MAK präsentiert neue Wurm-Skulpturen im Geymüllerschlössel

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Nasen, Ohren, Zeigefinger: In Erwin Wurms neuen Arbeiten, die ab Samstag in seiner neuen Ausstellung in der MAK-Expositur im Geymüllerschlössel zu sehen sind, wachsen Körperteile aus deformierten Tongebilden. Für den Künstler ist die Serie „Dissolution“ eine Rückkehr zur Suche nach der Form, wie er im APA-Gespräch erläuterte. Mit dem biedermeierlichen Umfeld habe er zwar gehadert, am Ende hofft er aber, „dass die Arbeiten stark genug sind, dass man sich auf sie konzentriert“.

Inmitten des opulenten Mobiliars finden sich rund 20 Skulpturen, die sich zwischen Realismus und Abstraktion bewegen. Anders als bei seinen großformatigen Arbeiten wie etwa seinen „Fat Sculptures“ hat er diesmal selbst Hand angelegt. „Ich bin immer mehr - wie viele Kollegen - in eine Richtung gekommen, wo ich immer mehr Sachen angeschafft und Dinge nur mehr geplant habe, die dann von anderen ausgeführt wurden. Da bin ich zwar dabei, aber gemacht wird es von anderen.“ So sei in den vergangenen Jahren der Wunsch entstanden, den eigenen Arbeiten wieder näher zu kommen.

Vor vier Jahren hat er mit seinen „Performativen Skulpturen“ im Belvedere 21 aus Ton gefertigte Möbel gezeigt, in die er „formierend, aber auch deformierend“ eingegriffen hat. „Das hat sich dann weiterentwickelt.“ So sind die nun gezeigten Skulpturen entstanden, aus denen einzelne Körperteile ragen, während der Körper sich bis zur Abstraktion deformiert. Da passt der Titel der Auflösung („Dissolution“) ganz gut. Die Prozesshaftigkeit der Entstehung habe darüber hinaus zu einer gewissen kritischen Distanz geführt. „Der Arbeitsprozess ist sehr lang“, erklärte Wurm. Mehrere Monate dauert es, bis die Objekte, die zunächst trocknen müssen, bevor sie gebrannt und glasiert werden, fertig sind.

Am Ende habe es oft „böse Überraschungen gegeben, manchmal aber auch positive“. Durch die gewonnene Distanz sei es ihm auch leichter gefallen, misslungene Arbeiten zu verwerfen. Dass die titelgebende Auflösung auch ein Hinweis auf sich auflösende Sicherheiten nach einem Jahr Pandemie sind, könne man allerdings nicht behaupten, da er mit der Serie schon lange vor Corona begonnen habe. „Es interessiert mich seit Jahren, Realismus aufzulösen“, so Wurm.

„Es hat mich fasziniert, was passiert, wenn ich aus einem Batzen Ton eine Nase modelliere und Teile der Skulptur dann wieder durch die Glasur abgedeckt werden“, gibt er Einblick in den Überraschungsmoment des Schaffensprozesses. „Ich habe mir ja früher schon überlegt, wie man Malerei bildhauerisch einsetzt kann.“ Dies sei nun gelungen. „Ich habe lange mit vorgefertigten Formen gearbeitet. Hier geht es zurück zum Anfang, zur Suche nach der Form.“

Das vergangene Corona-Jahr habe er trotz aller Widrigkeiten genießen können, da er durch den Wegfall des Reisens mehr zum Arbeiten gekommen sei. Nachsatz: „Ich weiß, dass ich da mit dem Studio am Land in einer sehr privilegierten Situation bin, während andere in ihren Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnungen eingesperrt waren.“ Dennoch verspüre er jetzt wieder den Drang, in die Welt hinauszugehen - „auch wenn das vielleicht nicht sehr vernünftig ist, aber wir Menschen sind selten vernunftbegabt“.

Andererseits habe er in dieser Zeit etwa eine Ausstellung in Taiwan realisieren können, ohne je vor Ort gewesen zu sein. Das habe ihn an seine früheren Pullover-Arbeiten erinnert, für die er einmal eine Gebrauchsanweisung nach San Francisco geschickt habe, da der Galerist nicht die Möglichkeit hatte, ihn für die Ausstellung einzufliegen. Diesem Zugang könne er nun wieder etwas abgewinnen, da es künftig möglich sei, überall auf der Welt Projekte zu realisieren, ohne selbst vor Ort sein zu müssen. „Das war plötzlich eine interessante Methode, um die Präsenz auszuschalten.“

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