Musikschulen brauchen in Corona-Zeiten langen Atem

  • Artikel
  • Diskussion

Apps, mit denen man so gut wie jedes Instrument von der Pike auf lernen kann, boomen gerade in Corona-Zeiten. Kleine Musikschulen haben es unterdessen schwer. So ist analoger Musikunterricht nur bedingt dazu geeignet, online durchgeführt zu werden, wie Agathe Nebl von der „école de musique“ in Wien-Landstraße und Robert Petz von der Musikschule Petz in Wien-Josefstadt berichten. Auch seien Schüler im vergangenen Jahr wegen der Belastung durch die Gesamtsituation abgesprungen.

Während Petz auf jahrzehntelange Erfahrung und einen großen Pool an Schülern verschiedenster Altersgruppen setzen kann, tat sich Nebl mit ihrer erst 2018 gegründeten Schule schwer, als im März 2020 plötzlich alles schließen musste. „Gerade im Einzelunterricht habe ich viele Kinder verloren, was ich auch auf die Überforderung der Eltern zurückführe, die ja plötzlich mit Homeoffice und Homeschooling konfrontiert waren“, erinnert sich Nebl im APA-Gespräch. Auch seien viele Familien im Lockdown aufs Land gefahren und hätten so keine Möglichkeit mehr gehabt, ihre Kinder am Unterricht teilnehmen zu lassen. Gerade unter ihren Schülern fänden sich auch viele Kinder von Expats, die seien dann „weggeflogen und verschwunden“. Insgesamt habe sie so rund 15 Prozent ihrer Schüler verloren, schätzt sie. Auch habe sie viele Kurse für Kleinkinder ab drei Monaten im Angebot. „Das geht online einfach nicht.“

Diese Erfahrung machte auch die Musikschule Petz, die auch musikalische Früherziehung für die Jüngsten in Kleingruppen anbietet. Hier habe man sich bei bereits bezahlten Kursen für Gutscheine für das kommende Schuljahr retten können. Bei den älteren Kindern, die hier Klavier lernen, habe man im Einzelunterricht relativ reibungslos auf Fernunterricht umsteigen können, auch wenn Video-Klavierunterricht sowohl von Lehrern als auch von Schülerinnen und Schülern viel Konzentration abverlange. So habe man immer versucht, wieder Präsenzunterricht - mit strengen Hygieneregeln - anzubieten, sobald auch in den Schulen wieder Unterricht stattfinden konnte. Schließlich gehe via WhatsApp oder Zoom zu viel verloren, wie auch Nebl sagt. „Da fehlt die Vibration, das Sehen, auch der Klang ist anders.“ Gruppenkurse können nach wie vor nicht stattfinden, da sie als Veranstaltung firmieren.

Während die Musikschule Petz, die großteils als Familienbetrieb geführt wird, relativ gut durch die bisherige Krise kam, bangt Nebl um ihre junge Musikschule. Da sie erst 2018 gegründet wurde, konnten viele Hilfsleistungen nicht im nötigen Ausmaß beantragt werden, wie sie sagt. Zunächst sei ihr wenigstens der Vermieter entgegen gekommen, später habe sie mit dem Gedanken gespielt, die Räumlichkeiten zurückzugeben. Im Sommer konnte sie immerhin als Cellistin Geld verdienen. Vor dem Aus gerettet haben sie schließlich die Eltern einiger Schüler, die eine Stiftung kontaktiert hätten, die ihr schließlich unter die Arme griff, sodass sie im Herbst neue Räume beziehen konnte. „Das war der Beweis, dass es Sinn hat. In der Krise ist das Menschliche herausgekommen.“

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.


Kommentieren


Schlagworte