Dutzende Tote bei Massenpanik auf Fest in Nord-Israel

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Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest am Meron-Berg im Norden Israels sind nach Angaben von Rettungskräften rund 40 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 100 teils lebensgefährlich verletzt worden. Ein Sprecher des Rettungsdienstes Magen David Adom sprach am frühen Freitagmorgen von einer „unfassbaren Katastrophe“.

Einsatzkräfte äußerten sich erschüttert über das Erlebte: „Wir haben es gerade mit einem der schlimmsten Unglücke Israels zu tun gehabt“, sagte Dov Meisel von der Organisation United Hatzalah. Die Helfer seien grauenhaften Anblicken ausgesetzt gewesen, die es seit den blutigsten Tagen der Terrorwellen zu Beginn der 2000er-Jahre nicht mehr gegeben habe.

Nach dem Vorfall haben sich laut Medienberichten Hunderte Strenggläubige geweigert, den Unglücksort zu verlassen. Laut der Zeitung „Times of Israel“ folgten sie den Anweisungen der Polizei nicht. Es sei auch zu Auseinandersetzungen gekommen, unweit des Ortes der Panik. „Sie blockieren uns ohne Grund“, zitierte die Zeitung einen Anwesenden. „Ich will beten.“ Auch im Fernsehen waren Bilder der Konfrontationen zu sehen.

Anlass für die Massenpanik war nach ersten Erkenntnissen, dass Menschen auf einer abschüssigen Rampe mit Metallboden ins Rutschen kamen. Die dicht gedrängten Feiernden fielen übereinander, die Situation geriet außer Kontrolle. Hinzu kam, dass sich Notfalltüren offenbar nicht öffnen ließen.

Ein Verletzter im Rambam-Krankenhaus in Haifa erzählte, dass etwa 500 Menschen in einem Abschnitt mit Platz für etwa 50 eingepfercht gewesen seien. „Unten in der ersten Reihe sind Menschen gefallen, und oben haben die Menschen dies nicht gesehen und sich weiter nach vorne gedrängt. Eine Reihe fiel auf die andere.“

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht - wo einige von ihnen starben -, dabei waren auch Rettungshubschrauber im Einsatz. Die Polizei brach die Feiern ab und versuchte, das Gelände zu räumen. Zufahrtsstraßen wurden abgesperrt, Zehntausende versuchten verzweifelt, den Ort zu verlassen. Der Rettungseinsatz war so schwierig, dass auch die Eliteeinheit 669 der israelischen Armee zu Hilfe gerufen wurde.

Israels Präsident Reuven Rivlin schrieb auf Twitter, er verfolge die Berichte aus dem Ort Meron und bete für die Genesung der Verletzten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einer „schlimmen Katastrophe“.

Einige zehntausend Gläubige - vor allem Ultraorthodoxe - hatten in Meron den jüdischen Feiertag Lag Baomer begangen. In sozialen Netzwerken war vor dem Unglück in Videos zu sehen, wie eine riesige Menschenmenge dicht gedrängt und ausgelassen feiert, tanzt und springt.

Lag Baomer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Baomer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Grab ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet. Im vergangenen Jahr waren die Feiern wegen der Corona-Pandemie stark eingeschränkt worden.

Heuer hatten die Behörden die Teilnehmerzahl auf 10.000 Pilger beschränkt, nach Angaben der Organisatoren reisten aber mindestens 30.000 Gläubige aus ganz Israel an. In Medienberichten war sogar von 100.000 Pilgern die Rede. Rund 5.000 Polizisten waren vor Ort, um das religiöse Fest abzusichern.


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