Wieder Raketenalarm in Tel Aviv - UNO-Sicherheitsrat berät

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In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv ist in der Nacht auf Mittwoch erneut Raketenalarm ausgelöst worden. Die Stadt stehe abermals unter Beschuss, teilte das israelische Militär mit. In Tel Aviv waren mehrere Explosionen zu hören. „Familien werden aufgeweckt und eilig in Schutzräume gebracht“, hieß es auf der Twitter-Seite der Armee. Der UNO-Sicherheitsrat wollte in des zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage in einer Sondersitzung über die Gewalt in Nahost beraten.

Bereits am Dienstagabend war in der Stadt Raketenalarm ausgelöst worden, mehrere Explosionen waren zu hören. Zuvor hatte die israelische Armee ein Gebäude mit Büros von Mitgliedern des Hamas-Politbüros und Sprechern der islamistischen Palästinenserorganisation im Gazastreifen zerstört. Ein Sprecher der Hamas hatte zuvor mit einem „harten“ Raketenangriff auf Tel Aviv gedroht, sollte der „Hanadi-Turm“ zerstört werden.

Angesichts der zunehmend entfesselten Gewalt in Nahost wollte der UNO-Sicherheitsrat am Mittwochvormittag (Ortszeit) zu einer Dringlichkeitssitzung in New York zusammenkommen. Die Beratungen wurden Diplomaten zufolge von China, Tunesien, Norwegen, Frankreich, Estland, Irland, St. Vincent und die Grenadinen, Niger und Vietnam initiiert. Der UNO-Nahostbeauftragte Tor Wennesland soll das mächtigste UNO-Gremium bei dem Treffen ins Bild setzen.

Der 15-köpfige Rat konnte sich bei einer ersten Sitzung am Montag nicht auf eine gemeinsame Stellungnahme einigen. Ein Entwurf Norwegens sah Kreisen zufolge neben der Verurteilung der Gewaltspirale zwischen Israelis und Palästinensern auch die Erklärung der Besorgnis über mögliche Vertreibungen von palästinensischen Familien aus Ost-Jerusalem vor. Diese Positionierung sei aber am Widerstand der USA gescheitert, hieß es. Die Vereinten Nationen haben in Israel einen schlechten Ruf, weil ihnen Voreingenommenheit zugunsten der Palästinenser vorgeworfen wird. Der überwiegende Teil der Staatengemeinschaft stuft die israelischen Aktivitäten in den besetzten Gebieten, insbesondere die Einverleibung des arabischen Ostjerusalem, als eklatanten Bruch des Völkerrechts ein.

In der israelischen Wirtschaftsmetropole Tel Aviv wurde am Dienstagabend mindestens eine Frau infolge des Raketenbeschusses getötet. Nach Angaben der Rettungsorganisation Zaka starb sie in der Stadt Rishon LeZion bei einem direkten Einschlag. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte, man werde die „Stärke und Häufigkeit“ der Angriffe angesichts des anhaltenden Beschusses erhöhen.

Die israelische Armee hatte zuvor ein Gebäude mit Büros von Mitgliedern des Hamas-Politbüros und Sprechern der islamistischen Palästinenserorganisation im Gaza-Streifen zerstört. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza starben im Zuge der Gewalt bisher 28 Menschen, darunter zehn Kinder. Nach Berichten lokaler Medien und von Augenzeugen wurden drei Kinder durch israelische Luftangriffe getötet, die übrigen sechs durch die fehlgeleiteten Raketen der Extremisten.

Russland rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Es sollten keine Schritte unternommen werden, die mit einer Eskalation der Lage behaftet seien, teilte das Außenministerium am Abend in Moskau mit. „Wir verurteilen nachdrücklich Angriffe auf Zivilisten, unabhängig von ihrer Nationalität oder Religion.“ Die Entwicklung der Ereignisse sei sehr besorgniserregend, hieß es in der Mitteilung.

In New York zeigte sich UNO-Generalsekretär António Guterres sehr besorgt über die „schwerwiegende Eskalation im besetzten palästinensischen Gebiet und in Israel“ sowie in Gaza, wie ein Sprecher mitteilte. „Er ist zutiefst traurig über die zunehmende Zahl von Opfern - darunter Kinder - wegen israelischer Luftangriffe in Gaza sowie Todesfälle in Israel durch Raketen, die aus Gaza abgefeuert wurden.“

Ihren Ausgang nahm die Eskalation in Ost-Jerusalem, wo Palästinenser gegen die Zwangsevakuierung von mehreren Dutzend Personen durch die israelischen Behörden protestierten. Daraufhin kam es am Tempelberg zu Zusammenstößen.

Die Proteste breiteten sich in der Folge nicht nur in das ebenfalls von Israel besetzte Westjordanland aus, sondern auch in von Arabern bewohnte Orte in Israel. So kam es am Dienstagabend in der Stadt Lod bei Tel Aviv zu Ausschreitungen, bei denen auch Synagogen angezündet wurden. Der Bürgermeister der Stadt, Yair Revivo, verglich die Situation mit den NS-Judenpogromen in der „Kristallnacht“ des Jahres 1938 und berichtete von hunderten brennenden Autos und Synagogen. Bei Unruhen in Lod war zuvor ein 25-jähriger Araber durch Schüsse tödlich verletzt worden. Tatverdächtig ist Medienberichten zufolge ein 34-jähriger jüdischer Einwohner der Stadt.


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