Sängerin Milva 81-jährig in Italien verstorben

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Die italienische Sängerin und Brecht-Interpretin Milva verlässt für immer die Bühne. Die Künstlerin mit der Feuermähne starb Freitagabend im Alter von 81 Jahren in Mailand, wie ihre Tochter Martina Corgnati am Samstag mitteilte. Seit Jahren kämpfte die Chansonsängerin mit Gesundheitsproblemen, die sie 2010 gezwungen hatten, ihre 52 Jahre lange Karriere zu beenden.

Als „Milva, la Rossa“ - Milva, die Rote - nannte sich die Künstlerin selbst auf ihrer offiziellen Webseite. Sie schaffte den Sprung vom Schlagerstar zur anerkannten Interpretin von Bertolt Brecht. Ob Brecht, Schlager oder Oper - die Italienerin setzte sich immer wieder über Genre-Grenzen hinweg. Im Mailänder Piccolo Teatro war sie unter der Regie von Giorgio Strehler die Seeräuberjenny in der „Dreigroschenoper“.

Vor allem im deutschsprachigen Raum erfreute sich die italienische Diva, Chansonsängerin und Schauspielerin großer Beliebtheit. Nicht umsonst hatte sie einmal gesagt: „Deutsch ist mittlerweile meine zweite Muttersprache geworden, obwohl ich es nicht beherrsche“. An internationaler Anerkennung fehlte es nicht. So wurde sie Ritterin der französischen Ehrenlegion und sowohl in Italien als auch in Deutschland mit dem Verdienstkreuz I. Klasse geehrt.

Milva kam am 17. Juli 1939 als Maria Ilva Biolcati im norditalienischen Örtchen Goro bei Ferrara zur Welt. Die Tochter eines Fischhändlers und einer Schneiderin trat in Nachtklubs auf, bevor sie bei einem Schlagerwettbewerb des staatlichen italienischen Fernsehens RAI ein Stipendium für eine Gesangs- und Schauspielausbildung gewann. 1960 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag. Dutzende Alben hat sie seitdem veröffentlicht. Sie gab Gastkonzerte, ging auf Tourneen, sang in der Mailänder Scala, dem Pariser Olympia-Theater und dem Almeida Theatre in London. Fast 20 Mal trat sie beim Festival von San Remo auf, ohne jedoch jemals den Wettbewerb zu gewinnen.

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Anfang der 70er Jahre entdeckte sie ihre Liebe zu Bertolt Brecht, trat in Giorgio Strehlers Mailänder „Teatro Piccolo“ auf und an der Deutschen Oper Berlin. In der Folgezeit hat sie immer wieder Abstecher auf die Opernbühne unternommen, zum Beispiel als Prinz Orlofsky in Johann Strauß „Fledermaus“. 1978 nahm sie die Single Zusammenleben mit der Musik von Mikis Theodorakis auf und wurde dadurch auch im deutschen Sprachraum bekannt. Es folgten zahlreiche Konzerte, Tourneen und weitere deutschsprachige Aufnahmen.

Gleichzeitig wartete sie mit Interpretationen von Edith-Piaf-Chansons und Zarah-Leander-Stücken auf, gab Opern-Gastspiele („Tosca“; „Peter Pan“) und widmete sich mithilfe von Astor Piazzolla dem argentinischen Tango, der zu einem ihrer Steckenpferde wurde. Sie sang ihre Lieder nicht nur auf Italienisch, sondern auch auf Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Griechisch, Portugiesisch oder Japanisch. In den 1980er Jahren wirkte sie in mehreren Spielfilmen mit.

Im September 2010 teilte Milva mit, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auftreten werde. Sie litt unter Gedächtnisproblemen. Ihr letztes Album enthält Songs des sizilianischen Liedermachers Franco Battiato.

Als Höhepunkt ihrer Karriere nannte sie ein Brecht-Konzert mit den Berliner-Philharmonikern 1990. „Im Theater zu singen, in dem Claudio Abbado dirigiert, war eine große Ehre. Außerdem bin ich dreimal in der Mailänder Scala aufgetreten, ich glaube, dass das nicht vielen Kollegen geschehen ist“, sagte Milva. Über ihre Karriere sei sie sehr glücklich. „Ich habe mehr Erfolge als Niederlagen erlebt“, sagte sie.

Trotz allen Glanzes ihrer Auftritte und Tourneen ist Milva das Glück im Privaten weniger hold geblieben als auf der Bühne. Ihre einzige Ehe hielt nur zehn Jahre, andere Partner verließen sie, einer beging Selbstmord. Aus ihrer Ehe mit ihrem damaligen Manager und Förderer Maurizio Corgnati hatte sie eine 1963 geborene Tochter, die Kunstkritikerin Martina Corgnati. Immer wieder fiel sie in tiefe Depression.

Zuletzt hatte sich Milvas Gesundheitszustand verschlechtert. Am 26. März hatte sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen. „Ich lasse mich impfen, weil ich an meinem Leben hänge“, sagte die Sängerin damals.


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