Van der Bellen empfing südkoreanischen Präsidenten Moon

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Die Bekämpfung der Corona-Pandemie und der Klimakrise waren die Schwerpunkte eines Gesprächs, das Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Montag mit seinem Amtskollegen aus der Republik Korea, Moon Jae-in, in Wien führte. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz betonten Südkoreas Präsident und Van der Bellen zudem unisono, dass „selbstverständlich“ auch das kommunistische Nordkorea ins COVAX-Programm zur Vakzinversorgung ärmerer Länder einbezogen werde, wenn es dies wolle.

Er sei sich aber nicht sicher, ob Nordkorea sich diesbezüglich schon geäußert habe und es überhaupt verlässliche Corona-Daten gebe. Eine Versorgung aller Länder mit Corona-Vakzinen sei aber im Interesse aller, auch Europas und der Industrieländer. Ganz generell lobte Van der Bellen, dass sich Präsident Moon persönlich für den Dialog mit Nordkorea eingesetzt habe. Es gebe ja immer noch Familien, die zerrissen seien, weil ein Teil im kommunistischen Norden und ein Teil in Südkorea lebe. Diese Familien hätten dann keinen Kontakt zueinander, erinnerte der Bundespräsident. Moon sei diesbezüglich sehr aktiv gewesen, habe aber mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ein Gegenüber, „mit dem nicht leicht umzugehen ist“.

Moon betonte, dass auch US-Präsident Joe Biden Zeichen setze, um den Dialog mit Nordkorea zu intensivieren. Es sei zu hoffen, dass diese auch in Pjöngjang gesehen würden. Bezüglich der Nordkorea-Politik von Bidens Vorgänger Donald Trump meinte Van der Bellen, dass diese zwar sehr aktiv, letztlich aber nicht sehr effektiv gewesen sei. Ein „Beweis für eine Denuklearisierung“ Nordkoreas sei bisher ausgeblieben. Trump hatte Kim 2018 in Singapur getroffen - sensationellerweise, denn die USA als Schutzmacht Südkoreas sind seit Jahrzehnten der Erzfeind Nordkoreas.

Südkoreas Staatsoberhaupt wird am Montag in Wien noch mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sowie Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) zusammentreffen. Als Themen wurden auch hier die Bereiche Corona-Pandemie, Klimaschutz und Wirtschafts- sowie Technologiefragen avisiert.

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Moon wird von seiner Frau Kim Jung-sook sowie Außenminister Eui-Yong Chung begleitet und wurde am Montagvormittag mit militärischen Ehren empfangen. Im Zuge der Visite wurden ein bilaterales Kultur- und ein Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet. Am Dienstag folgt ein Besuch im Stift Heiligenkreuz in Niederösterreich. Im Februar 2019 hatte Bundeskanzler Kurz Südkorea einen offiziellen Besuch abgestattet. 2007 absolvierte der damalige Bundespräsident Heinz Fischer einen Staatsbesuch in dem ostasiatischen Land.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern wurden 1892 aufgenommen. Österreich-Ungarn und Korea schlossen damals einen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag. Das Königreich (ab 1897 Kaiserreich) Korea, das unter der seit 1392 herrschenden Yi-Dynastie eine strenge Abschließungspolitik betrieb, stand damals noch in einem nominellen Vasallitätsverhältnis zu China, mit dem die Habsburger-Monarchie seit September 1869 diplomatische Beziehungen unterhielt. Der erste koreanische Gesandte Min Yong-Ik traf 1900 in Wien ein.

Die Konfrontation der Interessen auf der koreanischen Halbinsel führte zum japanisch-chinesischen Krieg (1894/95) und zum russisch-japanischen Krieg (1904/05). Dem koreanischen Hof zwangen die Japaner 1905 einen Protektoratsvertrag auf. 1910 wurde die Yi-Dynastie entthront und das Land dem japanischen Reich einverleibt. Die Kolonialherrschaft endete erst mit der militärischen Niederlage Japans 1945. Die Halbinsel wurde im Norden von sowjetischen, im Süden von US-Truppen besetzt. Es kam zur Teilung. Österreich unterhält sowohl mit der Republik Korea (Südkorea) als auch mit der Koreanischen Demokratischen Volksrepublik (Nordkorea) diplomatische Beziehungen.


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