Sieg bei French Open führt einmal mehr über Nadal

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Zurück auf dem angestammten Termin im Frühjahr, wenn auch eine Woche später, beginnen am Sonntag in Paris die mit 34,37 Mio. Euro dotierten French Open. In Roland Garros könnte man bei den Herren ein „same procedure as every year“ erwarten: Denn Rafael Nadal ist und bleibt der Sandplatz-König, auch wenn er am 3. Juni schon 35 Jahre alt wird. Der Weltranglisten-Dritte geht an der Seine auf seinen bereits 14. Titel los und hat mit dem Rom-Titel gezeigt, was er immer noch kann.

Etwas ungünstig für den Spanier ist die Setzung als Nummer 3. Da er aktuell dem zweitplatzierten und auf Sand eher schwachen Russen Daniil Medwedew um 163 Punkte hinterher hinkt, kommt es zum seltenen Fakt, dass die „big three“ in einer Raster-Hälfte zu finden sind. Schon im Halbfinale könnte es zur Wiederholung des Vorjahres-Finales mit Weltranglisten-Leader Novak Djokovic kommen. Zudem ist auch der nach eineinhalb Jahren ein Major-Comeback gebende Roger Federer auf dieser Seite der Auslosung. Sollte sich Federer stärker schlagen, als es ihm auf Sand nun zugetraut wird, könnte er eventuell im Viertelfinale den „Djoker“ fordern.

Doch Federer hatte schon im Vorfeld angekündigt, dass er die French Open eher als Vorbereitung für sein großes Ziel Wimbledon sieht. Dort strebt der im August 40 werdende Schweizer seinen 21. Major-Titel an. Man wird sehen, ob er dann Nadal bestenfalls egalisieren wird können. Denn Nadal, der am Freitag sogar mit eigener Statue in Roland Garros geehrt wurde, möchte in Paris die alleinige Führung in der Major-Rekord-Jagd übernehmen und auf 21 Triumphe in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York erhöhen.

Für die Konkurrenz in der unteren Tableau-Hälfte bedeutet diese Konstellation, dass nur einer der „big three“ auf dem Weg zum möglichen Titel im Weg stehen würde - und dies erst im Endspiel. Einer dieser Protagonisten wäre eigentlich Dominic Thiem. Doch der US-Open-Sieger, der in Paris mit vier Semifinali bzw. zwei Finali (2018, 2019) die beste Bilanz bei den vier Majors stehen hat, kämpfte zuletzt in diesem Jahr nach Motivations- auch mit Form-Problemen.

Thiem hat 2021 neun Siege bzw. sieben Niederlagen zu Buche stehen und spielt erstmals seit 2014, seinem ersten Hauptbewerbs-Jahr in Roland Garros, ohne zumindest einem Saisontitel. 2020 waren es die US Open. Seine zählbarsten Auftritte in diesem Jahr sind das für ihn enttäuschende Achtelfinale bei den Australian Open und das Halbfinale beim Comeback nach Auszeit in Madrid.

Darum wird Thiem von vielen Experten im Gegensatz zu sonst gar nicht erst zu den engsten Favoriten neben Nadal und Djokovic gezählt. Diese trauen eher einem Stefanos Tsitispas (GRE), Alexander Zverev (GER) oder Andrej Rublew (RUS) den Durchbruch zum ersten Major-Titel zu.

Thiem nimmt dies zumindest den Druck von außen. In einem Loch sieht ihn sein Manager Herwig Straka jedenfalls nicht. „Ich sehe weder ein Loch, noch eine Spirale nach unten. Das Thema mit so einem großen Sieg, den er erreicht hat letztes Jahr, ist: Es kann nicht weiter nach oben gehen, außer du gewinnst jedes weitere Grand Slam und das ist unrealistisch“, erklärte Straka im APA-Gespräch.

Es gäbe Leute, die von seinen Leistungen enttäuscht sind. „Klar hat er gegen Gegner verloren, gegen die er vielleicht in den letzten zwei, drei Jahren nicht verloren hätte, aber ich sehe das nicht negativ. Ich glaube, er weiß selbst, wie gut er spielen kann, und er weiß auch, dass es ein paar Spiele braucht, die du gewinnst, und dann bist eh wieder drinnen.“ Ob dies nun in Paris oder später passiere, werde man sehen, erklärte Straka.

Thiem lasse sich jedenfalls von außen nicht so sehr beeinflussen, glaubt der Steirer. „Er lässt sich auch nicht in eine Nicht-Favoritenrolle drängen. Er muss niemand was beweisen und geht insofern vielleicht ein bisschen unbeschwerter rein, weil die Erwartungshaltung nicht so hoch ist. Das könnte ein Vorteil sein.“ Das Wichtigste, so Straka, sei, dass sein Schützling „in einen Flow“ komme.

Mit Thiem sind übrigens nur Coach Nicolas Massu und Physio Alex Stober in der neuerlichen Corona-Blase. „Auch ich darf während des Turniers nicht mehr zu ihm“, sagte Straka. Die „Bubble“ sei in Paris sogar schlimmer als 2020. „Es ist komplett strikt.“

Zumindest gibt es diesmal wieder Zuschauer, je 1.000 dürfen auf die drei großen Courts, alle anderen dürfen in den ersten zehn Tagen je 35 Prozent ihrer Kapazität nutzen. Ab 9. Juni darf auf 65 Prozent erhöht werden, für den Center Court und Suzanne Lenglen gibt es aber jeweils ein Limit von 5.000 Fans. An diesem Tag wird es die einzige der zehn Night Sessions mit Zuschauern sein.

Bei den Damen hatte Naomi Osaka mit ihrem selbst auferlegten Maulkorb in Richtung Presse für Aufsehen gesorgt. Die Weltranglisten-Dritte zählt gerade auf Sand nicht zu den Favoritinnen, anders hingegen die beiden Siegerinnen 2019 und 2020: die australische Weltranglisten-Erste Ashleigh Barty, die im Vorjahr wegen der Pandemie auf eine Titelverteidigung in Frankreich verzichtet hatte, und die Polin Iga Swiatek nach ihrem Sensationslauf zum ersten Major-Triumph 2020. Die 19-Jährige hatte jüngst mit dem 6:0,6:0-Finalsieg in Rom über Karolina Pliskova (CZE) Topform gezeigt.

Serena Williams wird mit fast 40 auf Sand wohl kaum um den Titel mitspielen können. Da darf man eher mit ihren US-Landsfrauen Sofia Kenin (Vorjahresfinalistin) oder gar Jungstar und Parma-Siegerin Cori Gauff rechnen.


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