidendes Jahrzehnt.“

Die Europäische Union hatte sich am Mittwoch endgültig auf ihr Klimaziel für 2030 verständigt: Bis dahin sollen die EU-Emissionen um mindestens 55 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen.


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