Mann wegen Messerattacke auf Ex-Freundin vor Gericht

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Am Wiener Straflandesgericht hat sich am Donnerstag ein 41-jähriger Mann wegen Mordversuchs vor Geschworenen verantworten müssen, weil er im Oktober 2020 nach der Trennung bei einem Gespräch seine Ex-Freundin in Tötungsabsicht niedergestochen haben soll. Der Angriff erfolgte im Auto des Beschuldigten, das Messer hatte er extra zuvor gekauft. Die 29-Jährige überlebte nur, weil sie ihre Knie hochzog, ihre Hände vor den Körper hielt und schlussendlich den Angreifer wegstieß.

Gegen den Mann wurde bereits im Vorfeld wegen fortgesetzter Gewaltausübung und gefährlicher Drohung ermittelt, weil er die Frau immer wieder attackierte. Unter Tränen sagte der Beschuldigte nun vor Gericht (Schwurgerichtsvorsitzende: Nicole Baczak), dass er die Frau nicht umbringen wollte. Er habe sie dazu bewegen wollen, wieder zu ihm zurück zu kommen. Das Messer habe er mitgehabt, um ihr Angst zu machen. „Ich wollte ihr das Messer zeigen, damit sie nach Hause kommt“, sagte der 41-Jährige, der von Anwalt Martin Mahrer verteidigt wurde. Der Angeklagte bekannte sich teilweise schuldig.

Die beiden lernten sich 2007 in Rumänien kennen und gingen ein Jahr später eine Partnerschaft ein. Vor elf Jahren kam die gemeinsame Tochter zur Welt, mit der sie 2015 nach Wien zogen. Während er keiner Beschäftigung nachging, verdiente sie als Prostituierte den Lebensunterhalt und brachte regelmäßig monatlich 4.000 bis 6.000 Euro nach Hause. Das Geld wurde von ihm kassiert, laut Aussage der 29-Jährigen soll er das Geld verspielt haben. Die Beziehung war von Gewalt geprägt. Immer wieder bedrohte und schlug der 41-Jährige die Mutter seines Kindes. 2015 flüchtete sie sogar mit dem Mädchen ins Frauenhaus, als bei einer Kontrolluntersuchung von Prostituierten durch die Behörde zahlreiche blaue Flecken auf ihrem Körper entdeckt wurden. Die 29-Jährige berichtete der Polizei, dass sie seit sechs Jahren regelmäßig von ihrem Lebensgefährten geschlagen werde. Sie hielt ihre belastenden Angaben jedoch nicht aufrecht und erklärte, sie habe ihm „verziehen“. Daher wurde dieses Verfahren eingestellt.

Im Sommer 2020 wurde der 41-Jährige dann jedoch wegen gefährlicher Drohung verurteilt. Nachdem er die Frau mit dem Umbringen bedroht hatte, hatte sich die 29-Jährige nach zwölfjähriger Beziehung endgültig von dem Mann getrennt. Weil sie jedoch seine Unterschrift für einen Reisepass-Antrag für die gemeinsame Tochter und er die Übersetzung für eine Versicherung benötigte, kam es zu dem folgenschweren Treffen am 17. Oktober 2020 in der Murlingengasse in Wien-Meidling. Der Beschuldigte habe die Frau in eine „heimtückische Falle gelockt“, sagte die Staatsanwältin. „Der Angeklagte kann nicht respektieren, dass die Frau nicht mehr mit ihm zusammen sein und ihm das Geld abliefern will.“ Auch vor Gericht gab der 41-Jährige an, dass er immer noch mit der 29-Jährigen liiert sei. Es habe sich laut Anklägerin um einen „heimtückischen, brutalen Mordversuch“ gehandelt.

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Wie die Ermittlungen ergaben, kaufte der Beschuldigte in einem „1-Euro-Shop“ das Fleischermesser mit 20 Zentimeter langer Klinge und nahm es zum vereinbarten Treffpunkt mit. Die 29-Jährige wollte noch eine Freundin zu dem Treffen mitnehmen, erreichte diese jedoch nicht und ging allein in die Murlingergasse, wo der Mann das Auto parkte. Das Gespräch begann am Gehsteig, weil es jedoch zu regnen begann, forderte der 41-Jährige die Ex-Partnerin auf, sich doch auf den Beifahrersitz zu setzen, um sich die Versicherungsdokumente anzusehen. Als sie sich hinsetzte und die Schreiben überflog, griff er nach hinten und holte das Küchenmesser unter dem Beifahrersitz hervor und stach laut Staatsanwaltschaft mit den Worten, dass „sie jetzt mit ihm zusammen sein“ soll, zu. Die Frau zog zum Schutz die Knie in die Höhe und versuchte mit den Armen weitere Stiche abzuwehren. Schließlich konnte sie den Mann mit den Füßen wegschieben und aus dem Auto flüchten.

Die Frau erlitt sieben Messerstiche im Kopfbereich, im Oberarm, im Unter- und im Oberschenkel sowie am Finger, wo ein Nerv durchtrennt wurde. „Ich habe nur drei bis vier Mal zugestochen“, sagte der 41-Jährige. Als die Richterin dem Angeklagten die Fotos der verletzten 29-Jährigen vorlegte, begann er laut zu schluchzen. „Ich habe nicht mit Gewalt gestochen.“ Was er damit bezwecken wollten, wollte die Vorsitzende wissen. „Ich wollte sie nur erschrecken.“

Seit dem Vorfall leidet die 29-Jährige an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung mit einer ausgeprägten Angststörung. Der Tatverdächtige stellte sich wenig später auf einer Polizeiinspektion. Während er festgenommen wurde, wurde die Frau in einem Spital versorgt.

Der Prozess wird am Mittwoch noch zu Ende gehen und am 13. Juli fortgesetzt. Nach mehreren Zeugenaussagen wird die Verhandlung kurz nach Mittag vertagt. Beim zweiten Prozesstag wird die 29-Jährige kontradiktorisch einvernommen sowie zwei Gutachter zu Wort kommen.


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