Copa America trotz vieler Probleme in den Startlöchern

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Selten hat ein Fußballturnier weniger Begeisterung ausgelöst. Wenn am Sonntag in Brasilien die Copa America tatsächlich angepfiffen wird, sind zahlreiche Widerstände überwunden worden. Die Verlegung wegen politischer Unruhen, Proteste von Spielern und nicht zuletzt die Covid-19-Pandemie ließen die Austragung lange auf der Kippe stehen. Sportlich könnte die Copa aber durchaus interessant werden, der Weg zum Triumph führt wohl über Titelverteidiger und Neo-Gastgeber Brasilien.

Ursprünglich hätte die Südamerika-Kontinentalmeisterschaft 2020 in Argentinien und Kolumbien stattfinden sollen, doch alles kam anders. Erst wurde das Turnier wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben, dann sprangen nacheinander beide Ausrichter ab. Kolumbien suchte um eine Verschiebung an, da das Land seit Ende April von zahlreichen Protesten und Ausschreitungen in Atem gehalten wird. Der südamerikanische Fußball-Verband CONMEBOL lehnte dies ab, wenig später sagte er auch die Organisation in Argentinien ab. Dort wütet aktuell eine starke Corona-Welle, es herrscht ein harter Lockdown.

Daraufhin sprang zwei Wochen vor Turnierstart Brasilien ein. Das größte Land des Kontinents hatte bereits die Weltmeisterschaft 2014 und die Copa America 2019 ausgetragen. Doch diese Entscheidung sorgte für Kritik, Brasilien hat seinerseits schwer mit der Pandemie zu kämpfen. Einige Gouverneure stellten sich quer, die Nationalspieler um Superstar Neymar dachten öffentlich über einen Boykott nach.

Schlussendlich lenkten die Fußballer in einem gemeinsamen Statement aber ein: „Wir sind gegen die Organisation der Copa America, aber wir werden niemals Nein zur brasilianischen Nationalmannschaft sagen.“ Staatspräsident Jair Bolsonaro, der als Verharmloser des Coronavirus gilt, machte sich für die Durchführung stark und setzte sich durch. Zuletzt wurden seine Pläne durch den Obersten Gerichtshof STF bestätigt.

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Die Brasilianer dürfen sich berechtige Hoffnungen auf den Titelgewinn machen, es wäre der zehnte insgesamt. Die letzte Auflage entschied das Team rund um Superstar Neymar für sich und spielt auch aktuell in Topform. Bei sechs Partien in der WM-Qualifikation gab es ebenso viele Siege zu bejubeln. Zum Favoritenkreis gehören auch Copa-Rekordsieger Uruguay und die Argentinier mit Lionel Messi.

Für Messi könnte es die letzte Chance sein, mit dem Nationalteam einen Titel zu gewinnen. Er wird während des Turniers 34 Jahre alt, Argentinien gewann die Copa America zum letzten Mal 1993. Zudem ist weiterhin unklar, bei welchem Verein der Weltstar in Zukunft spielen wird, Messis Vertrag beim FC Barcelona läuft Ende Juni aus. Zuletzt wurde über einen Wechsel zu Inter Miami spekuliert, aber auch eine Verlängerung mit Barcelona steht im Raum.

Nachdem sich die Gastmannschaften Australien und Katar zurückgezogen haben, treten bei der diesjährigen Copa America zehn Nationen an. In zwei Gruppen zu fünf Mannschaften spielen sie um den Aufstieg. Je vier Teams kommen ins Viertelfinale, nur eines scheidet aus. Das Finale steigt am 10. Juli im legendären Maracana in Rio de Janeiro. Das Coronavirus wird wohl auch während dem Turnier nicht ruhen. In den Stadien sind keine Fans zugelassen, die Spieler werden in ihren Unterkünften kaserniert.


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