„Nomadland“ ist der große Gewinner der 93. Oscars

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Die Parabel „Nomadland“ von Chloé Zhao ist der große Gewinner der 93. Oscars, die in der Nacht auf Montag in Los Angeles verliehen wurden. Das Drama über eine Witwe, die aus Not ihr Hab und Gut in ein Auto lädt und als Nomadin durch die USA zieht, wurde als bester Film ausgezeichnet, Zhao als beste Regisseurin und Frances McDormand mit ihrem dritten Oscar als beste Hauptdarstellerin. Eine Überraschung hingegen war die Würdigung als Hauptdarsteller für Anthony Hopkins.

Der 83-jährige, gebürtige Brite wurde für seine Leistung als demenzkranker Mann in Florian Zellers Werk „The Father“ geehrt und ist damit der älteste ausgezeichnete Darsteller in der Geschichte der Oscars. Allgemein hatten hier die Beobachter den im Vorjahr mit nur 43 Jahren verstorbenen Chadwick Boseman für seinen Part in der Rassismusanklage „Ma Rainey‘s Black Bottom“ als sicheren Sieger prognostiziert. So konnte sich das Werk nur in den beiden Kategorien Make-up/Haare sowie Kostüme durchsetzen und Trophäen für sich reklamieren.

Und dennoch konnten die 93. Oscars ihr schon bei den Nominierungen gezeigtes Bekenntnis zur Diversität auch in den Preisen einlösen. Nicht nur wurde Zhao als erst zweite Frau überhaupt mit einem Regieoscar bedacht, auch bei den Nebendarstellerinnen konnte sich eine Frau mit asiatischen Wurzeln durchsetzen: Die 73-jährige Yuh-Jung Youn wurde für ihren Part als resche Großmutter im Immigrantendrama „Minari“ aus den Händen von Brad Pitt mit der Statuette gewürdigt. Zuvor hatte der Brite Daniel Kaluuya für seine Rolle im schwarzen Bürgerrechtsdrama „Judas and the Black Messiah“ den Preis als bester Nebendarsteller entgegengenommen.

Als einer der Verlierer des Abends kann indes David Finchers Schwarz-weiß-Drama „Mank“ über die Entstehung des Filmklassikers „Citizen Kane“ gelten. Der Film war mit zehn Nominierungen als Spitzenreiter des Feldes ins Rennen gegangen, konnte aber nur die Goldstatuetten in den Nebenkategorien Kamera und Produktionsdesign für sich reklamieren. Auch für die kleine Oscar-Hoffnung Österreichs, Jasmina Zbanics rot-weiß-rot-koproduziertes Bosnienkriegsdrama „Quo vadis, Aida?“, das von Bosnien und Herzegowina eingereicht worden war, verlief der Abend ohne Oscar. In der Kategorie des Auslandsoscars musste man sich dem großen Favoriten, Thomas Vinterbergs Trinkerparabel „Der Rausch“ aus Dänemark, geschlagen geben.

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Die wirkliche Nullnummer des Abends war aber die eigentliche Gala selbst. Im Vorfeld war diese als erstes großes Showevent in der Coronakrise gedacht gewesen - und enttäuschte auf ganzer Linie. Im intimen Ambiente der Union Station von Los Angeles anstelle des traditionellen Dolby Theatres verzichtete man nicht nur auf Showelemente, Musikbeiträge oder in der Regel auch auf Ausschnitte aus den nominierten Werken, sondern vor allem gänzlich auf Humor. Stattdessen wurde die Veranstaltung im Stile redelastiger Preisverleihungen im Umfeld einer Provinzsparkasse vor 170 Stars plus Anhang abgehalten. Überraschenderweise blieb die Prägnanz aber selbst in den ausufernden Redebeiträgen vor die Tore des Bahnhofs verbannt. Weder spielte die Rassismusdebatte in den USA eine nennenswerte Rolle, noch fiel auch nur das Wort Covid - wenn man vom Produzenten Tyler Perry absieht, der mit dem Sonderpreis des Humanitarian Awards für sein soziales Engagement ausgezeichnet wurde.

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