ManCity und Chelsea im Finale der vielen Parallelen in Porto

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Am Samstag (21.00 Uhr/live Sky und DAZN) treffen im Finale der Champions League in Porto die beiden englischen Clubs Manchester City und Chelsea aufeinander. Die spezielle Note aus dem Fußball-Mutterland verblasst aber angesichts der Internationalität der beiden Clubs, die von zwei der finanzkräftigsten Investoren im Sport angetrieben werden: Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi beim aktuellen Meister aus Manchester, der Russe Roman Abramowitsch bei den „Blues“.

Zum achten Mal stehen zwei Clubs aus einem Land im Endspiel, zum dritten Mal nach 2008 und 2019 zwei Engländer. Die Parallelen zwischen den beiden Finalisten enden aber nicht beim Herkunftsland oder bei der Grundfarbe blau, die bei den „Citizens“ in einem freundlichen Himmelblau daherkommt. So haben es in der langen Geschichte des britischen Fußballs beide erst relativ spät in den Kreis der großen Clubs geschafft. Genau genommen gelang das erst nach der Übernahme durch spendierfreudige ausländische Haupteigentümer.

Wie die spanische Fachzeitschrift „Marca“ vorrechnete, haben Scheich Mansour und Abramowitsch seit der Saison 2003/04, als der wirtschaftlich umtriebige Russe Chelsea erwarb, schon rund vier Milliarden Euro für Spieler ausgegeben. Die Herrscherfamilie aus dem Emirat Abu Dhabi stieg 2008 bei City ein, seitdem gab es fünf Premier-League-Titel. Im vorigen Jahrhundert gewann die „Sky Blues“ lediglich 1936/37 und 1967/68 die englische Meisterschaft. Chelsea konnte vor der Abramowitsch-Ära nur 1954/55 über den Titel jubeln, seitdem klappte es ebenfalls fünfmal mit dem Liga-Triumph.

Beide Clubs sind zudem in der Champions League bisher noch nicht übermäßig erfolgreich gewesen. City steht heuer erstmals im Finale, Chelsea immerhin zum dritten Mal. 2012 gewannen die Londoner gegen den FC Bayern das „Finale dahoam“ in München, 2008 hatte sich Manchester United durchgesetzt.

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Beide werden darüber hinaus von wahrhaft Fußball-Besessenen auf dem Platz gesteuert. City-Coach Pep Guardiola strebt seinen dritten Champions-League-Triumph an, nachdem er bereits zweimal mit seinem Stammverein FC Barcelona reüssiert hatte. Für Chelsea-Trainer Thomas Tuchel ist es das zweite Endspiel nach jenem im Vorjahr, das er mit Paris Saint-Germain gegen die Bayern verlor. „Wir sind da, um den Titel zu holen“, sagte der 47-jährige Deutsche, den mit Guardiola inzwischen eine Freundschaft verbindet. Die Geschichte über ein gemeinsames Taktikgespräch vor Jahren mit Hilfe von Salz- und Pfefferstreuern im Münchner Nobelrestaurant Schumann‘s erzählen beide mit einem Grinsen.

Die jüngsten beiden Pflichtduelle gewann Chelsea, im Cup-Halbfinale und in der Premier League. City wurde trotzdem Meister, Chelsea Vierter. „Es tut uns natürlich gut, in der letzten Zeit in zwei unterschiedlichen Wettbewerben gegen ManCity gewonnen zu haben. Das gibt uns das nötige Vertrauen“, betonte Tuchel, der aber auch von einer „leichten Außenseiterrolle“ spricht. Guardiola stellt sich auf ein enges Spiel ein. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir leiden müssen, um das Finale zu gewinnen. Es wird um das Momentum gehen“, sagte der Spanier.

Die beiden Trainer sind gewiefte Taktiker und stehen - ungeachtet von Guardiolas Faible für gepflegte Kurzpass-Offensive - auf gute Organisation, die mit einer stabilen Verankerung in der Abwehr beginnt. In der laufenden Champions-League-Saison haben sowohl ManCity als auch Chelsea nur vier Tore erhalten. Bei den Londonern ragt der brasilianische Routinier Thiago Silva heraus, bei den „Citizens“ der Portugiese Ruben Dias. Engländer in tragenden Rollen gibt es nicht viele. Bei Manchester sind es Raheem Sterling oder die Abwehrspieler John Stones und Kyle Walker, bei Chelsea Ben Chilwell oder Mason Mount.

Am Donnerstag und Freitag haben sich in der Hafenmetropole aber schon etliche englische Fans in himmel- oder royalblauen Trikots auf das Finale eingestimmt. Die UEFA und die lokalen Behörden haben für 16.500 Zuschauer im Estadio do Dragao das Okay gegeben, die Inzidenzzahlen in Portugal sind überschaubar. Nach dem Finale geht es für viele Spieler gleich weiter in die diversen Trainingslager ihrer Nationalteams, die sich auf die Europameisterschaft vorbereiten.


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