Lentos-Ausstellung widmet sich der „Wilden Kindheit“

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Unbeschwert soll die Kindheit sein, eine Zeit, an die man sich gerne erinnert. Das tun u.a. zwölf Künstler in Videointerviews, so blicken etwa Georg Baselitz, Wim Wenders, Patti Smith oder Yoko Ono zurück, um zu ergründen, welchen Einfluss dieser Lebensabschnitt auf ihre Kreativität hat. Diese Gespräche bilden den Schwerpunkt der Ausstellung „Wilde Kindheit - Ideal und Realität von 1900 bis heute“, die am Mittwoch im Lentos in Linz startet.

Neun Adjektive umspannen dieses kindliche Universum von einst und jetzt: unbekümmert, neugierig, unschuldig, verträumt, pubertär, überfordert, vorbestimmt, diszipliniert und ohnmächtig. In diese Kapitel gliedert sich die Ausstellung, die am Dienstag der Presse präsentiert wurde. „Künstler und Künstlerinnen führen uns das breite Spektrum von Abenteuern, aber auch von Herausforderungen, mit denen Kinder und Jugendliche aktuell konfrontiert sind, vor Augen. Realistisch differenziert, oft schonungslos, aber auch mit Humor finden sie Wege, komplexe Inhalte anzusprechen, ohne lehrhaft oder moralisierend zu werden“, erklärt Sabine Fellner, die das Ausstellungskonzept entwickelt hat, in den Presseunterlagen. Dazu hat sie 170 Positionen von Künstlern und 350 Werke zusammengetragen.

Alain Laboile, Heidi Harsieber, Alois Mosbacher und Fritz Simak beobachten ihren eigenen Nachwuchs beim wilden Toben, oder wie er im Dreck buddelt. Marthe Kelly erforscht die Neugierde der Babys. Die „Unheimliche Kindheit“ - der selbstverständliche Glaube an übernatürliche Kräfte - zeigt Auguste Kronheim in einer Holzschnittserie. Existenzielle Fragen werfen Titanilla Eisenharts oder Frenzi Riegling auf, wenn sie der Frage nachgehen, wie das Leben von vorherigen Generationen bestimmt wird. VALIE EXPORT untersucht das Rollenverhalten der bürgerlichen Kleinfamilie (1971) vor allem patriarchale Erziehungsmuster.

Dass Kindheit aber nicht für alle unbekümmert ist, zeigen Gottfried Helnwein und Reimo S. Wukounig, indem sie Missbrauch visualisieren. Den Einfluss neuer Medien als Chance oder Gefahr beleuchtet Julie Blackmon. Den Schrecken der Eltern, die Pubertät, skizziert Nilbar Güreş.

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Als ein „Kaleidoskop unterschiedlicher Zugänge zum Thema Kindheit“, sieht Direktorin Hemma Schmutz die Austellung, die bis zum 5. September läuft. Ab 19. Mai sind auch wieder Führungen im Programm.

Katalog erscheint im Verlag für moderne Kunst, 216 Seiten, 32 Euro)


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