Orang-Utan und Co. von Lebensmittel-Importen bedroht

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Soja, Kaffee, Kakao und Co.: Anhand von insgesamt sechs nach Österreich importierten Konsumgütern hat eine neue Studie die Auswirkungen der Herstellung dieser auf die Ursprungsländer untersucht. „Was bei uns auf den Tellern landet, zieht eine Spur der Zerstörung durch die ganze Welt“, fasste Sophie Lampl, Programmdirektorin bei Greenpeace in Österreich, die Resultate am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Initiative „Mutter Erde“ in Wien zusammen.

In den allesamt im globalen Süden gelegenen Anbaugebieten sind es etwa Sumatra-Tiger, Orang-Utan oder die Baumart Palo Santo, die für immer von diesem Planeten verschwinden könnten. Das „Artensterben ist sozusagen der Zwilling der Klimakrise“, hob Anita Malli, Geschäftsführerin der Umweltinitiative „Mutter Erde“ hervor - und so lautet der diesjährige Schwerpunkt auch „Klima schützen. Arten schützen“.

Das Gegenteil ist aktuell jedoch weiterhin der Fall. Zu diesem Ergebnis kommt auch die aktuelle Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien. „Wir sind schnell dabei, beim Klimaschutz zu sagen, dass einmal China damit beginnen soll“, kritisierte Malli - die Studie zeigt hingegen jene Umweltzerstörung , „die in anderen Teilen der Welt stattfindet und auf unseren Tellern landet“.

Laut diesem Report habe Artensterben und Biodiversitätskrise einen maßgeblichen Motor in der Landwirtschaft, ausgelöst von einem nicht nachhaltigen Konsumstil insbesondere in den Industrieländern - und gerade auch in Österreich. Mit dem Import großer Mengen an Soja als Futtermittel für die Viehwirtschaft, Palmöl, Kaffee, Kakao, Bananen, Zuckerrohr - sechs Güter aus dem globalen Süden - werden als Folge dort Tropenwälder, Savannen und andere Ökosysteme in enormem Ausmaß zerstört, um als Anbaufläche dienen zu können, beschreibt die Studie die Ausgangslage.

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Betroffen sind Gebiete wie die indonesischen Insel Sumatra, die brasilianische Savanne Cerrado oder der Amazonas-Regenwald. Allein für die sechs beispielhaften Güter wird eine Fläche größer als das Burgenland verbraucht. Die Vernichtung artenreicher Ökosysteme wirkt sich auch negativ auf die Klimabilanz aus: Die Treibhausgas-Emissionen für diese Importgüter sind etwa 1,5-mal so hoch wie durch den österreichischen Flugverkehr im Jahr 2018, rechnet Martin Schlatzer vor, Studienautor und FiBL-Mitarbeiter. Angerechnet werden sie jedoch den Ursprungsländern.

„Zu den wichtigsten Treibern von Tropenwaldabholzung zählt der hohe Fleischkonsum auf EU-Ebene, wie auch in Österreich. Dabei gibt es bereits in vielen Bereichen sehr schmackhafte, gesunde und ökologisch verträglichere Alternativen - wie beispielsweise Fleischalternativen aus Erbsen oder Soja, Kaffee aus Lupinen statt aus Bohnen und Carob anstelle von Kakao“, rät Schlatzer. Ganz vorne auf der Liste steht jedoch eindeutig Soja: „Soja ist beim Klima-Impact der Hauptreiber punkto Entwaldung im Amazonas oder in Argentinien“. Die Bohnen werden deshalb importiert, um die Eiweißlücke in der Tierhaltung zu schließen. Ein Reduktion des Fleischkonsums um zwei Drittel wäre notwendig, um diesen Mehrbedarf einzusparen.

Greenpeace-Programmdirektorin Lampl wies darauf hin, dass Österreich klar mitverantwortlich für die globale Zerstörung der Natur sei, es aber so auch klar in der Hand habe, daran etwas zu ändern. Änderung sei auf drei Ebenen notwendig, die Politik müsse auf EU-Ebene Gesetze schaffen, wie aktuell eines für den globalen Waldschutz ausgearbeitet wird, zweitens müssten die Unternehmen Verantwortung übernehmen und zum Dritten letztendlich auch der Konsument. „Muss es wirklich ein Stück Fleisch sein, oder nicht doch lieber Biogemüse?“, sollte die Frage der Konsumenten sein. Bewussterer Konsum helfe dem Klima, der Natur und der eigenen Gesundheit.

Bei der Initiative „Mutter Erde“ handelt es sich um einen 2014 ins Leben gerufenen Zusammenschluss des ORF und heimischer Umwelt-und Naturschutzorganisationen. Als Träger fungiert der Verein „Umweltinitiative Wir für die Welt“ in dem neben dem ORF der Alpenverein, BirdLife, Global 2000, Greenpeace, die Naturfreunde, der Naturschutzbund, der VCÖ und der WWF vertreten sind. Ziel ist es, Nachhaltigkeit zum Thema zu machen und Spenden für Umweltschutzprojekte zu sammeln.

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