ORF nimmt digitalen Medienwandel verstärkt ins Visier

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Der ORF hat die Ergebnisse seines fünfmonatigen „TransFORM“-Prozesses, der sich dem digitalen Medienwandel widmete, in seinen jährlich erscheinenden Public-Value-Bericht einfließen lassen. Dieser soll die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags dokumentieren und wurde am Dienstag für 2020/21 im Rahmen eines Dialogforums präsentiert. Klare, aber nicht neue Erkenntnis ist: Der ORF muss sich vom Public-Service-Broadcaster zu einer Public-Service-Plattform entwickeln.

In dem Bericht finden sich unter anderem die Ergebnisse der von Ö3 beim Sozialforschungsinstitut SORA in Auftrag gegebenen Umfrage „Generation ... Corona!?“, die im März dieses Jahres junge Menschen befragte. Dabei kristallisierte sich heraus, dass 16- bis 25-Jährige ORF-Informationsangebote auch auf Social-Media-Kanälen sehen (75 Prozent) und Online-Angebote zeitlich unbegrenzt nutzen wollen (74 Prozent). Sechs von zehn Befragten wünschen sich Foren und Chats, in denen sie sich einbringen und mitdiskutieren können.

„Das ist ein klarer Auftrag, unser Angebot im digitalen Raum zu erweitern“, reagierte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auf die Ergebnisse. Derzeit könne man aufgrund des Gesetzes lediglich eingeschränkt in den sozialen Medien Inhalte anbieten und mit den Rezipientinnen interagieren. „Überall dort, wo wir es bereits machen, haben wir sensationelle Zugriffszahlen“, meinte Wrabetz etwa mit Verweis auf über 700.000 Follower der Zeit im Bild auf Instagram. Auch ist es dem größten Medienunternehmen des Landes derzeit bekanntlich nicht möglich, Inhalte in der ORF-TVthek zeitlich unbegrenzt anzubieten. „Wir bohren harte Bretter, aber wir werden schon weiterkommen“, so der ORF-Chef.

Melissa Erkurt, Gründerin der „Chefredaktion“, meinte, der ORF müsse klarer kommunizieren, was ihm gesetzlich nicht erlaubt ist. Viele junge Menschen könnten nämlich nicht nachvollziehen, warum etwa Inhalte nach sieben Tagen aus der ORF-TVthek verschwinden oder keine eigenen Inhalte für soziale Medien erzeugt werden. Dabei sei es ihrer Ansicht nach auch Auftrag des ORF, Medienkompetenz zu vermitteln, transparent zu sein und für Diversität einzustehen.

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Dass das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen zu wenig divers sei, gestand Wrabetz ein. „Wir haben daher bei Ausbildungsprogrammen, die gestartet wurden, darauf geachtet, den Diversitätsgrad zu erhöhen“, erklärte er. Die Nachfrage nach den ersten acht Plätzen für ein journalistisches Traineeprogramm sei jedenfalls groß. 300 Bewerbungen gingen laut Wrabetz ein. Zudem sei es Ziel, in den nächsten Jahren 100 Prozent auditive und visuelle Barrierefreiheit zu schaffen. Das stelle zwar eine Herausforderung dar, neue technische Möglichkeiten sollten es jedoch ermöglichen, so der ORF-Generaldirektor.

Dass etwa mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) vieles möglich wäre, sieht auch der Ökonom Reinhard Christl so. Für öffentlich-rechtliche Medien erkannte er hier eine Chance für die Zukunft. Bei Facebook, Google und anderen Digitalriesen kämen ethische Prinzipien nämlich zu kurz. Folglich könne man in diese Lücke hineinstoßen und technologische Möglichkeiten zum Wohle der Menschen nutzen, meinte er.

Der Public-Value-Bericht beschäftigt sich heuer mit „101 Fragen zur digitalen Zukunft des ORF“. Anhand von fünf Qualitätsdimensionen (Digital Me, Digital Us, Digital Local, Digital Global, Digital Platform) finden sich darin Zahlen, Daten und Fakten, aber auch Berichte von ORF-Mitarbeitenden sowie Statements von Medienexperten und Wissenschaftern zum Thema digitale Transformation. Manche Seiten des Berichts bieten für Nutzer der „Artvive“-App“ zusätzliche Inhalte wie kurze Videos oder Animationen.

abrufbar. Auch der Public-Value-Bericht findet sich dort.

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