Oranje-Team verzückte den König

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Selbst den niederländischen König hielt es nicht mehr auf seinem Sitz. Unter dem strengen Blick seiner Gattin, Königin Maxima, bejubelte Willem-Alexander mit geballter Faust den verdienten 3:2-Auftaktsieg des Oranje-Teams gegen die Ukraine. Gemeinsam mit 16.000 glückseligen Landsleuten feierte der Royal in der Amsterdam Arena die erfolgreiche Rückkehr der „Elftal“ auf die große Fußball-Bühne.

2.528 Tage nach dem Spiel um Platz drei bei der WM 2014 in Brasilien und nach zwei verpassten Turnieren meldeten sich die Niederländer mit Spektakel-Fußball zurück. Großen Anteil am Erfolg hatten auch zwei Profis, an die man beim technisch starken Spiel der Niederländer nicht zuerst denkt. Wout Weghorst traf zum 2:0 (58.), nach der erfolgreichen Aufholjagd der Ukrainer schoss Denzel Dumfries (85.) den nächsten Gegner der Österreicher (Donnerstag, 21.00 Uhr in Amsterdam) zum Sieg.

Das Duo wurde so zu den Lieblingen der Medien. „Zwei Spieler, bei denen du dich manchmal fragst, was sie in der Nationalmannschaft zu suchen haben, übernahmen die Hauptrollen und jagten die Euphorie durch die Arena“, schrieb „Volkskrant“ am Montag. „Denzel Dumfries und Wout Weghorst, Arbeiter mit Kohlestücken an den Füßen. Kämpfer, Kraftprotze“, schrieb die Zeitung weiter. „Sie essen und trinken Fußball und nun finden sie sich bei der EM wieder, in einer Siegermannschaft, mit einer Hauptrolle.“

Weghorst bringt eine Note ins Oranje-Spiel ein, das niederländischen Mannschaften oft gefehlt hat: Killerinstinkt und bedingungslosen Einsatz. In der Heimat wurde der Angreifer, der zuletzt mit verwirrenden Corona-Aussagen auch Negativschlagzeilen produziert hatte, selbst dann noch ignoriert, als er sich beim VfL Wolfsburg längst in der deutschen Bundesliga etabliert hatte. 20 Tore erzielte er in der abgelaufenen Saison, dennoch sprang er erst auf den letzten Drücker auf den EM-Zug auf. Noch im März hatte Bondscoach Frank de Boer Luuk de Jong in der WM-Qualifikation den Vorzug gegeben.

Auch sonst zeigten sich die niederländischen Medien nach dem gelungenen Auftakt optimistisch. „Der Löwe ist los“, titelte die Zeitung „De Telegraaf“ mit Blick auf das Tier im Wappen von Oranje. „Auf einmal schimpft (...) niemand mehr über das 5-3-2-System und ob (Bondscoach) Frank de Boer die richtigen Entscheidung getroffen hat“, schrieb das „Algemeen Dagblad“. Zwar gebe es auch noch Verbesserungsmöglichkeiten, „der Weg zum Gruppensieg ist aber erst einmal frei.“

De Boer freute sich über die drei Punkte, war aber nach der verspielten 2:0-Führung nicht restlos zufrieden. „Solche Sachen sind nicht gut für meine Gesundheit. Gehen wir davon aus, dass wir so etwas nicht mehr zulassen“, meinte der Teamchef. „Wir haben eine gute niederländische Mannschaft gesehen, die kompakt war, dominiert und Chancen herausgespielt hat. Das ist es, was wir sehen wollen. Aber diese zwei Tore, das zwar zu leicht. Wir müssen in diesen Situationen cleverer sein“, betonte er.

Die Ukraine, am 21. Juni in Bukarest abschließender Gegner der Österreicher, schwankte zwischen stolz auf eine starke Leistung gegen den Gruppenfavoriten und Enttäuschung über den letztlich doch verspielten Punkt. „Ich bin happy, was wir heute gezeigt haben. Es ist immer ärgerlich, ein Spiel so zu verlieren, aber es ist keine Tragödie. Wir haben noch zwei Spiele“, erklärte Teamchef Andrij Schewtschenko.


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