Am „Puls der Stadt“: Wiener Symphoniker in Käfig und Museum

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Mit einem umfangreichen Programm, das sie an etliche neue Orte führen wird, bestreiten die Wiener Symphoniker die Spielzeit 2021/22: Insgesamt 183 Konzerte sind geplant, davon 116 alleine in Wien. Hier will man sich am „Puls der Stadt“ zeigen, so das Motto der kommenden Saison. Gelingen soll dies mit Auftritten im Stephansdom, dem Prater oder dem Kunsthistorischen Museum. Sogar in die Fußballkäfige zieht es die Musiker.

„Das Orchester ist immer sehr lebendig geblieben“, blickte Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada bei der Programmpräsentation am Freitag zunächst auf die schwierigen, von Corona bestimmten Monate zurück. Seine zweite Spielzeit sei nun „die erste, richtig große Saison, in der ich hoffentlich alles realisieren darf“. Er selbst wird bei nicht weniger als 62 Konzerten am Pult stehen, wobei sein Schwerpunkt auf Wiener Komponisten liegt - allen voran Haydn. Zentrale Schauplätze sind in bewährter Manier Musikverein und Konzerthaus, aber: „Wir pulsieren nicht nur in den Häusern, sondern draußen genauso.“

So werden die Grätzel-Konzerte fortgeführt, wird der Prater zum Schulende 2022 für ein großes, bei freiem Eintritt zugängliches Open-Air-Konzert genutzt und gibt es im Rahmen der neu benannten Vermittlungsreihe „Open Symphony“ auch Auftritte in Fußball- und Spielkäfigen, die gemeinsam mit dem Kulturverein ARGE Henriette umgesetzt werden. Damit werde man auch dem Gründungsgedanken als „Orchester für die breite Bevölkerung“ gerecht, unterstrich Orchestervorstand Thomas Schindl. Wenn man in den Bezirken in kleineren Besetzungen spiele, „dann fällt diese unsichtbare Barriere zwischen Musikern und Publikum weg“.

Einer der Höhepunkte der kommenden Saison ist die Uraufführung eines Auftragswerks von Johannes Maria Staud für Sopran und Orchester im Konzerthaus (17.2.2022), für das sich der Komponist vom US-Lyriker William Carlos Williams inspirieren ließ. Er versprach ein „Kaleidoskop aus kurzen Passagen, sehr kleingliedrig und schillernd. Es wird wie ein Irrgarten, in den man hineingeht.“ Neu ist außerdem eine achtteilige Kammermusikreihe im Kunsthistorischen Museum, die eine exklusive Führung inkludiert und bei der jeweils ein Werk auch musikalisch aufgegriffen wird (ab 21.10.).

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Als WSY-Artist wurde Perkussionist Martin Grubinger gewonnen, er wird etwa Tan Duns „The Tears of Nature“ unter der Leitung des Komponisten selbst spielen (29.10., Konzerthaus). Traditioneller Fixpunkt ist für die Symphoniker das Festival Wien Modern, bei dessen kommender Ausgabe das Abschlusskonzert unter dem Dirigat Beat Furrers bestritten wird (30.11., Konzerthaus). Erstmals ist der Klangkörper hingegen im Volkstheater zu erleben: Dessen neuer Direktor Kay Voges holt die isländischen Künstler Ragnar Kjartansson und Kjartan Sveinsson mit „Der Klang der Offenbarung des Göttlichen“ ans Haus und versprach einen Bühnenzauber, für dessen musikalische Seite die Symphoniker zuständig zeichnen werden (Premiere 17.3.2022).

Bei den Bregenzer Festspielen sind die Symphoniker sowohl auf der Seebühne (Wiederaufnahme von „Rigoletto“) als auch im Festspielhaus (halbszenische Aufführung des „Rheingold“) präsent, am Theater an der Wien ist es Alfredo Catalanis Oper „La Wally“ (Premiere: 12. November), die Orozco-Estrada selbst leiten wird. Außerdem gibt es Auftritte in Innsbruck, Graz, Salzburg und Eisenstadt sowie 25 internationale Gastspiele, die das Orchester durch 20 Städte in acht Ländern führen.

Im Stephansdom steht am 14. Dezember ein Adventkonzert an, das man laut Symphoniker-Intendant Jan Nast auch als TV-Event längerfristig etablieren möchte. Von welcher Sendeanstalt es übertragen wird, steht allerdings noch nicht fest, man befinde sich diesbezüglich mit zwei Sendern in Verhandlungen, erklärte Nast auf Nachfrage. Und nicht zuletzt hat Filmmusik einen Platz gefunden im Symphoniker-Repertoire. „Die Nachfrage diesbezüglich wird immer größer“, unterstrich Nast. Für die erste Ausgabe der jährlich geplanten Reihe konnte man den zweifachen Oscar-Preisträger Alexandre Desplat (29./30. Jänner, Musikverein) gewinnen.

Angesprochen auf Medienberichte über von ihm erhaltene Corona-Finanzhilfen, erklärte Orozco-Estrada, dass dies stimme und er um die Unterstützung „wie jeder andere Veranstalter und freischaffende Künstler auch“ angesucht habe. Auf die Höhe von 211.000 Euro habe er naturgemäß keinen Einfluss, diese habe sich nach seinen Einkünften 2019 gerichtet. „Ich zahle seit 20 Jahren, also dem ersten Tag meiner beruflichen Karriere, in Österreich Steuern“, unterstrich er. Der Dirigent zeigte sich „traurig und enttäuscht“ über die entstandene Diskussion, ihm sei aber von offizieller Stelle zugesichert worden, alles richtig gemacht zu haben. Zuletzt sei er aufgefordert worden, den Antrag neu zu stellen, weil sich bei den Modalitäten etwas geändert habe. Das Geld habe er bis dato jedenfalls nicht angerührt und werde dies auch bis zur Klärung des Falls nicht tun.

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