Schock für Thiem in Paris: Aus schon in Runde eins

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Dominic Thiem hat am Sonntag ausgerechnet bei den French Open eine bittere Erstrunden-Niederlage erlitten. Ein Schock für ihn und seine Fans. Der US-Open-Sieger unterlag dem Spanier Pablo Andujar sensationell beim mit 34,37 Mio. Euro Sandplatz-Grand-Slam-Turnier trotz einer 2:0-Satzführung. Nach 4:28 Stunden hatte der zweifache Roland-Garros-Finalist gegen die 35-jährige Nummer 68 der Welt mit 6:4,7:5,3:6,4:6,4:6 das Nachsehen. Thiem befindet sich endgültig in einer Krise.

„Es war heute, wie auch in Lyon, einfach alles nicht gut genug. Es haben in allen Teilen von meinem Spiel einige Prozent gefehlt. Vorhand Katastrophe, Rückhand Katastrophe, alles verkrampft, nicht locker genug. Erster Aufschlag zu verkrampft, somit fehlt das Percentage, und es fehlen ein paar km/h“, analysierte Thiem gegenüber der APA - Austria Presse Agentur. Generell habe er viel zu defensiv gespielt. „Ich bin da in richtig schlechte Muster zurückgefallen heute. Das ist natürlich schwer zu verstehen.“ Zumal er seit einiger Zeit wieder sehr gut trainiert und auch wieder normal gespielt habe.

Im internationalen Teil der Video-Pressekonferenz hatte Thiem gemeint, dass er an diesem Tag nicht sein wirkliches Selbst habe zeigen können. „Das war nicht die Version von mir, die imstande ist, um große Titel zu spielen“, sagte Thiem, der beim achten Antreten in Roland Garros erstmals in Runde eins gescheitert ist. Zuletzt war er bei den US Open 2019 bei einem der Majors gleich ausgeschieden.

Damit setzt sich für Thiem, der sich im vergangenen September in New York erstmals zum Grand-Slam-Champion gekürt hatte, eine durchwachsene Saison fort. Der 27-jährige Niederösterreicher war als Vorjahresfinalist bei den Australian Open schon im Achtelfinale ausgeschieden und ohne Turniersieg sowie nur einer 9:7-Siegbilanz nach Paris gekommen. Wie es nun mit Thiem weitergeht bzw. wann er in die Rasen-Saison einsteigt, weiß er selbst noch nicht. „Ich habe noch keine Ahnung, muss überlegen wegen der Rasensaison. Dann werde ich entscheiden, ob ich die vielleicht früher angehe. Jetzt muss ich mal kurz die Niederlage verdauen.“

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Seit dem Triumph bei den US Open am 13. September 2020 läuft es für Thiem nicht mehr richtig rund. Auch anderen Tennisgrößen in der Vergangenheit wie etwa Pete Sampras oder Mats Wilander war es nach großen Erfolgen so gegangen. Das große Ziel erreicht, folgte ein Durchhänger. „Ich glaube, dass Novak (Djokovic) auf einem anderen Level nach seinem Sieg hier 2016 auch Schwierigkeiten hatte. Es ist großartig, so ein großes Ziel zu erreichen, aber gleichzeitig ist danach etwas anders. Es ist ein großer Lernprozess. Trotz der Niederlage, die sehr wehtut, hoffe ich, dass ich stärker als vorher zurückkommen kann“, hofft Thiem.

Für Sensationsmann Andujar, der zuletzt schon mit einem Sieg über Roger Federer (allerdings nach dessen langer Pause) in Genf überrascht hatte, war es ein Jubeltag. „Ich bin am meisten überrascht. Ich bin 35 und habe das nicht erwartet, dass ich so ein Match hier spiele. Es ist eigentlich ein Schock, dass ich hier gewonnen habe“, sagte der Spanier noch auf dem Court.

Thiem hatte zuvor einen guten Start erwischt. Er nahm dem Spanier gleich im Auftakt-Game den Aufschlag ab. Der erste Satz hätte früher vorbei sein können, wenn Thiem bei 3:1 eine der fünf Möglichkeiten zum Doppelbreak genutzt hätte. Er selbst blieb danach beim Service ungefährdet und verwertete den ersten Satzball nach 56 Minuten zum 6:4.

Der zweite Durchgang verlief zäher. Zunächst wehrte Thiem im zweiten Game drei Breakbälle ab, ehe er selbst zum 2:1 breakte. Der 17-fache ATP-Turniersieger verlor aber postwendend erstmals seinen Aufschlag. Thiem gelangen bei 3:3 in einem von vielen langen Grundlinienduellen geprägten Match zwei zu-Null-Games in Folge zum 5:3. Doch Andujar gelang das Rebreak zum 5:5, ehe er selbst wieder den Aufschlag ohne Punktgewinn zum 5:6 abgab. Thiem nutzte dann den zweiten Satzball zur 2:0-Satzführung nach 1:57 Stunden.

Im dritten Durchgang ging es bis zum 4:3 für Andujar ohne Serviceverlust, dann musste Thiem ein schwaches Service-Game zu Null zum 3:5 abgeben. Die Partie kippte. Nach einer Rebreakchance Thiems nutzte der Spanier dann seinen ersten Satzball zum 6:3. Im vierten Satz vergab der dreifache Major-Finalist zwei Breakbälle zum 2:0. Nach fast drei Stunden gelang es dann Andujar, Thiem den Aufschlag gar zu Null zum 2:1 abzunehmen. Nach einem langen fünften Game musste Thiem erneut das Service zum 1:4 abgeben, Andujar nahm Kurs auf den fünften Satz. In der Folge hatte Thiem bei 4:5 noch eine Rebreak-Chance zum 5:5, doch Andujar nutzte seinen zweiten Satzball.

Nach 3.40 Stunden musste das Match in einen fünften Satz gehen. Thiem gelang nach einem Serviceverlust zwar sofort das Rebreak zum 1:1. Man hatte kurz den Eindruck, als würde Thiem nun einen Gang zulegen können. Bei 2:1 hatte Thiem eine Breakchance zum 3:1. „Ich habe in diesen Momenten einfach nicht gut genug gespielt“, so Thiem. Zum 2:3 musste er neuerlich den Aufschlag abgeben. Andujar erhöhte zu Null auf 4:2. Danach war der Außenseiter nicht mehr zu knacken, er verwertete seinen ersten Matchball zur ersten großen Überraschung des Turniers.


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