Belvedere 21 widmet sich einst umstrittener Wotruba-Kirche

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Wie die Zeit den Blickwinkel verändert: Die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit nach den Entwürfen des Bildhauers Fritz Wotruba, die am Georgenberg über Wien thront, stieß noch im Entwurfsstadium auf teils heftige Kritik. Das 1976 fertiggestellte und eingeweihte Bauwerk sei mehr Aneinanderreihung aus Plastiken denn eigenständige Architektur, so ein Vorwurf. Wie aus dieser Ablehnung recht schnell Verehrung wurde, zeigt eine neue Ausstellung im Untergeschoß des Belvedere 21.

„Wotruba. Himmelwärts“ (6. Mai bis 13. März 2022) ist die erste Schau, die sich einzig und allein mit dem markanten Bau in Wien-Mauer beschäftigt. Ursprünglich hätte Wotruba ein Ensemble aus Kirche und Kloster für den Karmelitinnen-Orden entwerfen sollen, die Realisierung war im niederösterreichischen Steinbach bei Wien geplant. Doch es kam letztlich anders, wobei bis zum Schluss die „Überwindung vieler Hindernisse“ kennzeichnend war für die Kirche, wie Kuratorin Gabriele Stöger-Spevak bei einem Videorundgang durch die kompakte Schau erläutert.

In deren Zentrum steht ein 1967 entstandenes, maßstabloses Modell in Gips, das die markanten Blöcke der Kirche in noch roherer Form veranschaulicht. Um dieses Modell letztlich auch in die Tat umsetzen zu können, holte sich Wotruba den Architekten Fritz Gerhard Mayr zur Seite. Es ging darum, „den bildhauerischen Entwurf umzusetzen und mit architektonischen Mitteln zu erweitern“, so Stöger-Spevak. Im darauffolgenden Jahr wurde das Vorhaben der Öffentlichkeit erstmals präsentiert, und die Reaktionen waren sowohl in Zuspruch als auch Ablehnung durchaus intensiv.

Mit der Beanstandung, sein Entwurf habe nicht wirklich etwas mit Architektur zu tun, damit konnte Wotruba nichts anfangen. Für ihn ging es der Kuratorin zufolge um eine „Beschäftigung mit Raum, Figur und Architektur“, was ihn auch mit anderen internationalen Künstlern jener Zeit verband. In Österreich sei er damals aber „Solitär“ gewesen, betont Stöger-Spevak. „Wotruba hat 135 Blöcke zu Architektur getürmt, geschichtet und arrangiert. Er wollte eine wirkliche Architektur bauen, die aber meist als begehbare Plastik wahrgenommen wurde, was nicht in seinem Sinne war.“

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Im Belvedere 21 sind neben dem Modell nun zahlreiche weitere Entwürfe, Plastiken und Skizzen zu sehen, die die weitere Ausgestaltung der Kirche vor Augen führen. Wotruba selbst erlebte die Einweihung übrigens nicht mehr mit: Er starb ein Jahr zuvor, im Sommer 1975, mit 68 Jahren. Für die Fertigstellung der Kirche - es gab noch offene Fragen die Innenausstattung oder die Fenster betreffend - orientierte man sich letztlich an früheren Entwürfen, die Wotruba für Kirchenprojekte in Luzern und Bruchsal angefertigt hatte.

Die Kritik am markanten Erscheinungsbild verstimmte schon mit der Eröffnung der Kirche zusehends, wobei allen voran das Innere auch die Kritiker überrasche. „Ihre helle, großzügige, lichtdurchflutete Situation stand in gewissem Gegensatz zu äußerem Erscheinungsbild“, so Stöger-Spevak. Heute gehört die Wotruba-Kirche jedenfalls zu den ikonischen Architekturdenkmälern der Stadt.

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