Förderunterricht wird nicht überall gleich stark genutzt

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Um Lerndefizite aufgrund des monatelangen Fernunterrichts und Schichtbetriebs abzufangen, hat Bildungsminister Heinz Faßmnann (ÖVP) ein 200 Mio. Euro schweres Förderpaket geschnürt. Für die Förderung vor allem von schwächeren Schülern bzw. Schülern aus Deutschförderklassen wurden befristet 1.161 Planstellen geschaffen. Mit Stand April gab es beim Abruf dieser Zusatzressourcen deutliche Unterschiede nach Bundesländern, laut Bildungsressort waren es zwischen 33 und 70 Prozent.

Am höchsten war der Anteil abgerufener Stunden nach Angaben der Bildungsdirektionen in Wien und Kärnten (je 70 Prozent), Oberösterreich (69), Salzburg (66), Vorarlberg (65) und in der Steiermark (61). Weit geringer war er im Burgenland und Niederösterreich mit jeweils 48 Prozent und in Tirol (33 Prozent). Allerdings könnten all diese Werte mittlerweile angesichts der veränderten Bedingungen (Ende des Lockdowns, Ende des Schichtbetriebs, längere Zeit für Vorbereitung durch die Schulen) weiter gestiegen sein, betont man im Bildungsministerium gegenüber der APA.

Bei dem Förderpaket stehen im Sommersemester im Schnitt jeder Klasse zwei Wochenstunden zur Verfügung. Die Förderstunden sollen dabei vor allem jenen Schülern zu Gute kommen, deren Lernrückstände infolge der Pandemie besonders groß sind. Bei der Ressourcenzuteilung durch die Bildungsdirektionen sollen denn auch vor allem Standorte mit einem erhöhten Förderbedarf der Schüler, erhöhtem Sprachförderbedarf oder besonderen sozioökonomischen Herausforderungen zum Zug kommen.

Die Schulen können dabei selbst entscheiden, ob sie die Zusatzressourcen für Förderunterricht, Gruppen- bzw. Klassenteilung, individuelle Fördermaßnahmen, geblockten Unterricht in bestimmten Fächern oder Ergänzungsunterricht in der Sommerschule einsetzen. Eine Fortsetzung des Programms im Herbst ist geplant. Wie es dann genau aufgesetzt wird, steht laut Bildungsministerium allerdings noch nicht endgültig fest.

Die Zuteilung der zusätzlichen Förderstunden für die Pflichtschulen (v.a. Volks- und Mittelschulen) an die Bundesländer richtet sich zu 90 Prozent nach der Schülerzahl, zehn Prozent (insgesamt 116 Stellen) vergibt das Ministerium nach der Zahl der außerordentlichen Schüler, die eine Deutschförderklasse oder einen Deutschförderkurs besuchen. Die meisten Förderstunden gehen auf Basis dieser Kriterien an Wien, Oberösterreich und Niederösterreich, zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der NEOS durch Faßmann.

Für die mittleren und höheren Schulen sind insgesamt 44,4 Mio. Euro für zusätzlichen Lehrpersonalaufwand vorgesehen, der mit 32 Mio. Euro überwiegende Teil davon für zusätzlichen Kleingruppen- und Förderunterricht. Hier werden die Mittel im Wesentlichen entsprechend der Klassenzahl verteilt, wobei die Zusatzressourcen zwischen den Schulen bzw. im Falle der Abschlussklassen zwischen den Klassen eines Standorts schwerpunktmäßig Schülern mit erhöhtem (Sprach)förderbedarf zugeteilt werden können.

In der Anfragebeantwortung wird außerdem dargestellt, wie viele zusätzliche Sekretariatskräfte mittlerweile an den Schulen im Einsatz sind. Bei dem im Vorjahr angekündigten Programm des Bundes sollten bis 2022 bis zu 1.000 Langzeitarbeitslose, benachteiligte Personen am Arbeitsmarkt und Wiedereinsteiger an die Pflichtschulen geholt werden, um die Schulleitung dort bei Verwaltung und Organisation zu entlasten. 500 Vollzeitstellen sollten laut Plan der Bundesregierung mit Herbst 2020 besetzt werden, weitere 500 mit Herbst 2021. Tatsächlich sind derzeit laut Bildungsministerium nur 295 Personen an den Schulen im Einsatz, fast zwei Drittel allerdings mit einer Arbeitsverpflichtung von nur 20 Stunden pro Woche.


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