Zweiter Mann hinter Gorbatschow: Jegor Ligatschow gestorben

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Der russische Politiker Jegor Ligatschow, der in den letzten Jahren der Sowjetunion als zweiter Mann nach Kremlchef Michail Gorbatschow bekannt wurde, ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Ligatschow war von 1985 bis 1990 Mitglied im Politbüro der Kommunistischen Partei. Anfangs galt er als Unterstützer Gorbatschows, distanzierte sich dann aber von ihm. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass starb er am Freitagabend in einem Moskauer Krankenhaus.

Der aus Sibirien stammende Ligatschow gilt unter anderem als Ideengeber von Gorbatschows Anti-Alkohol-Kampagne in den 1980er Jahren, die in der Bevölkerung auf breite Ablehnung stieß. Der konservative Parteifunktionär trug die Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) zunächst mit. Dann ging er jedoch auf Distanz. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bezeichnete er es als seinen „größten Personalfehler“, Gorbatschows Kandidatur unterstützt zu haben. Der frühere Kremlchef ist heute 90 Jahre alt.

Auch Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin wurde für Ligatschow zu einem Gegenspieler. Die in Russland geflügelten Worte „Boris, du hast nicht recht!“ sollen auf Äußerungen Ligatschows von 1988 zurückgehen, als er dem späteren ersten Präsidenten Russlands während eines kommunistischen Parteitags falsche politische Schlussfolgerungen vorwarf. Jelzin starb 2007 im Alter von 76 Jahren.

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