Martin Walker spielt im Krimi „Französisches Roulette“

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Bruno Courrèges hat ein bemerkenswertes Arbeitsleben. Die Hauptfigur von Martin Walkers Romanserie um „Bruno, chef de police“, lebt ein entspanntes Leben in einer Kleinstadt im Südwesten von Frankreich, genießt den Alltag mit seinen Nachbarn und kocht für sein Leben gern. Ab und zu lässt sein Erfinder ihn ein Verbrechen aufklären, aber auch diese Aufgaben bewältigt der Polizist normalerweise so souverän, wie er das Essen zubereitet.

Auch in seinem neuesten Roman „Französisches Roulette“, bereits der 13. Fall für den einzigen Polizisten des kleinen Ortes Saint-Denis, hat der aus Schottland stammende Martin Walker eine Kriminalhandlung geschrieben, die tief in der Region östlich von Bordeaux verwurzelt ist.

Brunos neuer Fall beginnt, als ein Bekannter ihm von einer merkwürdigen Geschichte berichtet. Der alte Schafzüchter Driant war kürzlich gestorben, aber für seine Kinder ist im Testament fast nichts vorgesehen. Kurz vor seinem Tod hatte der alte Mann seinen Bauernhof mit allen Ländereien und Tieren an eine Versicherung verkauft, die ihm einen angenehmen Lebensabend in einer exklusiven Seniorenresidenz garantieren sollte. Noch bevor er dort einziehen konnte, war der alte Mann an einem Herzinfarkt gestorben. Seinen Kindern hatte er nichts von seinen Plänen erzählt.

An sich hat die Polizei nichts einer solchen Geschichte zu tun, aber als „erster und einziger Polizist“ des Ortes muss Bruno sich um alle Beschwerden kümmern, also auch darum, dass die Tiere auf dem verlassenen Hof nicht versorgt wurden. Also macht Bruno sich daran, der Versicherung die Vernachlässigung der Tiere anzulasten. Dabei stößt er auf ein merkwürdiges Firmenkonstrukt mit Eigentümern in mehreren Ländern.

Brunos Interesse gilt allerdings eher der Nachricht, dass der ehemalige Rockstar Rod mit seiner Familie nach England zurückkehren und daher das Schlösschen verkaufen will, in dem er bislang gewohnt hat. Aber erst einmal wird die Familie noch einmal in Südfrankreich versammelt, was auch Anlass für gemeinsame Essen ist. Für Walker ist das die Gelegenheit, französische Lebensart mitsamt Rezepten seinen Lesern nahezubringen.

Auch dieser Handlungsstrang trägt dazu bei, die merkwürdigen Ereignisse rund um den Tod des alten Driant zu erhellen. Der Sohn des Rockmusikers bringt seine Freundin mit nach Saint-Denis, und die scheint mit dem russischen Oligarchen verwandt zu sein, dem die Seniorenresidenz gehört.

Wie immer bei Martin Walker, so ist auch „Französisches Roulette“ kein klassischer Kriminalroman. Der Roman befasst sich mit zahlreichen Handlungssträngen wie Kochrunden, Familienzwistigkeiten, dem Einsatz von Brunos Hund als Deckrüde und vielem mehr. Das Buch ist eher ein Gesellschaftsroman über das Leben in Südfrankreich, in dessen Verlauf auch ein Kriminalfall gelöst wird.

(S E R V I C E - Martin Walker: „Französisches Roulette“. Aus dem Englischen von Michael Windgassen, Diogenes Verlag, 400 Seiten, 24,70 Euro)


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