ImPulsTanz-Festival heuer mit über 61 Produktionen

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Von Corona-Ausgabe kann keine Rede sein: 61 Produktionen aus über 20 Ländern hat das ImPulsTanz-Festival heuer in zwölf Spielstätten programmiert. Das umfangreiche Programm der 38. Festival-Ausgabe, die heuer von 15. Juli bis 15. August stattfindet, präsentierten Karl Regensburger und sein Team am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Dabei erinnerte man auch immer wieder an den kürzlich verstorbenen Festival-Mitbegründer Ismael Ivo.

Es könne nur in dessen Sinne sein, so Regensburger, „wenn wir nach all dieser herausfordernden Zeit mit Ihnen zusammen ein Festival feiern, das sich der Kunst, dem Tanz und - so weltumspannend wie zur Zeit eben möglich - der lebendigen Begegnung widmet“. Für diese gibt es ausreichend Möglichkeiten: Insgesamt wurden 40.000 Karten aufgelegt. Die Spielstätten reichen heuer vom Volkstheater über das Odeon bis zum ehemaligen Gustinus-Ambrosi-Museum im Augarten.

Unter den 61 Produktionen finden sich 15 Uraufführungen und 34 Österreichische Erstaufführungen. Darüber hinaus sind mit „Umwelt“ der Cie. Maguy Marin, Marco Berrettinis „No Paraderan“ und Alain Platels „Gardenia - 10 years later“ drei „ImPulsTanz Classics“ wieder zu erleben, im Rahmen von „8:tension“ - der „Young Choreographers‘ Series“ - stehen neun Arbeiten am Programm. Dazu kommen ein Film- und Musikvideoprogramm, Buchpräsentationen und eine Ausstellung. Man hoffe sehr, dass etwaige künftige Reisebeschränkungen dem ambitionierten Programm keinen Strich durch die Rechnung machen, so Regensburger.

Für die Eröffnung im Odeon zeichnet heuer am 15. Juli Alexandra Bachzetsis‘ „Private Song“ verantwortlich, das für die documenta 14 entstanden ist und in dem laut Ankündigung „gefühlvolle Rembetiko-Lieder auf Wrestling-Fantasien und Hollywood-Klischees“ treffen. Auf den Filmklassiker „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ bezieht sich Trajal Harrell in „Maggie The Cat“ tags darauf im Akademietheater. Zu Gast ist heuer auch ihre Arbeit „Dancer of the Year“, die am 19. Juli im Odeon zur Österreichischen Erstaufführung kommt.

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Akram Khan, der vom Magazin „tanz“ zum Choreografen des Jahres 2020 gekürt wurde, ist mit in der Österreichischen Erstaufführung von „Outwitting the Devil“ ab 11. August im Volkstheater zu Gast. Mit Meg Stuart kommt ein altbekannter Gast zu ImPulsTanz: Im Gepäck hat sie die Uraufführung von „Cascade“ mit einem Bühnenbild von Philippe Quesne (Premiere am 17. Juli im Volkstheater). Eine Arbeit, die sie pandemiebedingt bereits acht Mal verschieben musste, wie sie via Bildschirm zugeschaltet erklärte. Weitere Uraufführungen sind von u.a. Willi Dorner („figure“, 4. August, WUK), Saskia Hölbling („Through Touches“, 8. August, WUK) und Liquid Loft („Still / Stranger Than Paradise“, 12. August, MuTh) angekündigt.

Mit gleich zwei Stücken ist der Schweizer Guilherme Botelho zu Gast, und zwar mit „Sideways Rain“ und „Normal“. Erstmals in Österreich zu erleben ist „Melodies are so far my best friend“ von PRICE, der 2018 Teil der „8:tension“-Serie war und sich der Pressekonferenz vom Strand in Italien aus zuschaltete. Auch die Nachwuchschoreografin Ofelia Jarl Ortega ist mit einem Werk zu erleben: Mit sieben weiteren Künstlerinnen und Künstlern arbeitet sie über eine Woche lang im Leopold Museum und gestaltet dort einen „aufregenden Ort zwischen Live-Tanz und Archiv“, der an zwei Abenden dem Publikum geöffnet wird. Oben auf dem Dach, in der „Libelle“, steigt das „performative Fest“ namens „Plastic Party Vienna“ anlässlich des 100. Geburtstags von Joseph Beuys. Auf dem Programm stehen u.a. Julius Deutschbauer, Ivo Dimchev oder Thomas Köck. Auch der 100. Geburtstag von Stanislaw Lem wird mit zwei Uraufführungen gefeiert.

Im MuTh zeigt man u.a. Reenactments aus der Tanz(post)moderne: Elisabeth Schwartz lässt dabei die Pionierin des Ausdruckstanzes, Isadora Duncan, in Jerome Bels Stück wieder aufleben, Ruth Childs widmet sich dem choreografischen Erbe ihrer Tante Lucinda und im Rahmen von Kosmos Wiener Tanzmoderne zeigen acht Choreografinnen Tänze von Rosalia Chladek, Gertrud Bodenwieser, Hanna Berger und Gertrud Kraus. Das mumok wartet unter anderem mit einem Musikvideoprogramm auf. mumok-Generaldirektorin Karola Kraus verwies im Rahmen der Pressekonferenz auf den Umstand, dass das ImPulsTanz-Festival mittlerweile zum fixen Bestandteil des Sommerprogramms im Haus geworden sei. „Das bunte Treiben hat uns im letzten Sommer sehr gefehlt.“ Ein buntes Treiben für jedermann bieten auch die insgesamt 188 Workshops und Research-Projekte, die im vergangenen Corona-Sommer das ausgefallene Programm zumindest teilweise kompensierten.

Dem Festivalmitbegründer Ismael Ivo wird im Odeon durch den Fotografen Dieter Blum eine Ausstellung gewidmet. Ebenso wird ihm der Abend vom 1. August im Volkstheater mit Beiträgen von u.a. Germaine Acogny, Louise Lecavalier oder Dada Masilo gewidmet. Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) freute sich bei der Pressekonferenz auf einen Sommer, „der mehr Chancen hat als im letzten Jahr“, und dankte Regensburger für seine beständige „Suche nach den nächsten Schritten - im mehrfachen Wortsinn“. In Hinblick auf die Hürden der internationalen Zusammenarbeit und finanzielle Schäden durch die abgesagte Ausgabe im Vorjahr meinte Regensburger abschließend: „Jetzt ist es wichtig, dass wir hier gemeinsam wieder in die Spur finden!“

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