Pandemie heizte Lebensmittelverschwendung an

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In Österreich landet pro Jahr eine Million Tonnen genießbare Lebensmittel im Müll, ein einzelner heimischer Haushalt wirft im gleichen Zeitraum durchschnittlich 133 Kilogramm an genussfähigen Nahrungsmitteln weg. Die Corona-Pandemie hätte diesen Trend zur Verschwendung noch zusätzlich verschärft, kritisiert nun die Umweltschutzorganisation WWF anlässlich des Tages der Lebensmittelrettung und fordert Gesetze, die Produzenten verpflichten, ressourcenschonender zu wirtschaften.

„Während der Pandemie haben fehlende Planbarkeit, verändertes Konsumverhalten und plötzlich nicht mehr vorhandene Absatzmöglichkeiten zum Stocken der Lieferketten geführt“, sagte Olivia Herzog vom WWF Österreich. Nahrungsmittel landeten in der Folge im Müll, denn sie konnten nicht zeitgerecht weiterverarbeitet oder den Konsumenten angeboten werden.

Die Umweltorganisation fordert daher für die Industrie gesetzlich verbindliche Reduktionsziele von Lebensmittelabfällen und die verpflichtende Teilnahme bei der Erstellung einer „Datenbasis, die zeigt, wie viele Nahrungsmittel weggeworfen werden“. Außerdem solle eine „Koordinierungsstelle auf politischer Ebene“ geschaffen werden, die alle bisher auf mehrere Ministerien verteilten Zuständigkeiten bündelt, „um die Orte der Verschwendung zu finden“, so Herzog.

Auch Cornelia Diesenreiter, Mitgründerin von „Unverschwendet“, einem Unternehmen, das aus Produktionsüberschüssen der Landwirtschaft nachhaltige Feinkostprodukte herstellt, hofft, dass eine Koordinierungsstelle die unzureichende Kommunikation zwischen den Sektoren in der Wertschöpfungskette verbessert: „Es wäre wichtig, alle Überschüsse in der Landwirtschaft zu erheben und in der Wertschöpfungskette zu erhalten.“ Die Pandemie habe gezeigt, dass viele Händler ein zu kleines Vertriebsnetz hätten. „Bricht dann zum Beispiel die Gastro weg, bricht das gesamte Vertriebsnetz zusammen“, sagte Diesenreiter.

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„Uns hat die Krise geholfen, Vertriebssysteme zu optimieren, die Bestellsysteme wurden zum Beispiel verbessert“, sagte Herwig Gruber, Geschäftsführer des Lebensmittelhändlers Kastner. Das Unternehmen habe auch während der Corona-Pandemie kaum Lebensmittelabfälle produziert, genussfähiges Essen sei karitativen Zwecken zu Gute gekommen, außerdem gebe es einen Mitarbeiterabverkauf, bevor etwas verderbe. Dennoch wolle sich Kastner in Zukunft mehr auf österreichische Lieferanten konzentrieren, denn das helfe, „die Warenströme kurz zu halten - damit sind sie auch besser kontrollierbar“. Eine drastische Reduktion der unnötigen Verluste wertvoller Lebensmittel sei auch im Interesse des Handels, bekräftigte Gruber.


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