Österreich-Pavillon auf der Architekturbiennale eröffnet

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Das aus hölzernen Hockern aufgebaute „We Like“ vor dem österreichischen Pavillon in Venedig ist weithin sichtbar und lockte am Donnerstag die nur dezimiert angereisten Besucher zur Pressekonferenz anlässlich der Eröffnung von „Platform Austria“ auf der 17. Architekturbiennale. Dabei gaben die Kuratoren Helge Mooshammer und Peter Mörtenböck Einblicke in ihr Konzept, das auf Beiträgen von 50 Bloggern basiert, die sich Gedanken zum Thema Plattform-Urbanismus gemacht haben.

Für Mooshammer fungiert der Pavillon selbst als Plattform - sowohl für die nun vorab eingereichten Beiträge der Blogger als auch für die Auseinandersetzung des Publikums. Ab dem Spätsommer soll es - wenn die Corona-Situation es zulässt - auch Diskussionsveranstaltungen im Hof des Pavillons geben. Die Biennale an sich sei eine Möglichkeit, um Botschaften zu formulieren, so der Wissenschafter. Daher setze man mit den prominent platzierten Slogans (von „Access is the new Capital“ bis zu „The Platform is my Boyfriend“) bewusste Zeichen. „Unser Pavillon ist sicherlich ein Botschafter. Botschaften stehen im Zentrum, und die Slogans werfen Fragen auf. Es ist nicht eine Einzelschau, sondern ein Zusammenkommen von 50 Stimmen aus der ganzen Welt.“

Bis vor der Corona-Pandemie hätte man „eine diffuse Ahnung gehabt, dass Plattformen unser Leben und die Gesellschaft verändern“, so Mooshammer. Dennoch seien sie - von Facebook bis AirBnB - nur als Begleiter verstanden worden, nicht als zentraler Träger unserer Kommunikation. Gerade im vergangenen Jahr sei deutlich geworden, wie angewiesen wir inzwischen auf Plattformen sind, um am Leben (in der Stadt) teilnehmen zu können. „Plattformen sind Vermittler, sie bringen verschiedenen Parteien zueinander. Sie selbst sagen oft von sich oft, dass sie nur die Mittelsmänner sind. Aber genau darum geht es - das ist eine entscheidende Funktion“, so Mooshammer. „Sie werden das Medium, das Einfluss darauf hat, wie die Botschaft von einem zum anderen geht.“ Dennoch lebten Plattformen nur von der aktiven Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer. „Plattformen sind so etwas wie die Kuratoren von öffentlichen Diskursen“, ergänzte Mörtenböck. Auch die Architektur werde immer mehr zu einer Botschaft und müsse diese nun stärker formulieren als ihre Funktion. „Die Architektur muss sagen: Ich bin attraktiv.“

„Architektur setzt den Ton, sie inszeniert die Welt für uns, schafft eine attraktive Umwelt“, erläuterte Mörtenböck. Im Zuge der Vorbereitungen haben die beiden zahlreiche Orte auf der ganzen Welt besucht. Die so entstandenen Fotos von Architekturen bilden nun eine Collage, die bestimmte Muster - wie etwa die starke Begrünung urbaner Flächen - verdeutliche. Doch dabei handle es sich nur um die Oberfläche, um Inszenierungen. Um eine zugängliche Stadt zu bieten, benötige es viel Arbeit im Hintergrund. Diese Strukturen haben die Kuratoren ebenfalls mit einer Collage verdeutlicht und nennen die beiden Werke „Off Stage“ und „On stage“. Das Publikum der Biennale ist unterdessen aufgerufen, selbst Fotos zu teilen. „Von Szenen, von denen Sie in der Zukunft mehr sehen wollen!“. Motto: „We like.“

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