Fritz Krenn tritt zum zweiten Mal beim Bachmann-Preis an

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Fast 30 Jahre sind vergangen, seit der steirische Autor Fritz Krenn 1992 beim Bachmann-Preis angetreten ist. Damals erhielt er den 3sat-Preis für seine Erzählung „Das Holz“. Für die erneute Bewerbung ist ausgerechnet das Thema seines Vortrags verantwortlich. In seinem soeben vollendeten Buch „Meine Lesungen“ geht es um Veranstaltungen, „die nicht so sind, wie man sie sich vorgestellt hat“. Einen der skurrilsten Texte daraus liest er im Wettbewerb, der am Mittwoch startet.

Auch der diesjährige Wettbewerb, zu dem er von Klaus Kastberger eingeladen wurde, gestaltet sich wohl etwas anders, als erhofft: Dass das gesellige Zusammensein rund um das Wettlesen heuer aufgrund der Corona-Situation nicht genossen werden kann, findet Krenn schade. Dennoch hofft er, mit seinem Text überzeugen zu können. Schließlich liegt nicht nur der Band „Meine Lesungen“ fertig in der Schublade, auch ein Roman, an dem er schon lange arbeitet, ist zu etwa drei Vierteln fertig. Darüber hinaus harrt auch noch sein 2013 beim Suhrkamp-Verlag erschienenes Stück „Karl und Aloisia Krasser“ der Uraufführung.

„Wenn ich beim Ingeborg-Bachmann-Preis reüssiere, wäre dies eine glückhafte Fügung, in der Folge auch für meine weiteren Arbeiten“, ist Krenn im Gespräch mit der APA überzeugt. „Ich bin mir sicher: Es kommt der Moment, wo das Stück auf einer Bühne durch all seine Facetten hell erstrahlt.“ Damals, im Jahr 1992, sei es „geradezu unfassbar gewesen“, dass er als einer von damals 21 Teilnehmern, ohne zuvor ein Buch verlegt zu haben, ohne eine Verbindung zu einem Verlag vorzuweisen, mit einem der vier Preise ausgezeichnet wurde.

„Damals gab es ebenso bedeutende Kritiker wie heute, bloß waren es elf, die durchaus mit höchster germanistischer Brillanz, dem feinsten semantischen Geschick in der Lage waren, einen Text auf das Gebührende zu adeln, oder eben eine andere Geschichte in den Tiefen des Kärntner ORF-Theaters zu versenken“, so Krenn. Dass das Kalkül in diesem Metier kein guter Berater ist, sei einer der Gründe, warum er nie den Schritt in die völlige Unabhängigkeit gewagt habe. Nach der Ablehnung eines Hörspiels habe er sich vorgenommen, niemals von der Meinung Einzelner abhängig sein zu wollen. Also arbeitete er - auch aufgrund von gesellschaftlichen Verpflichtungen - weiterhin über die Zeit als Bankbeamter.

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„Je weiter ich in mein Leben gehe, umso schöner, zarter und berührter werden die Geschichten“, ist sich der 63-Jährige sicher. Nachsatz: „Das ist auch die Lebenserfahrung.“ Die konnte er bisher auch literarisch ausreichend sammeln. 1986 wurde sein Stück „Die Pacht“ in Graz uraufgeführt, 1997 erschien bei Deuticke die Erzählung „Cramer“, im selben Jahr veröffentlichte der Styria Verlag die Anthologie „Alles Stille“, 2000 folgte im Residenz-Verlag der Roman „Goldes“. In einem Landstrich dieses Namens nahe Großklein ist Fritz Krenn zu Hause.

Ingeborg Bachmann fühlt er sich - genauso wie Max Frisch und anderen Autoren und Autorinnen jener Zeit - sehr verbunden. Als „absolutes Leseerlebnis“ bezeichnete er ihren Roman „Malina“. Das Werk habe in ihm einen „unvorstellbaren Eindruck hinterlassen“. „Ich habe ein Naheverhältnis zu dieser Frau“, so Krenn, der als Kind begonnen hat zu schreiben. Schon beim Begräbnis seiner Großmutter habe er ihr als Neunjähriger versprochen: „Wir werden uns wieder sehen.“

Danach dauerte es etwa zehn Jahre, bis er den auch preisgekrönten Text „Die Absprache“ zu Papier brachte. „Da war ich so an meiner Seele, absolut nah, und habe empfunden, was es heißt, wenn man sich diesen Empfindungen von Trauer, Glück, Liebe, Hoffnung schreibend nähert.“ Wie er sich skurrilen Vorlese-Erlebnissen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte genähert hat, kann man dann beim Bachmann-Preis erkunden.


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