„Vogelhändler“ als bunte Revue der Ohrwürmer in Klagenfurt

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Mit „Mister Opernball“ Christoph Wagner-Trenkwitz als mitspielendem Erzähler und dem Hund Toto (aus dem Musical „Der Zauberer von Oz“) hatte Regisseur und Stadttheater-Intendant Aron Stiehl das amüsierte Publikum von Beginn an auf seiner Seite. Es machte Samstagabend bei der Premiere eifrig mit bei den einfallsreichen Regieanweisungen zu Carl Zellers Operette „Der Vogelhändler“.

Da musste es mit Taschentüchern winken, deutsche Fähnchen schwenken, kollektiv seufzen und buhen; nur das Lachen kam aus dem Zuseherraum spontan - das dafür oft. Denn der Hesse Aron Stiehl hat sich für die Geschichte um Liebesverwirrungen in der Tiroler Provinz eine reduzierte Dialogfassung voll Anspielungen auf die Gegenwart und seine neue Heimat Kärnten ausgedacht. Da stellte die Christl von der Post Briefe an das Publikum zu, sprach der Bürgermeister in breitestem Kärntner Dialekt und lobte der untreue Kurfürst „den Blick von Schloss Freyenthurn aus“.

Die auf knapp hundert Minuten gekürzte, pausenlose Geschichte konzentriert sich auf die Kernhandlung: Der Vogelhändler Adam möchte Christl von der Post heiraten. Doch die will zuerst einen fixen Posten für ihren Zukünftigen und bittet in einer Privataudienz Stanislaus, der sich als Kurfürst ausgibt, um die Stelle als Menagerie-Inspektor für Adam. Die Kurfürstin Marie sieht in dem Treffen der beiden einen Beweis für die Untreue ihres Mannes und lässt sich auf eine Tändelei mit Adam ein, der sich im Zorn von Christl getrennt hat. Schließlich lösen sich alle Verwicklungen auf, Stanislaus wird entlarvt und Adam bekommt Christl und die neue Stelle.

Christoph Wagner-Trenkwitz, der nicht nur den Erzähler sondern auch den Zauberer von Oz (den er vor drei Jahren in Klagenfurt verkörperte), eine Kellnerin, den Kurfürst und einen Professor („von der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt“) gibt, kommentierte mit Christoph Levermann als Hund Toto wie einst das legendäre Duo der Muppets vom Balkon auf der Bühne oder den Seitenlogen aus. Das reduzierte Kärntner Sinfonieorchester unter der gut gelaunten Leitung von Günter Wallner spielte dank Drehbühne teils sichtbar, der Stadttheater-Chor blieb unsichtbar und wurde live aus dem Chorsaal übertragen.

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Das Sängerensemble überzeugte stimmlich und darstellerisch, allen voran der Tiroler Tenor Paul Schweinester, der den aufbrausend-charmanten Adam authentisch verkörperte. Ihm zur Seite standen Nika Goric als quirlige Postbotin, Joo-Anne Bitter als Kurfürstin und Marian Pop als verschlagener Baron Webs. Mit der anspruchsvollen und flotten Choreografie von Sabine Arthold war das auch schauspielerisch geforderte Tanzensemble fast ständig auf der Bühne, was im Wechsel mit den gassenhauer-ähnlichen Schlagern des Stückes keine Längen aufkommen ließ („Grüß euch Gott, alle miteinander“, „Schenkt man sich Rosen in Tirol“). Regisseur Aron Stiehl ließ seine Inszenierung als Operetten-Persiflage nicht zu platt werden, sondern inszenierte mit viel Sinn für kleine Details und Selbstironie: „Das war halt früher so, das können wir jetzt nicht ändern.“ Nicht ändern lässt sich auch, dass die coronabedingt mehrfach verschobene Produktion insgesamt nur drei Mal in Klagenfurt zu sehen ist.

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