Randale im Wiener Resselpark bringen Platzverbot

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Nach den Ausschreitungen im Wiener Resselpark in der Nacht auf Samstag hat die Wiener Polizei am Nachmittag ein Platzverbot für den Bereich des Parks vor der Karlskirche verhängt. Dieses war um 19.00 Uhr in Kraft getreten. 33 Minuten später war der Platz vor der Karlskirche leer. Der Bereich wurde problemlos geräumt, die Menschen zeigten sich laut einem Polizisten „sehr einsichtig“. Anrainer, die glaubhaft versichern konnten, im Bereich zu wohnen, wurden weiter durchgelassen.

Mittels Durchsage machte die Polizei am Samstagabend auf das Platzverbot, das auch den Kinderspielplatz inkludiert, aufmerksam. Bei der ersten Kundmachung waren noch dutzende Menschen anwesend, am Spielplatz tummelten sich zahlreiche Kinder. Aufgrund der gleichzeitig läutenden Kirchenglocken ging die erste Durchsage unter. Dutzende Polizisten waren am Karlsplatz und wiesen die Passanten auf das Platzverbot hin, die daraufhin davonzogen.

In der Nacht zuvor war es auf Attacken auf Polizisten gekommen. Zahlreiche feiernde Jugendliche hatten sich im Park versammelt. Die Situation eskalierte, nachdem Menschen auf die Statuen der Kirche geklettert waren. Dabei soll die Stimmung laut Innenministerium von amtsbekannten Menschen aus dem linksradikalen Spektrum angeheizt worden sein.

Weil strafbare Handlungen gesetzt wurden und Sachbeschädigungen drohten, habe man eingegriffen. Als Begründung für das nunmehrige Platzverbot nannte die Polizei eine Gefahreneinschätzung, die ergeben habe, „dass es auch weiterhin in diesem Bereich zu einer allgemeinen Gefahr für Leben oder Gesundheit mehrerer Menschen oder einer allgemeinen Gefahr für Eigentum oder Umwelt in großem Ausmaß kommen kann“. Mit dem Platzverbot sind das Betreten und der Aufenthalt im Park verboten. Wer dies dennoch tut, hat laut Polizei mit der Ahndung einer Verwaltungsübertretung zu rechnen. Das Verbot wird aufgehoben, sobald die Gefährdung nicht mehr zu befürchten ist, spätestens aber nach drei Monaten. Bis auf Widerruf gilt es jedoch rund um die Uhr. In sozialen Netzwerken löste die Verhängung des Platzverbotes innerhalb kurzer Zeit kritische Kommentare aus.

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In der Nacht auf Samstag war die Polizei beim ersten Einschreiten noch zahlenmäßig relativ schwach im Einsatz, das führte zu „massiven Bewürfen mit Glasflaschen und pyrotechnischen Gegenständen gegen die Polizistinnen und Polizisten“, hieß es in einer Polizeiaussendung. Daraufhin wurde Verstärkung angefordert. Aufforderungen, den Platz zu verlassen, ignorierten die Feiernden. Die Beamten räumten daraufhin den Bereich, dabei seien sie weiter beworfen und attackiert worden. Es wurde auch Pfefferspray eingesetzt. Gegen 1.30 Uhr sei die Situation beruhigt worden.

Bei dem Einsatz gab es acht verletzte Polizisten. Eine Beamtin bekam so viele Flaschen auf den Kopf, dass eine Gehirnerschütterung erlitt, obwohl sie einen Schutzhelm trug. Vier Menschen wurden festgenommen, 67 angezeigt. Dazu verzeichnete die Exekutive vier gestohlene Kennzeichen von Streifenwägen und ein beschädigtes Dienstfahrzeug sowie eine Vielzahl von zerbrochenen Flaschen, Getränkedosen und sonstigen Abfällen.

In sozialen Netzwerken wurde der Polizei vorgeworfen, die Situation eskaliert zu haben. So sei es bis zum Einschreiten der Beamten friedlich gewesen. Die Exekutive wies das zurück: „Das Ziel der Wiener Polizei ist es, Menschenansammlungen und in diesem Zusammenhang entstehende Problemstellungen in erster Linie mithilfe kommunikativer Mittel zu lösen. Bei strafbaren Handlungen sowie Übergriffen gegen Polizistinnen und Polizisten schreitet die Wiener Polizei konsequent ein“, hieß es in der Aussendung.

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) verurteilte die Ausschreitungen: „Es ist völlig inakzeptabel und unverständlich, dass strafbare Handlungen gesetzt und die daraufhin einschreitenden Polizisten mit Glasflaschen oder pyrotechnischen beworfen und verletzt werden. Darüber hinaus haben die gestrigen Angriffe auf die Polizistinnen und Polizisten gezeigt, dass Aktivistinnen und Aktivisten aus dem linksextremen Bereich als Drahtzieher dieser Attacken fungieren. Dieses Verhalten ist strafbar, antidemokratisch und ein Zeichen mangelnder Solidarität mit jenen in unserer Gesellschaft, die nach wie vor besonders geschützt werden müssen“, sagte er. Auch Nehammer wurde in sozialen Netzwerken heftig kritisiert.

Seit mehr als einem Jahr hat die Nachtgastronomie coronabedingt geschlossen. Große Menschenmengen im öffentlichen Raum gehören in Wien mittlerweile zum Alltag. Vor allem an den Wochenenden sammeln sich Jugendliche und junge Erwachsene am Donaukanal sowie in zahlreichen Parks, immer wieder finden auch Raves statt. Für Samstagabend war in der Bundeshauptstadt Regen prognostiziert. Dass die Jugend dennoch alternative Orte zum Feiern finden wird, war auch für die Polizisten im Resselpark klar.


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