SOS Kinderdorf muss Projekt auf Lesbos temporär einstellen

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Die Räumung des Flüchtlingslagers Kara Tepe 1 auf der griechischen Insel Lesbos bringt auch die Schließung der dortigen Tagesbetreuungsstätte von SOS-Kinderdorf für 200 Kinder und ihre Familien mit sich. Zwar werde ein Haus in der nahegelegenen Hauptstadt Mytilini angemietet, doch derzeit sei die Betreuung dort aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht möglich, teilte die Hilfsorganisation am Mittwoch auf APA-Anfrage mit.

Vergangene Woche hatte die griechische Regierung die Schließung des oft als Vorzeigemodell bezeichneten Flüchtlingscamps Kara Tepe 1 auf Lesbos bestätigt. Gründe dafür wurden nicht genannt. Dass die Menschen der gut funktionierenden Einrichtung in das umstrittene Lager Kara Tepe 2, Ausweichlager nach dem Brand des Camps Moria, gebracht werden, sorgte bei NGOs und Helfern für heftige Kritik. Sie bemängeln die dort herrschenden menschenunwürdigen Zustände.

„Das Container-Camp Kara Tepe 1 wurde für besonders gefährdete Familien errichtet. In unserer täglichen Arbeit sehen wir, wie wichtig die Betreuung von Kindern und ihren Familien ist. Nun werden diese Familien in ein Lager gebracht, in dem eine Betreuung in diesem Umfang nicht möglich ist. Das bedeutet für diese bereits sehr belasteten Familien, noch weitere Herausforderungen annehmen zu müssen“, sagte die Geschäftsführerin von SOS-Kinderdorf, Elisabeth Hauser, über die Entscheidung. Es habe zwar schon länger Schließungspläne gegeben, dass diese nun aber so rasch erfolge, habe man erst kurzfristig erfahren. Auch habe es keinen Plan für die Übersiedlung gegeben, kritisierte sie in einer Stellungnahme für die APA.

Um trotzdem Betreuung anbieten zu können, mietete SOS-Kinderdorf ein Haus in Mytilini an. Dort könne die Arbeit aufgenommen werden, sobald die Corona-Maßnahmen der griechischen Regierung gelockert werden. SOS-Kinderdorf rechnete damit, dass dies nach den orthodoxen Osterferien Mitte Mai der Fall sein könnte. Die Betreuung geflüchteter Kinder in Kara Tepe 1 war von den strengen Corona-Regelungen ausgenommen, da sie innerhalb des Camps stattgefunden hatte.

Sobald die Tagesbetreuungsstätte ihre Tätigkeit wieder aufnehmen kann, sollen „in einem ersten Schritt rund 120 Kinder“ betreut werden, teilte die Hilfsorganisation mit. Sie würden dann täglich mit Bussen in das Haus in der Hauptstadt gebracht. Auch einheimische Kinder sollen dort betreut werden. Das solle zum Abbau der Spannungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Geflüchteten in den Camps beitragen.


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