Österreichs Kinobranche wagt verhaltenen Neustart

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Kommenden Mittwoch dürfen nach den Coronasperren nicht nur die Theater, sondern auch die Kinos wieder ihren Betrieb aufnehmen. Theoretisch. Praktisch sehen sich viele Betriebe nämlich weiterhin der Problematik gegenüber, dass die Studios respektive Verleihe nach wie vor zurückhaltend sind mit potenziellen Blockbustern, die ein großes Publikum locken könnten. Ohne diese lohnt sich für die großen Häuser das Aufsperren nicht. Das klassische Henne-Ei-Problem.

Hinzu kommt, dass die Kinos im wichtigen deutschen Markt nach wie vor geschlossen halten müssen. Bis diese voraussichtlich im Juni wieder starten dürfen, kann von einem Normalbetrieb auch am heimischen Kinomarkt nicht die Rede sein. Folgerichtig öffnet der heimische Platzhirsch, die Cineplexx-Gruppe, zunächst auch nur seine vier Arthausstandorte. Das Urania Kino und Actors Studio in Wien, das Geidorf Kunstkino in Graz und das Villacher Stadtkino empfangen kommende Woche wieder Filmfreunde. Dabei hat man etwa die Doku „The Dissident“ über den ermordeten Jamal Khashoggi oder die lesbische Liebeskomödie „Kiss Me Kosher“ im Angebot.

Die übrigen 24 der Cineplexx Standorte sollen hingegen erst dann wieder den Betrieb aufnehmen, wenn feststeht, wann welche Filme in deutscher Fassung zur Verfügung stehen. „Ohne guten Content gibt es für uns kein Kino. Damit sind wir natürlich noch weit weg vom Normalbetrieb, aber wir freuen uns dennoch über diesen ersten, sehr wichtigen Schritt“, so Cineplexx-Chef Christian Langhammer in einer Aussendung.

Das Dilemma besteht also nach wie vor, wie Filmverleiher Michael Stejskal vom Filmladen gegenüber ORF.at deutlich machte: „Die Verleiher schauen auf die Kinos, wer sperrt auf? Die Kinos schauen auf die Verleiher, denn ohne Filme bringt das Aufsperren nichts.“

Entsprechend divers und breit präsentiert sich das Angebot in jenen Lichtspielhäusern, die sich an eine Öffnung wagen. Das Wiener Votiv Kino und seine Dependance De France starten etwa mit einem großen Eröffnungsabend, bei dem unter anderem Tom Hanks mit „Neues aus der Welt“, Thomas Vinterbergs oscargekrönter „Rausch“ oder der bei den Oscars als Nominierungskönig ins Rennen gegangene „Mank“ zu erleben sind. Das kleine Wiener Admiral Kino hält zum Auftakt indes die Klempnerinnen-Doku „Water Proof“ sowie das chilenische Tänzerinnenporträt „Ema“ parat. Und im Wiener Filmcasino lädt man ebenfalls gleich mit 19. Mai zur restaurierten Fassung von Won Kar-Wais „In The Mood for Love“, zum Konzertfilm „David Byrne‘s American Utopia“ oder der Wirtschaftserklärung „Oeconomia“.

Im Linzer Moviemento setzt man auf einen Mix aus relativ aktuellen Dokus wie der Fahrradweltumrundung „Austria2Australia“, dem deutschen Antifadrama „Und morgen die ganze Welt“ und Klassikern wie Vittorio de Sicas „Fahrraddiebe“ aus 1948. Und das Salzburger Das Kino offeriert zum Auftakt den Virginia-Woolf-Erfolg „The Hours“ sowie „Milla Meets Moses“ aus 2019.

Und nicht zuletzt gibt es die Filminstitutionen, die programmatisch in die Bresche springen. Das Österreichische Filmmuseum startet am 19. Mai humoristisch seine Reihe „Komödien gegen die Krise“ mit Frank Tashlins „The Disorderly Orderly“ aus 1964, der sich Klassiker wie Stanley Kubricks „Dr. Strangelove“ oder „O Brother, Where Art Thou?“ der Coen-Brüder anschließen.

Auch das Filmarchiv hat mit der Komödie „Sehnsucht 202“ am 19. Mai Amüsantes parat, der sich in den Tagen darauf etwa Tizza Covis und Rainer Frimmels neues Werk „Aufzeichnungen aus der Unterwelt“ oder Sebastian Brauneins‘ No-Budget-Produktion „3Freunde2Feinde“ anschließen - jeweils im Wechsel zwischen der Open-Air-Location im Augarten und dem Metro Kinokulturhaus.


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