Terrorverdacht nach Attacke auf Polizeiwache bei Paris

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Nach einer tödlichen Messerattacke auf einer Polizeiwache in Rambouillet bei Paris hat die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Dabei gehe es unter anderem um den Vorwurf des Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben, bestätigte die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Bei einem Messerangriff auf einer Polizeiwache in einer Gemeinde nahe Paris ist eine Mitarbeiterin der Polizei getötet worden.

Der Angreifer wurde von Polizisten angeschossen und sei kurz darauf gestorben, wie französische Medien berichteten. Der Angriff ereignete sich am Freitagnachmittag in der Gemeinde Rambouillet rund 60 Kilometer von Paris entfernt.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron versichert, dass der Staat im Kampf gegen den „islamistischen Terrorismus“ nicht nachlassen werde. „Die Nation ist an der Seite ihrer Familie, ihrer Kollegen und der Sicherheitskräfte“, teilte der 43-Jährige am Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter mit. „Im Kampf gegen den islamistischen Terrorismus geben wir nicht klein bei.“

Premier Jean Castex kam am Nachmittag am Tatort an. „Ich möchte allen Französinnen und Franzosen sagen, dass unsere Entschlossenheit, gegen alle Formen des Terrorismus zu kämpfen, intakt ist“, sagte er. Der Chef der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft, Jean-François Ricard, sagte, der Ablauf der Tat, das Opfer und die Äußerungen des Täters am Tatort seien Gründe, dass Terrorermittlungen eingeleitet wurden.

Er sei in Gedanken bei der gestorbenen Polizeimitarbeiterin und habe große Wut, sagte Philippe Benassayam, Abgeordneter aus der Region, im französischen Fernsehen. „Die Polizei ist unter Beschuss. Sie muss wirklich beschützt werden, denn die Angriffe sind konstant, regelmäßig und alltäglich.“ Die Rechtsaußen-Politikerin Marine Le Pen kommentierte sprach auf Twitter von den „gleichen islamistischen Motiven“.

In Polizeikreisen hieß es, der Angreifer habe der 49-Jährigen, die in der Verwaltung gearbeitet habe, in die Kehle gestochen. Es gebe derzeit keine Hinweise dafür, dass er während der Tat islamistische Parolen gerufen habe. Der Mann habe die tunesische Staatsbürgerschaft besessen, sich legal in Frankreich aufgehalten und keine Vorstrafen gehabt. Den Sicherheitsbehörden sei er nicht bekannt gewesen.

Rambouillet mit seinen rund 26.000 Einwohnerinnen und Einwohnern gilt als friedlich. Die Gemeinde liegt im Südwesten der französischen Hauptstadt.

Immer wieder gibt es in Frankreich Angriffe auf die Polizei. Im Herbst 2019 tötete ein Angestellter im Polizeihauptquartier in Paris vier seiner Kollegen mit einem Messer. Die Ermittler gehen von einem Terrorhintergrund aus. 2017 tötete ein Mann auf der Pariser Nobelstraße Champs-Élysées einen Beamten und verletzte zwei weitere. Der IS reklamierte die Tat für sich. Frankreichs Mitte-Regierung will mit einem neuen Sicherheitsgesetz mehr Schutz für die Ordnungskräfte im Land bieten.

Frankreich wird seit Jahren außerdem schwer vom islamistischem Terrorismus erschüttert, es starben weit über 250 unschuldige Menschen. Erst vor rund einem halben Jahr war der Lehrer Samuel Paty von einem mutmaßlich islamistischen Gewalttäter in der Nähe von Paris enthauptet worden.


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