Ugandischer Rebellenchef zu 25 Jahren Haft verurteilt

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Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag hat den Ex-Kommandanten der ugandischen LRA-Miliz, Dominic Ongwen, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Die Richter verhängten am Donnerstag 25 Jahre Gefängnis wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen den ehemaligen Kindersoldaten. Ongwen war von dem Gericht im Februar in 61 von 70 Punkten schuldig gesprochen worden.

Unter anderem werden Ongwen Mord, Vergewaltigung, sexuelle Versklavung und Rekrutierung von Kindersoldaten vorgeworfen. Die Strafe entspreche der „extremen Schuld von Ongwen und der extremen Schwere der Verbrechen“, erklärte der IStGH zur Begründung. Als mildernden Umstand bewertete das Gericht, dass Ongwen selbst nicht nur Täter, sondern auch Opfer der LRA war.

Er war als Neunjähriger auf dem Weg zur Schule verschleppt und als Kindersoldat eingesetzt worden. Er habe in den ersten Jahren sehr gelitten, sagte der Vorsitzende Richter Betram. „Das rechtfertigte aber nicht die entsetzlichen Verbrechen, die er bewusst als Erwachsener begangen hatte.“

Schmitt verwies mit Nachdruck auf die „extreme Grausamkeit“ der Verbrechen: Menschen wurden demnach bei lebendigem Leibe in Häuser eingesperrt und verbrannt, Mädchen und Frauen als Sex-Sklavinnen missbraucht, Kinder zum Töten und Foltern gezwungen. Ongwen war auch für vier Angriffe auf Flüchtlingslager von 2002 bis 2004 verantwortlich.

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Die Strafe fällt höher aus als die Forderung der Anklage zur 20 Jahren Haft. Die Verteidigung hatte auf zehn Jahre Haft plädiert, Vertreter der Opfer verlangten eine lebenslange Strafe. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Die christlich-fundamentalistische „Widerstandsarmee des Herrn“ (LRA) wurde vor drei Jahrzehnten von dem selbsternannten Propheten Joseph Kony in Uganda gegründet. Ongwen war einer von Konys Stellvertretern. Nach Angaben der UNO tötete die LRA mehr als 100.000 Menschen und entführte 60.000 Kinder. Die Gewaltwelle erstreckte sich bis in den Sudan, die Demokratische Republik Kongo und in die Zentralafrikanische Republik. LRA-Chef Kony gilt bis heute als flüchtig. Ongwen hatte sich Anfang 2015 ergeben, die Vorwürfe aber als unwahr zurückgewiesen.


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