Staatsoper: „Barbier für Kinder“ als Rossini in a Nutshell

  • Artikel
  • Diskussion

Kinder als Opernpublikum ernst nehmen, das heißt auch: auf zu den Klassikern, auf ins große Haus. Wenn schon Oper, dann Rossini, und am Ring. Was mit der „Zauberflöte für Kinder“ gute Tradition nach dem Opernball hat, wird an der Staatsoper seit der neuen Direktion auch sonst Programm. Am Pfingstmontag feierte „Der Barbier für Kinder“ seine Premiere. Die Kinderfassung von Alexander Krampe ist ein Rossini in der bunten Nussschale. Die hätte aber mehr Schauwerte vertragen.

„Sevilla“ steht da in großen bunten Lettern, die auch das etwas wackelige Haus des Dr. Bartolo bilden. Diener Ambrogio (Andy Hallwaxx) plaudert das junge Publikum durch die Geschichte, die sich vollständig an der vordersten Bühnenrampe abspielt. Alle haben die Haare schön - wie es sich für ein Stück mit Friseur im Titel gehört - und zwar in allen Farben, in denen Haare normalerweise nicht vorkommen. Doch abseits der knalligen Koloration passiert szenisch: nicht allzu viel. Vom zauberischen Erlebnis des großen Opernhauses sollten die Kinder lernen, sich mehr Effekt zu versprechen. Kinder als Opernpublikum ernst nehmen heißt schließlich auch: keine Sparversion zu produzieren.

„Musiktheater nach Rossini für Menschen ab ungefähr 6 Jahren“ ist angekündigt. Musikalisch hat man das Stück auf zentrale Nummern kristallisiert, die sich mit dem neu verfassten deutschen Textbuch stellenweise mehr schlecht als recht vertragen, und zeigt mit dem gut gefüllten Orchestergraben vor allem bei der Ouvertüre, was mit der Streichung der meisten großen Tutti-Passagen verschenkt wurde. Mit Hiroshi Amako als Almaviva, Patricia Nolz als Rosina, Michael Arivony als Figaro und Ilja Kazakov als Basilio wurden zentrale Rollen aus dem Opernstudio besetzt - ein beherztes Ensemble, dass aber bisweilen stimmlich nur knapp über das Orchester kam.

Er liebt sie, sie liebt ihn, Hindernisse sind vor allem Anlass für scharfsinnige Tricks und Schwindelei, die zuerst alles nur noch schlimmer machen und allgemeine Verwirrung stiften - ehe im großen Gewusel das Happy End heraufdräut. So oder so ähnlich könnte man einige komödiantische Opern subsummieren und so geht auch der Plot, den Regisseurin Grischa Asagaroff zwischen den Sevilla-Buchstaben platziert hat. Dass es die Melodien sind, die kleinen instrumentalen Geniestreiche, die so eine Geschichte zum ganz großen Opernstoff machen, davon können Kinder hier zumindest eine Ahnung bekommen. Und sie können - freilich maskiert - vor Vorstellungsbeginn durch die prachtvollen Stiegen und Pausenräume streifen. Große Oper eben.

150 x Jahres-Vignette 2022 zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

)


Kommentieren


Schlagworte