Karikaturist Gerhard Haderer feiert 70. Geburtstag

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Ein Großmeister der Satire, der sich nicht ohne Selbstironie „Scherzkeks“ nennt, feiert am heutigen Samstag seinen 70. Geburtstag: Gerhard Haderer. Seit nunmehr 40 Jahren kommentiert der Linzer mit der Feder das weltpolitische Geschehen oder führt einem gesellschaftliche Abgründe vor Augen. Ironisch, sarkastisch, aber niemals menschenverachtend. Liebevoll findet er seine Satiren, von denen er „Unmengen“ veröffentlicht hat. Für ihn ist „ein weißes Blatt das Abenteuer“.

Zeichnen bedeute auch nach all den Jahren für ihn immer noch eine „geistige Lockerungsübung“, mit der er „den Druck im Hirn“ ablassen und ausdrücken könne, „was ihm passt und was nicht“. Das Karikaturmuseum Krems würdigt sein Schaffen in einer noch bis November laufenden Ausstellung. „Die Arbeiten des österreichischen Künstlers können getrost als Abrechnung mit Tabus und einer Doppelmoral verstanden werden, aber gleichermaßen als Chronik vergangener Jahre mit all ihren Höhepunkten, Widrigkeiten und Skandalen“, heißt es zur Ausstellung.

Eine dieser Widrigkeiten wurde im März auf einer großen Feuermauer an der Linken Wienzeile angebracht. Auf dem 230 Quadratmeter großen Bild ist Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zu sehen, unter dem Sakko seines Slim-Fit-Anzugs fehlt das Herz. Haderer hat es der Initiative „Courage - Mut zur Menschlichkeit“ unentgeltlich zur Verfügung gestellt. „Ein sehr sanfter und sehr liebevoller Appell, diesem hoch talentierten jungen Mann zu sagen, bleib‘ nicht bei deiner vorgefassten, strategischen Linie, sondern hole die Menschen dort ab, wo ihnen das Herz zerbricht‘“, meint der Philanthrop Haderer, „der die Menschen liebt, aber nicht alle“.

Die Generalthemen Kirche und Politik beschäftigen ihn seit Jahrzehnten. 1985 erschienen im Nachrichten-Magazin „profil“ seine ersten Karikaturen. Seitdem zeichnet der gelernte Werbegrafiker für zahlreiche Zeitungen und Magazine im deutschen Sprachraum. Weit über 1.000 seiner Cartoons wurden abgedruckt. Würde man seinen Bruder, einen Mathematiker, fragen, bekäme man sofort die genaue Anzahl. Den Blick zurück überlasse er lieber anderen, wie etwa einer Ehefrau, die alles managt.

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International hat Haderer sich mit seinem Buch „Das Leben des Jesus“, in dem er Gottes Sohn als lässigen Weihrauchkiffer darstellt, einen Namen gemacht. In Griechenland wurde er dafür 2005 wegen Blasphemie in einem ersten Prozess verurteilt und im Berufungsverfahren freigesprochen. An die 30 Werke, allein oder gemeinsam mit Autoren wie Peter Turrini, Elfriede Hammerl oder Josef Hader, hat er inzwischen veröffentlicht.

Mit seinem Sohn Christoph bringt der Vater von vier Kindern einmal im Monat „das feine Schundheftl Moff“ - eines „seiner Herzblätter“- heraus. Beide eröffneten 2017 auch in der Linzer Tabakfabrik die „Schule des Ungehorsams“. Doch die gesellschaftskritische Denkwerkstatt zur Kultivierung des Ungehorsams wurde gut zwei Jahre später geschlossen. Diese Idee brauche keinen fixen Raum, wir haben die „Denkschule in vielen Köpfen platziert“, sagt der Vater. Als der Veranstaltungscharakter überhandgenommen habe, hätten sie wieder zugesperrt.

Die obligatorische Frage nach dem Aufhören, die zu einem runden Geburtstag im fortgeschrittenen Alter automatisch kommt, stellt sich nicht: Zu weit habe er seine Augen offen und schaue sich in seinem „kleinteiligen Kosmos“ - mal in Linz, mal am Attersee - um. „Small is beautiful“ - mit dieser Sichtweise kann er sich einverstanden erklären. Ein 70. Geburtstag ist für ihn etwas, das man nicht verheimlichen sollte. Auch wenn er derartige Feiertage „nicht für eine große Leistung“ hält. Aber sie sind Anlass für schöne Feste, und so werde natürlich „saftig gefeiert“, das Leben. Dass etwas geplant sei, habe er bereits mitbekommen, aber dies „ist ja alles ganz geheim“.


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