Neue Raketenangriffe auf israelische Ortschaften

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Nach mehreren Stunden Unterbrechung haben militante Palästinenser im Gazastreifen Dienstagmittag erneut Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert. „Nach sechs Stunden Ruhe heulen im Süden Israels wieder die Warnsirenen“, teilte die israelische Armee mit. Die Hamas beschoss nach eigenen Angaben die Ortschaft Ofakim. Israels Armee teilte indes mit, im Süden des Gazastreifens sei ein Hamas-Trupp, der Panzerabwehrraketen abfeuern wollte, angegriffen und getroffen worden.

Israels Luftwaffe griff darüber hinaus am Dienstag nach Armeeangaben Häuser von drei Hamas-Kommandeuren im Gazastreifen an. In den letzten 24 Stunden seien die Häuser von zwölf ranghohen Kommandeuren der im Gazastreifen herrschenden Organisation angegriffen worden, teilte die Armee mit.

Bereits in der Früh hatte die israelische Luftwaffe den Gazastreifen attackiert. In zwei Gebäuden in Gaza-Stadt schlugen Raketen ein und dichter Rauch stieg auf. Auch militante Palästinenser feuerten wieder Raketen aus dem Küstengebiet ab, die in Städten im Süden Israels Luftalarm auslösten. Tausende Menschen suchten dort in Luftschutzkellern Zuflucht. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor.

Indes wurde ein bewaffneter Palästinenser nach Angaben des israelischen Militärs bei einem versuchten Anschlag im Westjordanland getötet. Der Mann habe Sprengsätze, eine Maschinenpistole sowie ein Messer bei sich getragen, teilte die Armee bei Twitter mit. Damit habe er versucht, Soldaten in Hebron anzugreifen. „Die Soldaten haben den Terroristen identifiziert, der sich ihnen näherte, er versuchte, zu schießen und einen Sprengsatz zu werfen“, hieß es weiter. Die Soldaten hätten daraufhin das Feuer eröffnet und den Palästinenser außer Gefecht gesetzt.

Die gegenseitigen Angriffe dauern damit trotz internationaler Forderungen nach einer Waffenruhe nun den neunten Tag in Folge an. In der Nacht schien es aber auf beiden Seiten ruhiger gewesen zu sein, als in den vorangegangenen Nächten.

Die israelische Armee hatte am Montagabend erklärt, dass von der im Gazastreifen herrschenden Hamas und anderen radikalen Palästinensergruppen seit Ausbruch der Kämpfe rund 3.350 Raketen auf Israel abgefeuert worden seien - allein 200 Raketen am Montag. Das Militär habe mit Luftangriffen und Artilleriefeuer mindestens 130 Extremisten getötet. Die Behörden im Gazastreifen sprechen von 212 getöteten Palästinensern, darunter seien 61 Kinder und 36 Frauen. In Israel sind den Behörden zufolge zehn Menschen getötet worden, darunter zwei Kinder.

Bei einer Protestkundgebung hatten sich hunderte Anhänger der Hisbollah und andere Demonstranten in der libanesischen Hauptstadt Beirut mit den Palästinensern solidarisiert. Am Freitag wurde mindestens ein libanesischer Demonstrant, der auf israelisches Territorium gelangt war, durch israelisches Panzerfeuer getötet. Zudem waren bereits am Donnerstag vergangener Woche drei Raketen aus dem Libanon nach Israel gefeuert worden.

US-Präsident Biden hat unterdessen seine Unterstützung für eine Waffenruhe im Nahen Osten erklärt. Das habe Biden in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu am Montag (Ortszeit) zum Ausdruck gebracht, teilte das Weiße Haus mit. Der US-Präsident habe mit Netanyahu auch über Bemühungen der Vereinigten Staaten gemeinsam mit Ägypten und anderen Partnern für eine solche Waffenruhe gesprochen.

Biden sieht sich zunehmendem Druck ausgesetzt, stärker für ein Ende der Gewalt einzutreten. In der diplomatisch formulierten Mitteilung des Weißen Hauses blieb er allerdings hinter Forderungen nach einer sofortigen Waffenruhe auch aus seiner eigenen Demokratischen Partei zurück. Die USA sind Israels wichtigster Verbündeter.

Das Weiße Haus teilte weiter mit, Biden habe in dem Telefonat mit Netanyahu erneut seine Unterstützung für Israels Recht auf Selbstverteidigung bekräftigt. Zugleich habe er Israel ermutigt, „alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Schutz unschuldiger Zivilisten zu gewährleisten“. Es war Bidens drittes Telefonat mit Netanyahu seit dem Wiederaufflammen der Gewalt. Erstmals seit seinem Amtsantritt vor knapp vier Monaten hatte Biden am Samstag auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gesprochen.


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