Volksoper beendete Premierensaison mit „Leyla und Medjnun“

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Eine meditative, arabeske Umspielung des Themas der Liebe ist Detlev Glanerts Kammeroper „Leyla und Medjnun“, deren Inszenierung durch Ruth Brauer-Kvam nun den Premierenabschluss der laufenden Saison der Wiener Volksoper darstellte. Mit dem 1988 uraufgeführten Werk setzt das Haus am Gürtel seine vor vier Jahren begonnene Bespielung des Kasinos am Schwarzenbergplatz mit einem Stück pro Saison fort.

Dazu hat Brauer-Kvam den Historismussaal mit persischen Teppichen auskleiden lassen, um die auf den persischen Autor Nizami aus dem 12. Jahrhundert zurückgehende Liebesgeschichte zu grundieren. Auf dieser Unterfütterung entwickelt die Regisseurin eine unaufgeregte Choreografie der Körper im Meditationsduktus, lässt die sieben Nebendarsteller mal als Barriere, mal als Raumelement gruppieren.

Als allwissender Conferencier fungiert bei Glanert der türkische Erzähler Zenne (Nicolaus Hagg), der das 1.000 Jahre alte Geschehen um das unglücklich liebende Paar Leyla und Medjnun ins Zeitlose respektive in die Jetztzeit hebt. Selbigen Schritt vollzieht auch der Komponist selbst, der das klassische Kammerorchester um eine von Crossoversängerin Özlem Bulut gespielte Oud ergänzt, dabei aber nur moderate Orientalistik evoziert. Stattdessen bietet die Besetzung die Grundlage für einen großen Klangfarbenreichtum.

Ebenso farbprächtig, aber wohl weniger leicht anschlussfähig im Okzident dürfte die persische Liebeslyrik als Librettogrundlage sein. Es sind ornamentale Umspielungen des Themas der Liebe, die arabesk deren Wesenskern umkreisen. Dabei entstehen Blüten wie „Wer hören will, muss fühlen“, zugleich dominiert das Paraphrasieren vor dem eigentlichen Benennen.

Eben das entspricht aber letztlich dem Grundcharakter des melancholischen Dichters Medjnun, der Leyla liebt wie sie ihn, der jedoch nach der von der Familie erzwungenen Trennung in den Wahnsinn und die Vergötterung der Sehnsucht und der Liebe als solches flüchtet. Es ist die Egozentrik des unbedingt Liebenden, der nicht mehr anschlussfähig ist an seine Umwelt. Leyla indes liebt Medjnun als Person, nicht als Ideal und geht eben daran zugrunde. Gesungen wird dieses traurige Paar von Mara Mastalir, die optisch an eine junge Garanca erinnernd mit einem glasklaren, vibratoreduzierten Sopran überzeugt, während Alexander Pinderak an ihrer Seite sich bisweilen mit der Höhe abmühen muss.

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