Musiksommer St. Leonhard in Tamsweg: Kirche als Konzertsaal

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Zu sieben Konzerten zwischen 15. Juli und 26. August lädt heuer der Musiksommer St. Leonhard im Lungau. Seit über 30 Jahren veranstaltet der Trompeter Horst Hofer in der spätgotischen Wallfahrtskirche oberhalb von Tamsweg in 1.200 Metern Seehöhe hochkarätige Konzerte vor bis zu 800 Zuhörern. Nachdem man im vorigen Jahr pandemiebedingt das Platzangebot reduzieren musste, hofft man heuer durchzustarten und auch Besucher der Salzburger Festspiele zu Abstechern bewegen zu können.

Mit seinem Ensemble Juvavum Brass war Hofer einige Jahre für die von Werner Pirchner geschaffene Musik zur „Jedermann“-Inszenierung von Gernot Friedel am Salzburger Domplatz verantwortlich. Die Kirche St. Leonhard rühmte er heute im Gespräch mit Journalisten in Wien als „Kraftplatz“ und als Raum, der „auch große Klangfüllen verträgt“: „Alle sind begeistert davon - die Musiker und das Publikum gleichermaßen.“ Deswegen versuche man, die Tourismusverantwortlichen im Lungau zu einem stärkeren Kulturschwerpunkt zu bewegen. Heute schlug schon mal der Schirmherr des Musiksommers die Werbetrommel. Der ist niemand Geringerer als Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder.

Er sei in einer hoch musikalischen Familie aufgewachsen, in der man regelmäßig auch große Werke der Musikliteratur quasi aus dem Stand gemeinsam gesungen habe, erzählte Schröder. Er selbst habe im Brucknerchor gesungen und erinnere sich besonders gerne an Konzerte mit Anton Dermota. „Der Höhepunkt meines musikalischen Lebens war aber die Eröffnung des Brucknerhauses 1974 unter Herbert von Karajan.“ Danach habe er sich aber auf sein Kunstgeschichtsstudium konzentriert und den Gesang vernachlässigt. Vor elf Jahren habe es ihn mit seiner jetzigen Frau in den Lungau verschlagen und sei vor zehn Jahren erstmals in einem Konzert des Musiksommers St. Leonhard gewesen. Die Kirche sei nicht nur kunsthistorisch bemerkenswert und „ein gotisches Juwel allererster Güte“, sondern auch „einer der schönsten Konzertsäle Österreichs“. Auch dank der prachtvollen Schnitz-Altäre gäbe es viel Holz im Kirchenraum und dadurch eine „Konzertsaalakustik“: „Für mich ist es der schönste Ort in Österreich, Musik zu hören.“

Eröffnet wird der Musiksommer St. Leonhard am 15. Juli mit der Mozart-Krönungsmesse und ausgewählten Kirchenmusik-Werken, gespielt vom Salzburger Domorganisten Heribert Metzger an der Dummer Orgel der Wallfahrtskirche. Am 22. Juli folgt ein Abend des Lungauer Sängers Rafael Fingerlos mit eigens für ein Kammerensemble der Wiener Philharmoniker arrangierten Werke von Schubert und Mozart. Philharmoniker-Soloklarinettist Matthias Schorn gastiert mit einem Holzbläserquintett aus den philharmonischen Reihen am 29. Juli in Tamsweg, das Attergau Institute Orchestra, das Jugendorchesterprojekt der Wiener Philharmoniker, wird für den 5. August erwartet. Als „großartige, echte Volksmusik“ kündigte Hofer die Mühlviertler Musikanten rund um Johanna Dumfart an, die am 12. August gastieren: „Ich habe noch nie so kunstvolle authentische Jodler gehört.“ Eine Woche später wird der Hamburger Trompeter Matthias Höfs (Hofer: „Er zählt im klassischen Bereich sicher zu den Top drei weltweit.“) mit einem ungewöhnlichen Projekt auftreten: In „Mozart con Tromba“ wird er mit seiner Trompete Teil eines Streicherensembles. Und schließlich gastiert zum Abschluss am 26. August das Stockholm Chamber Brass Ensemble in Tamsweg.

Viele Gründe also, den Weg nach Tamsweg anzutreten - auch für Salzburger Festspiel-Besucher. „In eineinhalb Stunden sind sie dort“, versicherte Schröder. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise deutlich komplizierter. Da wäre dann doch die eine oder andere Nächtigung angeraten. Dabei ließe sich dann auch eine andere Aussage Schröders überprüfen: „Für mich ist der Lungau ja der schönste Gau Salzburgs...“

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