Pandemie hatte 2020 auch Einfluss auf den Drogenhandel

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Die Corona-Pandemie hatte auch erheblichen Einfluss auf den Drogenhandel, insbesondere im ersten Lockdown. Doch die Täter reagierten rasch und verlagerten ihre Geschäfte verstärkt in den virtuellen Raum (Darknet), so der am Mittwoch veröffentlichte Suchtmittelbericht 2020. „Das Bundeskriminalamt wird in den nächsten Jahren der Bekämpfung dieser Form der Suchtmittelkriminalität einen besonderen Schwerpunkt widmen“, kündigte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) an.

Die heimische Drogenkriminalität wird laut Bericht des Innenministeriums von fünf Faktoren beeinflusst: Die Balkanroute, über die Heroin und Opiate aus Afghanistan aber auch Kokain in Richtung Europa geschmuggelt werden. Über den Flughafen Wien-Schwechat gelangt Kokain aus Südamerika ins Land. In Europa selbst werden synthetische Suchtgifte produziert, dazu kommt die „Eigenproduktion“ von Cannabisprodukten sowie der Onlinehandel via Darknet und anschließendem Postweg.

Ein Focus der Exekutive ist laut Bericht die internationale polizeiliche Zusammenarbeit, vor allem mit den Staaten des Westbalkans von wo ein Gutteil des internationalen Drogenhandels erfolgt. Hier bestünden zahlreiche Kooperationsprojekte sowie bilaterale Kontakte und es gibt eine große Zahl von Verbindungsbeamten. Terrorismusfinanzierung erfolgt laut Innenministerium auch über Suchtmittelhandel.

Seit vier Jahren ist die Drogenkriminalität konstant hoch und liegt deutlich über 40.000 Anzeigen jährlich. 2020 gab es einen leichten Rückgang der angezeigten Delikte da das öffentliche Leben - Lokale, Festivals, Clubbings - nur eingeschränkt stattfand: Von 43.329 Anzeigen 2019 gab es ein minus von sieben Prozent auf 40.299, davon 37.105 Vergehen und 3.194 Verbrechen.

Im Vorjahr stellte die Polizei rund 104 Kilogramm Heroin, 63 Kilogramm Kokain, 2.057 Kilogramm Cannabisprodukte, 89.000 Stück Ecstasy, 37 Kilogramm Amphetamin, neun Kilogramm Methamphetamin sowie 1.095 Kilogramm Khat sicher. Der Trend zur Marktführerschaft der Cannabisprodukte setzte sich damit fort. In Bezug auf die Preise, Verfügbarkeit und Qualität hatte Corona aber keine gravierenden Auswirkungen.

2020 erfolgten 26.562 Anzeigen wegen Vergehen nach dem SMG (Suchtmittelgesetz) gegen inländische und 11.401 Anzeigen gegen fremde Verdächtige. Der Inländeranteil ist seit 2016 kontinuierlich angestiegen und hat nunmehr mehr als 70 Prozent erreicht. Der Fremdenanteil bei den schweren Suchtmitteldelikten (Verbrechen) liegt laut Bericht jedoch bei rund 50 Prozent.

Anzeigen gegen Fremde nach dem Suchtmittelgesetz nach Nationen: Deutschland, Serbien, Afghanistan, Türkei, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Russische Föderation, Ungarn, Kroatien, Slowakei. Serbische Verdächtige führen jedoch, wie schon in den beiden Vorjahren, die Verbrechenstatbestände weiterhin deutlich an.

Was die Herkunft der Schmuggler und Händler betrifft, weisen die Gruppen meist ein Naheverhältnis zu den Drogenursprungsländer und jenen Staaten auf, die als Transit- oder Depotland genutzt werden. So waren besonders Täter vom Westbalkan für eine Vielzahl schwerer Formen der Suchtmittelkriminalität verantwortlich. Hier wird auch eine der Prioritäten für 2021 liegen, kündigte das Innenressort an. Nehammer: „Die Zusammenarbeit mit den Staaten des Westbalkan ist entscheidend für die Bekämpfung der Suchtmittelkriminalität in Österreich. Das Bundeskriminalamt und seine Ermittler können in diesen Ländern auf eine jahrzehntelange Tradition der Zusammenarbeit aufbauen.“


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