Friederike Mayröcker im Alter von 96 Jahren gestorben

  • Artikel
  • Diskussion

Die österreichische Autorin Friederike Mayröcker ist am heutigen Freitag im Alter von 96 Jahren in Wien gestorben. Das teilte der Suhrkamp Verlag mit. Mayröcker war erst kürzlich für ihr letztes Buch „da ich morgens und moosgrün. Ans Fenster trete“ für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert gewesen. Mayröcker zählte zu den am höchsten dekorierten heimischen Schriftstellern.

„Die Grande Dame der österreichischen Literatur ist nicht mehr. Heute hat Friederike Mayröcker ihren Stift für immer niedergelegt“, reagierte Bundespräsident Alexander Van der Bellen auf die Todesmeldung der „wohl wichtigsten österreichischen Autorin“. „Die unaufdringliche Eleganz ihrer Texte hat uns reich beschenkt“, so das Staatsoberhaupt. „Ihre zarte und doch so eindringliche Prosa, ihre facettenreiche, sprachspielerische Lyrik - immer war ihr Schreiben bereichernd und von unaufdringlicher Eleganz. Bis ins hohe Alter gelang es ihr, die Welt so zu beschreiben, als sähe sie sie zum ersten Mal. Wer diese feine, leise Autorin kannte, weiß um die Ausnahmeerscheinung, die Friederike Mayröcker zweifelsohne darstellte. Ihr Ableben macht traurig und nachdenklich und lässt sicherlich viele Menschen erneut zu ihren Büchern greifen.“

„Mit Friederike Mayröcker ist eine einzigartige Dichterin von uns gegangen“, reagierte der Literaturwissenschafter Klaus Kastberger gegenüber der APA. „Ihr langer und absolut kompromissloser poetischer Weg führte sie zu einer schwindelerregenden Ausdrucksform der Gefühle. So etwas hat die deutschsprachige Literatur vorher noch nicht gesehen. Ein Stück Mayröcker wird für immer in unserer Sprache bleiben. „

Gegenüber der APA schrieb Mayröckers Verlagskollege bei Suhrkamp, der Grazer Autor Clemens Setz, auf Anfrage: „Friederike Mayröcker war die größte Dichterin unserer Sprache. Jeder Mensch findet in ihrem Werk seinen geborgenen Winkel, seinen Platz zum Ausruhen, seinen Lobpreis. Meine Trauer ist sehr groß. Zumindest habe ich mich ein Mal im Leben nützlich gemacht und für Friederike Mayröcker einen Snoopy gezeichnet, denn sie liebte diesen Hund mit der Schreibmaschine.“

Mayröcker, die u.a. mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit Stern (2014), dem Großen Österreichischen Staatspreis (1982) und dem Georg-Büchner-Preis (2001) ausgezeichnet wurde, hatte bereits nach dem im Sommer 2020 erschienenen Buch angekündigt, keine weiteren Werke zu veröffentlichen. Über den Tod sagte sie einst in einem „Standard“-Interview: „Ich schreibe um mein Leben. Es wird mir aber nichts nützen. Er wird mich holen, so oder so.“

Geboren wurde Mayröcker am 20. Dezember 1924 in Wien als Tochter eines Lehrers und einer Modistin. Bereits als 15-Jährige begann sie kurze emotionale Prosatexte zu schreiben. In der Literaturzeitschrift „Plan“ veröffentlichte sie 1946 erste Gedichte. Im selben Jahr begann sie als Englischlehrerin an Wiener Hauptschulen zu unterrichten. Nach einigen vorübergehenden Beurlaubungen konnte sie erst 1969 aus dem Schuldienst ausscheiden und sich ganz dem Schreiben widmen.

Zu ihren bekanntesten Werken zählen etwa der Gedichtband „Tod durch Musen“ (1966) oder die Prosa-Stücke „Die Abschiede“ (1980), „brütt oder Die seufzenden Gärten (1998), „Requiem für Ernst Jandl“ (2001) oder „Und ich schüttelte einen Liebling“ (2005). 2013 bis 2016 erschien die Trilogie „études“, „Cahier“ und „fleurs“. Der letzte als Lyrik ausgewiesene Band erschien 2012 mit „Von den Umarmungen“, die zuletzt erschienenen Werke betitelte der Suhrkamp-Verlag, bei dem Mayröckers Werk seit 1979 erschien, selbst als „prosaische Gedichte und lyrische Prosastücke“.


Kommentieren


Schlagworte