Teamchef Foda „überzeugt, dass wir bei EM performen werden“

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Österreichs Fußball-Nationalmannschaft hat am Donnerstag Quartier in Bad Tatzmannsdorf bezogen. Im Südburgenland will Teamchef Franco Foda seine Spieler in Richtung EM-Bestform trimmen, damit bei der Endrunde zumindest die K.o.-Phase überstanden wird. Wie dies gelungen könnte, darüber machte sich der Deutsche im Interview mit der APA - Austria Presse Agentur Gedanken.

APA: Der Startschuss für die unmittelbare EM-Vorbereitung ist gefallen, in knapp drei Wochen steigt das erste Turniermatch gegen Nordmazedonien - wie groß ist die Vorfreude?

Foda: „Sehr groß. Wir haben in den letzten Wochen viel geplant. Jetzt freuen wir uns, dass es endlich losgeht, dass wir auf dem Platz an unseren Zielen arbeiten können. Es wird wichtig sein, in der Vorbereitung ein gutes Feingefühl für die Spieler zu entwickeln, intensiv zu arbeiten, aber auch auf Regeneration, Freizeit, Spaß und Freude zu achten.“

APA: Wie sieht Ihre Marschroute vor dem ersten EM-Match aus?

Foda: „In der ersten Phase in Bad Tatzmannsdorf steht unser eigenes Spiel im Vordergrund. Da müssen wir einiges aufarbeiten, weil der letzte Lehrgang nicht zufriedenstellend war. Es gilt, Schwerpunkte vor allem im Spiel mit dem Ball zu erarbeiten. In der zweiten Phase rund um die Testspiele geht es auch schon um die Vorbereitung im taktischen Bereich, was wir spielen wollen, was uns gegen unsere Gegner erwartet. In der dritten Phase in Seefeld geht es um den letzten Feinschliff, um die explizite Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner.“

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APA: Die Stimmung in der Öffentlichkeit vor Turnerbeginn unterscheidet sich gänzlich von jener vor der EURO 2016, als große Euphorie herrschte. Könnte das sogar ein Vorteil sein?

Foda: „Ich war damals nicht dabei, weiß nicht, wie die Vorbereitung gelaufen ist. Aber ich kann mich an die Spiele erinnern - mit etwas Glück hätte man sich für das Achtelfinale qualifizieren können. Was jetzt im Vorfeld passiert, hat wenig Relevanz für das, was im Turnier passiert. Wichtig wird sein, dass wir eine positive Vorbereitung haben und die Mannschaft auf den Punkt topfit ist.“

APA: Halten Sie die aktuelle Skepsis rund um das Nationalteam für berechtigt?

Foda: „Ich bin schon lange in Österreich. Es geht sehr schnell in alle Richtungen. Wir haben bisher unsere Ziele klar erreicht, uns für die EM qualifiziert und die Nations-League-Gruppe gewonnen, auch wenn es da zuletzt wechselhafte Spiele gegeben hat. Der letzte Lehrgang war natürlich nicht zufriedenstellend, aber man muss immer das Gesamte bewerten. Wir hatten viele Ausfälle, mussten viel improvisieren. Wir analysieren intern, sehr sachlich und ruhig. Es ist wichtig, dass man Ruhe bewahrt. Was von außen kommt, können wir eh nicht beeinflussen. Wir müssen die Begeisterung und Euphorie wecken, indem wir gut spielen. Ich bin überzeugt dass wir bei der EM performen werden.“

APA: Kritiker behaupten, unter Ihrer Führung könne eine hochveranlagte Mannschaft ihre Pressing- und Offensivstärke nicht entfalten, weil sie in ein zu sehr auf Sicherheit bedachtes Korsett gezwängt werde.

Foda: „Warum haben wir dann zum Beispiel in Norwegen (Anm.: 2:1-Sieg im September 2020) so ein tolles Pressing gespielt, warum in der EM-Qualifikation in Polen (Anm.: 0:0 im September 2019) und in Nordmazedonien (4:1 im Juni 2019)? Man kann aus jedem Spiel eine Szene herausnehmen, wie das bei Ulmer der Fall war. In dieser Situation war ich der Meinung, dass man nicht rausattackieren kann, weil wir in der letzten Abwehrreihe noch nicht durchgesichert hatten. Das haben wir am nächsten Tag gemeinsam besprochen. Generell ist unsere Idee immer, schnell ins Pressing zu gehen. Es gibt Statistiken, dass wir die meisten Balleroberungen in der generischen Hälfte haben. Mittlerweile agieren viele Gegner gegen uns schon so, dass wir gar nicht ins Pressing kommen können, zum Beispiel mit hohen Bällen. Meine Spieler dürfen sich auf dem Platz alle entfalten, vor allem im Angriff.“

APA: Handelt es sich bei der aktuellen österreichischen Nationalmannschaft um eine „goldene Generation“?

Foda: „Ich kann mit so einem Vokabular wenig anfangen. Was bedeutet ‚goldene Generation‘? Wir haben viele Junge integriert, eine gute Balance zwischen jungen und erfahrenen Spielern. Wichtig ist, dass wir die Mannschaft weiterbringen und auf dem Platz unsere Leistung bringen, und nicht, ob es eine ‚goldene Generation‘ ist oder nicht.“

APA: Warum lassen Sie sich mit der Tormann-Entscheidung so viel Zeit? Lässt man dadurch nicht unnötigerweise eine Baustelle offen?

Foda: „Ich sehe das nicht als großes Problem. Wir werden vor dem Nordmazedonien-Spiel eine Nummer eins bekanntgeben, bis dahin kann noch viel passieren. Ein ganz wichtiger Ansprechpartner in dieser Thematik ist Tormanntrainer Robert Almer.“

APA: Gibt es in dieser Angelegenheit bei Ihnen schon eine klare Tendenz?

Foda: „Klar haben wir unsere Gedanken, jetzt warten wir einmal die Trainingseindrücke ab. Derjenige, der spielt, wird es einige Tage vor dem Nordmazedonien-Match erfahren.“

APA: Im Blickpunkt steht traditionell auch David Alaba - welche Rolle haben Sie für ihn bei der EM eingeplant?

Foda: „Ich bin froh, dass Ex-Bayern-Trainer Hansi Flick gesagt hat, dass er auf mehreren Positionen Weltklasse ist, das waren auch immer meine Worte. Wir werden mit ihm besprechen, wo er der Mannschaft am meisten helfen kann. Er ist für uns auf jeder Position von großer Bedeutung.“

APA: Für Marko Arnautovic ist wohl die Rolle im Angriff vorgesehen, allerdings hat auf dieser Position zuletzt auch Sasa Kalajdzic überzeugt. Muss einer aus dem Duo auf die Bank oder kann es mit beiden in der Startformation funktionieren?

Foda: „Dass beide spielen, ist sicher eine Variante und spielt in unseren Überlegungen auch eine Rolle. Ob wir es machen, hängt davon ab, welchen Spielplan wir haben. Wir haben auch in Schottland mit zwei Spitzen gespielt (Anm.: beim 2:2 in der WM-Quali im März mit Kalajdzic und Adrian Grbic), das hat aber nicht gut funktioniert.“

APA: Wie definieren Sie ein erfolgreiches Abschneiden bei der EM?

Foda: „Wir wollen gut spielen. Es ist nicht selbstverständlich für Österreich, dass man sich qualifiziert. Jetzt sind wir dabei und wollen neue Ziele festlegen. Klar wollen wir die Gruppe überstehen und ins Achtelfinale kommen. Aber ich kann nichts damit anfangen, was erfolgreich ist oder nicht. Wenn Deutschland im Viertelfinale gegen Spanien ein starkes Spiel macht und im Elfmeterschießen ausscheidet, war das dann ein schlechtes Abschneiden?“

(Das Gespräch führte Alois Tschida/APA)


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